Donnerstag, 20. Dezember 2018

Relotius-Tagebücher gefunden !!!

Nein, Colonel Clickbait hat wieder zugeschlagen. Zu Rudolf Augsteins Zeiten wäre es noch ein Skandal gewesen, aber 2018 hat der SPIEGEL endgültig seinen Platz auf dem Presseboulevard zwischen BILD und STERN gefunden. Sagen, Sagen, Sagen – und immer an die Auflage denken.

Machen wir weiter mit dem Maler Conrad Felixmüller. Das erste Bild heißt „Der Zeitungsjunge“, das zweite Bild „Der Dichter“. Journalismus und Literatur, einstmals sauber getrennt und nur von den ganz Großen wie Kisch im Einzelfall vereint, sind im SPIEGEL zu einer unheilvollen Melange geworden. Der klassische Stil des einstmals renommierten Nachrichtenblatts war immer, am Einzelfall, am persönlichen Schicksal die großen Linien der Politik und der Geschichte zu erzählen. Viele Stücke fangen mit der Perspektive einer konkreten Person an, die uns wie ein Scout in den Dschungel des jeweiligen Narrativs führt.

Am Ende eines blutigen Tages, an dem ein Shitstorm durch das Atrium der „Spiegel“-Zentrale am Ericusgraben in der Hamburger Hafencity gefegt ist, sitzt Randy Bonetzky (Name von der Redaktion geändert) in einem Hotelzimmer und sagt: "Das war es wert.“ Kurz vor dem Ende seiner Recherche kommen sich Glanz und Elend in seinem Leben noch einmal ganz nah. In der Badewanne liegt der regungslose Relotius, auf dem zerwühlten Hotelbett das Tagebuch. Das Dokument, das es nicht geben darf, ist in schwarzes Leder gebunden. Die Spur führt zu Putin, dem Drahtzieher dieser Jahrhundertattacke auf das selbsternannte Sturmgeschütz der Demokratie. Aber „Onkel Wanja“, wie sie alle den Paten im Kreml nennen, ist an diesem Morgen nicht zu sprechen. Die Geschichte der Qualitätsmedien muss in weiten Teilen neu geschrieben werden. Die vierte Gewalt ist in Wahrheit die fünfte Kolonne Moskaus. Es sind exakt 378 Seiten Dynamit, die der vielfach preisgekrönte Journalist für das Kiezschreiber-Blog gesichert hat. Bonetzky geht langsam zum Fenster und blickt nachdenklich in die graue Morgendämmerung über der Elbe.

Ihr Vorteil bei Bonetti Media: Hier verschwimmen Fakten und Fiktion schon seit fünfzig Jahren. Mindestens.



Andrea Berg - Du hast mich tausendmal belogen. https://www.youtube.com/watch?v=gzSqJfLHIRM

8 Kommentare:

  1. Sie werden sehen, es wird keinen so wirklich aufregen.
    Und der Typ hat sogar einen Preis, oder gar Preise ingesackt. Absurd.
    Aber wer schaut hinter die Kulissen? Stand er unter einem riesigen Druck, ständig die Hammerstory abliefern zu müssen oder war es nur übersteigertes Sendungsbewustsein?
    Bonetti Media wird uns lückenlos unterrichten.

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  2. Deshalb lese ich gerne ein paar Blogs wie diesen, aber nie den Spiegel. Bonetsky ist ungleich kreativer ohne monitäre Hintergedanken, die Geschichte baue ich in meinem Kopf aus und mache damit Hirngymnastik.

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  3. K U N S T phantasien ... in Bild und Sprache, wem`s gefällt ?!?

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  4. Bonetti Media wird die hochgeschätzte Leserschaft auch weiterhin mit spannenden Reportagen von allen Brennpunkten der Welt beliefern. Unsere Journalisten scheuen nicht den weiten Weg in den Weinkeller und in die Echokammer ihrer eigenen Phantasie. Fakten sind für Meinungsschwache, wer recherchiert, hat Angst.

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  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Borderline-Journalismus

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  6. danke dass du mich an konrad felixmüller erinnerst. der hat mit Der Tod des Dichters Walter Rheiner mein absolutes Lieblingsbild hingepinselt. Was ein Werk. http://kaempfer.free.fr/oeuvres/rheiner-kokain.htm

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    1. Das ist Weltklasse! Ich habe ja nur den Namen des Malers bei Google/Bilder eingegeben. Aber das Kokain-Bild ist der Hammer.

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  7. Thanks for sharing your awesome web page.

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