Donnerstag, 31. Januar 2019

Listen, England!



Wir haben 1973 geheiratet. In diesem Jahr bist du in die EG eingetreten. Jetzt willst du die Scheidung. Du hast dir eine Anwältin genommen (#mayday) und im März erfolgt die Trennung. Aber ich möchte dir zum Abschied noch eines sagen: Ich liebe dich immer noch. Diese verrückte kleine Nordseeinsel, die nicht kochen kann. Habe ich mich je über Pommes mit Erbsen beschwert? Ich habe geschwiegen und alles gegessen, was du serviert hast. In den achtziger Jahren hast du sogar einen Rabatt auf deine Mitgliedschaft bekommen. Extrawurst. Für mich okay, weil: Liebe.


Als das Vereinigte Königreich noch cool war.

Es war nicht immer leicht. Der erste Satz, den ich 1984 beim Betreten eines englischen Pubs während meiner Klassenfahrt gehört habe, war nicht: „Hello, my friend“ oder „Welcome, have a seat, please“, sondern „We won the war“. Es war nie einfach, ein Deutscher zu sein (lesen Sie die AGB!). Als Kind haben mich an einem spanischen Strand die Kinder aus anderen Ländern nicht mitspielen lassen. Sie haben „Heil Hitler“ geschrien und mich ausgelacht. Geschenkt. Ich bin trotzdem immer wieder ins Vereinigte Königreich gereist. Oder ans Mittelmeer. 1990 lese ich in der Londoner U-Bahn gleich am ersten Reisetag die Schlagzeile in der SUN, Thatcher-Minister Ridley sieht ein „Viertes Reich“ heraufziehen.


David Bowie 1971. 

Für dich sind die EU, Mercedes-Limousinen und die Fußballnationalmannschaft Mittel, mit denen die Deutschen nachträglich den Krieg gewinnen. Woher der pathologische Hass? Wir sind die einzigen Menschen auf dem Kontinent, die dich ohne Vorbehalt lieben. Franzosen, Italiener und Spanier verachten und ignorieren dich. Wir hören deine Musik, wir sehen uns die Hochzeiten deiner Royal Family an. Wir würden sogar in britische Restaurants gehen, wenn es tatsächlich welche gäbe. Wollen wir es nicht noch einmal probieren, Sweetheart?
Marianne Rosenberg - Liebe kann so weh tun. https://www.youtube.com/watch?v=yhbDdQDcHtc
Hier noch mal meine Brexit-Analyse von 2016: https://kiezschreiber.blogspot.com/2016/07/das-sechs-stufen-modell-der.html

6 Kommentare:

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  2. Liebe macht blind.
    Reisende soll man nicht aufhalten.

    Die Steuerhinterziehungsoasen Ihrer Majestät wird es weiterhin geben, mit noch mehr Anreizen für EU-Milliardäre und Konzerne. Die Deutsche Bank wird bis zu ihrem letzten Tag beim Befüllen weiterhin, getreulich ihrem Wahlspruch: "All in", bei der "legalen" Befüllung behilflich sein.

    Worum macht der Blogführer sich denn eigentlich Sorgen?

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  3. Es sind ja auch unsere Verwandten.
    Kelten aus der Gegend Jura/Schwaben/Bayern/Österreich ( von West nach Ost ) und Sachsen aus Norddeutschland und sonst noch irgendwelche Germanen, die vorher noch kurz mal Gallien besetzt hielten.(Normannen)
    Oder hab ich da die Geschichte nicht verstanden ?
    Deren einziges Problem ist, daß Sie durch ihre Insellage zu wenig Geninput hatten.
    Wir hier hatten ja schon immer jede Menge Zuzug.
    Das macht schlau und schön.

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  4. Ha! Damit bist du ja ausnahmsweise auf einer Linie mit Leuten, mit denen du sonst weniger Übereinstimmng hast. Die englische Reaktion darauf ist nicht ganz so wie gewünscht. (Unbedingt auch ein paar der Kommentare lesen! Das ist leider (weitgehend) britischer Mainstream.)

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    1. Natürlich springt das Establishment mal wieder auf den Bonetti-Zug auf. Is klar jewesen!

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  5. Andere Stimmen zum Brexit ...

    „Wir wären ein ärmeres Land.“ (David Cameron, britischer Premier)

    „Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es endet (immer) tragisch.“ (Boris Johnson)

    „Ich würde sagen, sie (die Briten) wären ohne sie (die Europäische Union) besser dran.“ (Donald Trump)

    „Großbritannien ist immer am besten, wenn es dabei hilft, ein starkes Europa zu führen.“ (Barack Obama)

    „Ich kann nicht ausschließen, dass der britische Austritt Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern.“ (Jean-Claude Juncker)

    „Wenn wir nicht zusammen agieren und jeder für sich alleine agiert, dann wird das auch auf die britische Bevölkerung nicht sehr überzeugend wirken.“ (Angela Merkel (CDU)

    „Wenn ein Team in der 90. Minute 0:3 zurückliegt, kann ich nur schwer glauben, dass dieses Ergebnis umgedreht wird und wir noch 4:3 gewinnen. Wir müssen realistisch bleiben.“ (Robert Fico)

    „Gemeinsam sind wir stärker.“ (Mario Draghi)

    „Die Zeiten sind vorbei, in denen wir noch alleine gegen die Welt bestehen konnten. Wir müssen Teil einer größeren Gruppe von Nationen sein, sowohl für unsere Sicherheit als auch für unseren Handel.“ (Stephen Hawking)

    „Wenn es heißt, dass wir wieder die gescheiten Glühbirnen – 60 Watt, pfirsichfarben, zum Stecken oder Drehen – benutzen können, werde ich den Brexit sicherlich unterstützen.“ (Liz Hurley, Schauspielerin)

    „Ohne Großbritannien gäbe es das heutige Europa nicht. Lasst uns die Unentschlossenen, die Ängstlichen und die, die gehen möchten, lasst uns den störrischen Inselmenschen bei seiner Achillesferse packen: den Gefühlen.“ (Jan Böhmermann)

    *TJA*

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