Dienstag, 8. Januar 2019

Winterfreuden

Das Schönste am Winter ist für mich das Eislaufen. Ich freue mich schon, wenn es zum ersten Mal im Jahr zur Schlittschuhbahn geht. Die vielen Menschen, die Lichter, die Stille, die roten Bäckchen und die lachenden Gesichter, das majestätische Gleiten über das Eis.
Ich selbst betrete die Eisfläche allerdings nicht. Ich begnüge mich mit der Rolle des aufmerksamen Beobachters. Ich stehe am Rand der Bahn, lehne mich entspannt ans Geländer und schaue den Menschen zu, die im Kreis laufen, alleine oder Arm in Arm, mit Pudelmützen und dicken Anoraks, elegante Läuferinnen oder offensichtliche Novizen.
Ganz besonders mag ich es, wenn jemand stürzt, wenn einer so richtig auf die Schnauze fällt. Sie fuchteln noch einen Augenblick hilflos mit den Armen, schon liegen die Trottel auf dem Eis. Das schmerzverzerrte Gesicht, während sie umständlich versuchen, wieder auf die Beine zu kommen. Gleichgültig ziehen die anderen Läufer ihre Bahn. Das gefällt mir. Nur mit den Kindern habe ich Mitleid. Die Kinder sollen nicht hinfallen, ich möchte sie nicht weinen sehen. Aber den Erwachsenen gönne ich das Unglück von ganzem Herzen.
Da! Ein dicker alter Mann wagt sich auf das Eis. Er kann sich kaum auf den Schlittschuhen halten. Die erste Minute klammert er sich ängstlich ans Geländer, bevor er sich hinaus wagt. Er ist komplett in Weiß gekleidet, ein adipöser Tampon. Ich behalte ihn im Auge. Ich lauere. Er stolpert, er strauchelt, die anderen Menschen machen einen Bogen um ihn. Es kann nicht lange gut gehen; wir alle wissen es.
Endlich hat sich der dämliche Schwachkopf auf seinen fetten Arsch gesetzt und ich beginne zu lachen. Ich kann gar nicht mehr aufhören. Ich lache laut und werfe den Kopf in den Nacken wie ein Pianist. Dieser Idiot! Ich ignoriere die bösen Blicke. Es ist zu köstlich. Es sind die schönsten Momente des Winters.
Gustav – Rettet die Wale. https://www.youtube.com/watch?v=LKTVt3RriOg

Kommentare:

  1. Dann wäre Eishockey, Eishockai, wie Xaver Unsinn immer gesagt hat, ja Ihr Sport.
    Zum selber betreiben wie auch als Zuschauer.
    Ich würde Ihnen dann zuschauen.

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  2. Ja, es gibt tatsächlich noch einige schöne, befreiende Hobbies...

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  3. Ach, das waren noch Zeiten als Sie häufiger die Rolle des Kiezneurotikers in Ihre Erzählungen eingebaut haben... Schade aber auch, ...

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  4. Es gibt kein unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens
    und tiefer moralischer Nichtswürdigkeit,
    als ein Zug reiner, herzlicher Schadenfreude.
    Man soll den, an welchem man ihn wahrgenommen, auf immer meiden.

    Arthur Schopenhauer (1788 - 1860), deutscher Philosoph *weisstebescheid...(ړײ)***

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