Dienstag, 11. Dezember 2018

Wie die Verschwörung wirklich läuft

Kennen Sie das Bankhaus Stralauer? Sehen Sie, keiner kennt es. Obwohl es überall in Berlin Filialen dieser Bank gibt. Aber keiner würde jemals eine dieser Filialen betreten, weil man ja kein Kunde ist. Heute möchte ich Ihnen das Geheimnis verraten, das hinter dem Bankhaus Stralauer steckt.
Hier verbergen sich die Eingänge zu Berlins exklusivem U-Bahn-Netz. Neben dem bekannten Netz der BVG, das für gewöhnliche Menschen, für Hinz und Kunz, für Sie und Ihre Familie angelegt wurde, gibt es noch ein First Class-Netz mit eigenen Bahnhöfen und Tunneln. Haben Sie sich noch nie gefragt, warum Bauvorhaben in Berlin so teuer sind und so lange dauern. Das Geld und die Arbeitszeit der Ingenieure und Arbeiter werden für das geheime Netz gebraucht.
In den Zügen sind Prominente, Politiker, Industrielle und Berlin-Insider wie ich unterwegs. Selbstverständlich müssen wir keine Fahrkarten kaufen. Die Züge kommen alle drei Minuten, jeden Tag, jede Nacht. Wir sitzen in bequemen Polstersesseln und hören gute Musik. Natürlich gibt es auch Speisewagen, wo es Lachshäppchen und Sekt bis zum Abwinken gibt.
Neulich habe ich den Regierenden Bürgermeister getroffen, der im Keller des Roten Rathauses übrigens eine eigene Station hat. Ich habe ihn gefragt, wie es mit dem Bau des First Class-Flughafens vorangeht, der mit abgezweigten BER-Milliarden gerade in Blumberg nordöstlich von Berlin entsteht. Schließlich wollen Menschen wie Herr Müller und ich nicht mit Hinz und Kunz – Sie verstehen?
Eröffnung sei im nächsten Sommer, sagte er mir. Spezielle Flugzeuge kämen zum Einsatz, in denen es nur Plätze der ersten Klasse gäbe. Im Abfertigungsgebäude selbstverständlich Sterne-Gastronomie und Brandschutz vom Feinsten, keine lästigen Security-Checks, denn die wären ja bei unsereinem nicht nötig.
Wurde aber auch höchste Eisenbahn, antwortete ich. Dann lachten wir alle, wir lachten über diese Stadt und über die Dämlichkeit der Steuerzahler.
***
Vor der Wiedervereinigung hat die Regierung in Bonn jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag nach Berlin überwiesen, mit dem der berühmt-berüchtigte Filz aus Baulöwen, Finanzjongleuren und Politikern alimentiert wurde. Als damit Schluss war, machte man erst einmal auf Pump weiter. Der Bankenskandal und die zerrütteten Finanzen der Stadt waren das Ergebnis. Jetzt hat man den Flughafenneubau als Geldzapfsäule installiert. Er wird erst eröffnet, wenn ein neues Fass ohne Boden aufgemacht werden kann.
Konkret läuft die Sache genauso wie die Geldwäsche in der Gastronomie. Niemand kann im Nachhinein juristisch einwandfrei belegen, wie viele Gäste an einem Abend im Lokal waren und wie viele Essen und Getränke verkauft wurden. Übrig bleiben nur Abrechnungen, z.B. mit Lieferanten. Der Papierkram ist immer sauber, da über den eigentlichen Betrug natürlich nicht Buch geführt wird.
BER: Wer kann bei einer Buchprüfung wirklich sagen, ob in jenem Monat X zwei oder zehn Bagger auf der Baustelle waren? Ob die fünftausend Arbeitsstunden, die abgerechnet wurden, auch tatsächlich geleistet wurden? Vielleicht waren es nur tausend? Die Wirtschaftsprüfer, die in einem solchen Fall eingesetzt werden, haben die Baustelle nie gesehen. Sie kennen nur die Abrechnungen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, ebenso wie die beteiligten Unternehmensberatungen, haben nur Interesse an ihrem Honorar und Folgeaufträgen. Niemand aus dem Reich der grauen Anzugträger mit BWL-Hintergrund würde jemals den Ehrgeiz entwickeln, einen Skandal aufzudecken. Sollten die Bücher tatsächlich nicht stimmen, berichten sie es treuherzig den beteiligten Firmen und sicher nicht der Polizei.
Wenn sich Auftraggeber und Auftragnehmer einig sind, kann die beauftragte Baufirma Phantasiesummen abrechnen und den zuständigen Herren von der Bauleitung eine schöne Provision auf ein anonymes Konto in einer Steueroase zukommen lassen. Auf dem Papier ist alles in Ordnung. Diese Art von Kriminalität ist schwer nachzuweisen. Misstrauische Politiker bekommen Schmiergeld oder eine fette Parteispende, Journalisten fehlt die Zeit und die Kompetenz für eine aufwendige Recherche.
Max Romeo - Chase The Devil. https://www.youtube.com/watch?v=WpIAc9by5iU

Kommentare:

  1. A B G R Ü N D E - HAIFISCHBECKEN - ABGRÜNDE !!! *wusstischJAschonIMMER*

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  2. Antworten
    1. Das habe ich nicht anders erwartet :o)

      Die Medienabstinenz habe ich womöglich ein letztes Mal geübt. Ich kam am 15.11. in meine Berliner Wohnung, wollte abends das Länderspiel gegen Russland sehen und stellte fest, dass diese blöden Engländer (Vodafone! Kabelbetreiber!! Brexit-Wahnsinnige!!!) alle Sender auf digital umgestellt haben, was mein alter Hobel digital nix empfängt. Kein Internet, kein Fernsehen! Der erste Abend war so brutal, ich habe zwei Flaschen Wein gebraucht. Dann habe ich zum ersten Mal seit 1985 das Radio eingeschaltet. Es war so deprimierend. Kein Wunder, dass die Leute im Radio-Zeitalter aka Weimarer Republik ständig ausgerastet sind.

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