Dienstag, 18. Dezember 2018

Die ökonomische Fachfrage der Woche

Heute geht es um die Frage: Lohnt sich der Weg zum Pfandautomaten überhaupt?
Des Öfteren sehe ich, wenn ich meine gebrauchten Weinflaschen in die Altglastonne unseres Hinterhofs schmeiße, leere Bierflaschen zwischen den Schnapsbuddeln. Im ersten Moment denke ich: Da hat ja einer das Pfandgeld nicht nötig, oder? Für einen kurzen Augenblick denke ich sogar: Nimm sie doch raus und trag sie zu Edeka.
Aber wenn mich jemand sieht? Dann gehöre ich endgültig zu den Elenden, die Pfandflaschen sammeln müssen. Jugendarmut, Altersarmut – mit 52 ist man irgendwo dazwischen. Prekariat, Gelbwesten, Unterschicht. Unbefreites und hoffnungsloses Lumpenproletariat, von dem sich die Armani-Linken unter Lara Sagenknecht längst abgewendet haben. Also lasse ich sie in der Tonne liegen.
Lohnt es sich überhaupt, rein ökonomisch betrachtet, Pfandflaschen zum Automaten zu tragen? Da sind natürlich erst einmal die Reinigungskosten. Ich brauche Spülmittel und Wasser, denn ich kann die Bierflaschen ja nicht total dreckig in den Supermarkt tragen. Hashtag multiresistente Keime. In Sachen Joghurtbecher und Mayonnaisetube erwartet es die EU von uns ja auch.
Dazu kommen die persönlichen Energiekosten. Ich verbrauche beim Tragen der Tüte und beim Laufen zum Einkaufszentrum wertvolle Kalorien, die ich in Form von – sagen wir mal – Bier wieder zu mir nehmen muss. Und das alles für vielleicht 72 Cent. Kennen Sie den mitleidigen Blick an der Kasse, wenn man den Bon einlöst? Ich hätte das Geld natürlich auch spenden können, dafür gibt es ein kleines Kästchen neben dem Pfandautomaten. Es ist übrigens durchsichtig. Hashtag Moralkeule.
Ich bin am Ende der Aktion nicht nur völlig ausgepumpt von der ganzen Arbeit und habe wertvolle Lebenszeit verschwendet, sondern ich bin auch noch eine egozentrische Drecksau, weil ich den Armen nicht geholfen habe. Ich stecke also in einem Dilemma. Soll ich die Pfandflaschen in Zukunft auch wegwerfen? Oder an einem öffentlichen Mülleimer platzieren? Aber ich kenne die Lösung:
Wein. Rotwein, Weißwein, Sekt. Aus der Region. Das ist ökologisch und ich muss mir um das Thema Pfand nie wieder Gedanken machen. Gott segne unsere deutschen Winzer, deren Produkte in pfandfreien Glasflaschen ausgeliefert werden, die ich direkt hinterm Haus der Wiederverwertung in unserem hervorragenden Recyclingsystem zuführen kann. Bier ist sowieso ungesund. Prost!
Prefab Sprout – King Of Rock’n Roll. https://www.youtube.com/watch?v=BmMY21aQDjg

12 Kommentare:

  1. Auf den Hund kommen

    Bedeutung:
    Auf den Hund kommen – gesundheitlich oder wirtschaftlich ruiniert sein, sozial oder moralisch absteigen, in schlechte Verhältnisse geraten

    .... DU kommst eben hier, auf die Katz = sowieso das SELBE - ODER ?!?

    *ho ho ho*

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  2. Eine nachdenkliche Katze bei Betrachtung mir total fremder Rechenoperationen, das ist der Erfolg jahrelanger Bemühungen. Aber um was? Die Gedanken ums Pfandgeld führen zu interessanten Folgerungen, hatte ich noch nie bedacht, Danke.

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  3. Ich schmeiß die alle in den Hausmüll ist total umweltfreundlich da eben Glas. Plastikflaschen? Bekommen die Penner. Fruchtsaftbuddeln wollen die aber nicht haben, komisch. Aber sie haben die Zeit die verschiedenen Flaschenarten auf die verschiedenen Supermärkte aufzuteilen. Das wiederum hat dieses unfähige grüne Stück Sch... verbrochen welches sich ins seiner Dummheit suhlt.

    Die Stadtreinigung hier sammelt das Papier selbst, in Extratonnen (schön blau) mit extra Leerung. Sonst müssten sie es zukaufen oder die Ölbrenner anschmeissen.

    Plastiktüten kosten Geld um all das mitzunehmen was in Plastik eingeschweißt ist.

    Dann gibt es in diesem so schon wirren System nichts sinnloseres als den Wahnwitz des deutschen Altglas- Altplastik- Teilpfandsystems mit willkürlichen Abgrenzungen die mit den Produkten selbst nichts zu tun haben.

    Danke an die CDU die das eingestilt und den grünen Punkt eingeführt hat. Weil diese korrupte Dreckspartei daraus ein Geschäft machen konnte. Dieses "System" wurde übrigens kurz vor Ende an US Investoren verditscht.

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    1. Meine Rede. Ich habe braune, schwarze und blaue Tonne abgeschafft. Bei mir kommt alles in die gelbe Tonne. Wie man im Ruhrpott sagt: Arschlecken, rasieren, dreifuffzich. Da ich keine Printmedien benötige und das Einwerfen von Propagandamaterial der Konzerne in meinen Briefkasten schriftlich untersagt habe, muss ich nur alle sechs Monate auf den 1 km entfernten Wertstoffhof, um mein Altpapier kostenlos zu entsorgen. Die leeren Weinflaschen bringe ich in Schweppenhausen in den Glascontainer gegenüber vom Feuerwehrhaus. Zum Kaffeetrinken braucht man auch keine Pfandflaschen. Fertig ist die Laube.

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  4. Altglascontainer sind heir nicht ganz so oft überfüllt wie die Papierdinger.

    und nur alle 1/2 Jahr zur Sammelstelle? Wie langweilig.

    Hier ist das viel spannender. Entweder ist zu, die Öffnungszeiten geändert oder die Schlange der Autos staut sich 500m davor. Alle warten wenn möglich mit laufendem Motor auf Einlass. Dazwischen Schrottsammler die die Autos abklappern um brauchbares zu ergattern. Auf dem Hof hat die hälfte gerade mal 2 Plastiktüten voll mit "Wertstoffen" aber wohl sonst nichts zu tun und im Zweifel soll man alles in die Presse schmeißen.

    Nur die Trinkgeldkasse haben Sie abgeschafft, wg. Korruption. Ok 1 Kombi voll alter Computerteile für'n Zehner (frühes kommen auf leeren Hof war Pflicht) war schon heftig.

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    1. Ich bin dort alle zwei Wochen wegen meiner Garten-Scheiße. Und weil ich kein Auto habe und jedes Mal mit irgendeinem anderen Gangster vorfahre, der ein bulgarisches oder Mainzer Nummernschild hat, muss ich mit dem Kontrolletti am Eingangstor eine endlose Debatte führen, wo ich eigentlich herkomme. An der Zonengrenze zur DDR war's gemütlicher!

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    2. Das ist hier nicht anders, wenn es Nazis gibt dann bei der Stadtreinigung am Dispatcherhäuschen. Aber hier läuft die moderne Variante mit Car-Sharing Kennzeichen.

      Hilfreich ist aber Mundart schnacken zu können. Das reicht als ID meist aus.

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    3. Ich finde, diese Leute sollten Uniform tragen und einen Schlagstock bekommen.

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  5. Leider muß ich dir mitteilen, daß auf Weinflaschen 2ct Pfand sind.

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    1. Nicht bei uns. Rheinhessen = Weinanbaugebiet = Drogenregion = Jamaika. Wenn du hier mit so einer Scheiße kommst, kriegst du den Sack heiß gebügelt.

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  6. Ach jetzt heizt doch das Pfandsystem nicht auch noch ideologisch auf.
    Ich erachte es als sehr sinnvoll, weil vor dem z.B. Dosenpfand sah es an den entsprechenden Plätzen wie auch entlang von Radwegen oder ähnlich lauschigen Plätzen aus wie die Sau.
    Das man inzwischen an den Pfandannahmestellen ob der überbordenden Vielfalt an Flaschen nur noch Hochschulabsolventen anstellen kann, Philosophie oder Kulturwissenschaften, liegt eher am Kapitalismus und dem Zwang zur absoluten Individualisierung. Jedes Gebräu seine eigene Flasche, mit Bügelverschluß oder was weiß ich. Früher gab es nur 2 unterschiedliche Flaschen, Halbe und Pils, und manchmal waren im Pilskasten auch ein oder zwei grüne Fläschchen drin, das Capofläschle.

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  7. Mein Weinlieferant nimmt die leeren Flaschen bei der nächsten Lieferung wieder mit.

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