Dienstag, 1. Januar 2019

Das neue Jahr

„Ich bin ziemlich ungebildet, aber ich lese viel.“ (Holden Caulfield)
Das Jahr geht gut los. Heute ist der hundertste Geburtstag von Jerome David Salinger. Sein „Der Fänger im Roggen“ katapultierte ihn 1951 mit einem Schlag in den Olymp der Literatur. Ich habe das Buch zwei Mal gelesen und lese es gerade das dritte Mal – jetzt aber in der neuen Übersetzung von Eike Schönfeld. Der jüdische Autor, der als amerikanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft und bei der Befreiung von Konzentrationslagern traumatische Erlebnisse hatte, zog sich nach dem überraschenden Erfolg seines Debütromans aus der Öffentlichkeit zurück und lebte in einem Provinznest in New Hampshire (es ist mit 1640 Einwohnern etwa doppelt so groß wie Schweppenhausen), um für den Rest seines Lebens in Ruhe schreiben zu können. Bis zu seinem Tod 2010 hat er keinen Roman mehr veröffentlicht, obwohl es noch etliche Manuskripte von ihm geben soll.
Holden Caulfield, der Protagonist, ist ein Jugendlicher, der auf den Straßen New Yorks unterwegs ist. Seine Verachtung für die Gesellschaft, die sich die Erwachsenen geschaffen haben, liegt irgendwo zwischen altkluger Hochnäsigkeit und Zerbrechlichkeit, zwischen Ablehnung und Melancholie. Wie kann er auf dem Weg in diese Welt seine kindliche Unschuld bewahren? Wie kann er es verhindern, so zu werden wie die ganzen verlogenen Spießer, die ihn umgeben? Wir kennen dieses Gefühl aus unserer Vergangenheit. Wir glauben, Außenseiter zu sein, und träumen von einem Leben außerhalb der Konventionen und Banalitäten des Alltags.
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Nachdem wir die Jubiläen von Marx, Weimar und ’68 im vergangenen Jahr endlich hinter uns gebracht haben, steht uns 2019 der fünfhundertste Todestag von Leonardo da Vinci bevor. Ein Universalgenie der Renaissance, dessen „Mona Lisa“ aber völlig überschätzt wird. Der Mann hat mehr zu bieten, er war ein Visionär. Er hat Lufttaxis und die Innenbeleuchtung für Kühlschränke vorhergesehen. Er trug schon Bart, als es noch keine Hipster gab.
Was haben wir noch im Angebot? Fünfzigster Jahrestag der Mondlandung (wird von Verschwörungstheoretikern nicht gefeiert), hundertster Todestag von Luxemburg und Liebknecht (wird nur von Linken wahrgenommen), zweihundertfünfzigster Geburtstag von Napoleon und Alexander von Humboldt (für Franzosen und Preußen-Fans) und dreißig Jahre Maueröffnung (für Talkshows im November geeignet). Dann müssen wir uns noch im März mit einer ulkigen kleinen Nordseeinsel und im September mit der neuen CDU-AfD-Koalition in Sachsen beschäftigen.
Hoffen und Harren macht manchen zum Narren, hat Jimmy Volksmund mal gesagt. Oder war es Ovid und der Spruch ist nur was für ultraschwer Gebildete? Egal. Gehen wir getrost davon aus, dass 2019 genauso deprimierend und beschissen wird wie 2018.
The Platters - Smoke Gets In Your Eyes. https://www.youtube.com/watch?v=H2di83WAOhU

Der Morgen danach. Sie kennen das. Unser Tipp für die Reste Ihrer Silvesterparty: https://www.youtube.com/watch?v=XF1jiJeak5c

Kommentare:

  1. Wenn Du weißt was kommt kannst Du Dich als Hellseher etablieren! Ansonsten erwarte was kommt, laß Dich manchmal überraschen, manchmal ist es gut, vorgewarnt zu sein. Nur negative Erwartungen bringen keine Freude, schränken den Blick ein. Das war das Wort zum Feiertag(an dem das Feiern vorbei ist).

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    1. Den 500. Todestag von da Vinci zu prophezeien - das traue ich mir gerade noch zu :o)

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  2. ps.: Bei dem Zustand der Küche plädiere ich für Abriß des Hauses oder Umzug.

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  3. ☜✿☞ FROHES und gesundes 2019 ☜✿☞

    ♥Schliebe die Traudl und das Chaos sowieso:

    "Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
    Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch."

    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)

    https://www.youtube.com/watch?v=cCLjjKxJ6GA

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  4. 80 Jahre: Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Er begann in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. (Wiki)

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