Sonntag, 11. November 2018

Faktencheck: Die gute alte Zeit

Die Bertelsmänner haben etwa 11.000 Leute in fünf europäischen Ländern befragt und herausgefunden, dass zwei Drittel von ihnen glauben, früher sei alles besser gewesen. Woher kommt diese irrwitzige Nostalgie? Möglicherweise haben zwei Drittel der Bevölkerung auch einfach ein schlechtes Gedächtnis.
Früher gab es im Auto weder Sicherheitsgurte, Nackenstützen oder Airbags. Die Leute sind im Auto gestorben wie die Fliegen.
Es gab Abgase aus Autos, Fabrikschornsteinen und Kohleöfen, so dass es regelmäßig zu Smogalarm kam – in Zeiten, wo niemand das Wort Umweltschutz kannte. Die Leute hätten über unsere heutigen Grenzwerte nur ungläubig den Kopf geschüttelt.
In jedem Raum wurde geraucht. Kinder wurden mit Zigarren, Pfeifen und filterlosen Zigaretten zugequalmt. Selbst vor dem Einschlafen musste noch schnell eine Kippe geraucht werden, weswegen viele Menschen in ihren Betten verbrannten.
Früher liefen noch echte Nazis rum. In rauen Mengen. Nicht diese armseligen Neonazis. Ich rede von Massenmördern.
Es gab kein Internet. Ich wiederhole: kein Internet.
Keine Playstation. Nur Brettspiele.
Flugreisen waren unbezahlbar oder führten ausschließlich nach Mallorca und an die Costa Brava.
Das Fernsehprogramm war noch schlechter als heute. Auch wenn man es kaum glauben mag.
Politiker und Gewerkschafter waren korrupt (#Flick, #NeueHeimat).
Das war nur mal eine erste Sammlung von Fakten. Bitte ergänzen Sie den Text, falls Sie über vierzig Jahre alt sind und die gute alte Zeit™ selbst erlebt haben.

1975: Die Helmstraße in West-Berlin.

12 Kommentare:

  1. Mein Vater war ein sehr musikalischer Mensch, hatte selbst mal gespielt und so dudelte ewig das Radio bei uns, bis auf einen Tag im Jahr, Karfreitag.
    Karfreitag bedeutete ernste Musik auf allen vorhandenen Sendern, bußfertige Sendungen auf allen drei Fernsehprogrammen und NIEMAND, wirklich NIEMAND bei uns im Dorf auf den Strassen. Genehmigte Ausnahme: der Kirchgang. Absolutes Spielverbot selbst bei uns im Haus, da Mehrfamilienhaus.
    Weißes Hemd aus Dralon, gestärkt mit Dr. Hoffmanns Wäschestärke und eine Fliege um den Hals.
    Höchststrafe kam dann Mittags, der Mittwochs auf dem Wochenmarkt erworbene Fisch wurde unter bestialischer Geruchsentwicklung "verzehrfertig" gemacht.
    Karfreitag ist bis heute der einzige christliche Feiertag, den ich bewußt wahr nehme. Da gibt es seit seit 36 Jahren Rindersteaks.
    Und es ist mir absolut Latte ob die Kuh vorher glücklich war, ich habe ein Kindheitstrauma zu verarbeiten.
    Bester Spruch zum Thema, den ich je las:
    "Wer die Siebzieger selbst erlebt hat, kann sie nicht zurück haben wollen."
    Hinweis für Millenials, gemeint sind die Jahre 1970-1979

    Politiker und Gewerkschafter waren korrupt (#Flick, #NeueHeimat). Sind sie immer noch, meiner Meinung nach der einzige Punkt, der für alle Zeitalter gilt.

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    1. Heute müssen diese Leute gar kein Bestechungsgeld mehr nehmen. Nach der Zeit in der Politik gibt es gutbezahlte Jobs in der Wirtschaft. Koch, Pofalla, Merz und wie sie alle heißen.

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  2. Es gan einfach keinen Geschirrspüler und ich armes Ding misste abwaschen und dazu Mamas Tom Jones anhören. Meine Kinder eissen gar nicht wie gut sie es haben!

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    1. Ja, die ganzen Geräte! Auch die Mikrowelle ist eine große Erleichterung. Wäschetrockner nicht zu vergessen. Ist bei mir auch gleichzeitig der Kleiderschrank :o)

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  3. In der Schule wurde mit dem Rechenschieber gerechnet.
    Kurven wurden mühsam "diskutiert" (Nicht bei Frauen, Ihr Ferkel, sondern bei mathematischen Funtionen). Heute macht alles eine App, selbst Infinitesimal- und Matrizenrechnung.

    Um eine Zugverbindung herauszusuchen, brauchte man ein Kursbuch mit kryptischen Zeichen:
    Ein Weinglas stand für "Verabreichung von Speisen und Getränken im Zuge". Andere Zeichen erklärten, dass der Zug am 30.2. nur auf besondere Aufforderung in Bonetti-Town hält, wenn dieser Tag nicht auf einen gesetzlichen Feiertag fällt.

    Es war eine schwere Zeit...

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  4. Im Fach "Deutsch" in der Schule wurde tatsächlich noch auf Rechtschreibung und Gramatik Wert gelegt, Schüler wurden mit "Fibeln" gequält!

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  5. Ich weiß nicht, wie Ihr gelebt habt, mir hat es an nichts gefehlt, obwohl ich nichts hatte.
    Mein Vater war kleiner Angestellter, der hat nicht so viel eingeschoben, es gab nicht einmal süßen Sprudel oder Saft, nur Wasser. Und auch nicht jeden Tag Fleisch. Ein Zimmer musste ich mit den Geschwistern teilen. Es hat mich nicht im geringsten gestört.
    Man hatte Freunde, die in größeren Häusern lebten. Die eine Modeleisenbahn hatten. Man war nicht neidisch, man war froh, mit der Eisenbahn spielen zu dürfen. Es herrschte irgendwie eine andere Solidarität.
    Und ja, ich empfinde die derzeitigen Verhältnisse für untragbar.
    Der Herr Bonetti muß ja nicht in der Industrie sein Dasein fristen, ich behaupte jetzt einfach mal, der Typ hat keine Ahnung, was eigentlich abgeht !
    Es ist richtig, die Luft war noch nie so gut wie heute, viele Menschen haben Geld wie Dreck, ich z.B. , trotzdem hat man den Eindruck, daß irgendwie alles vor die Hunde geht.
    Die Luft war so dreckig, daß meine Mutter die Wäsche nicht im Freien aufhängen konnte, Sie wurde sonst schwarz, trotzdem sind keine Bienen verreckt. Also, was wollt Ihr, "Wohlstand" und verrecken oder weiterleben, nur ohne "Glamour", ohne 300 PS Autos, die keiner braucht.

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  6. Nein, Herr Bonetti hat keine Ahnung, was abgeht. Er sitzt in Bad Nauheim, Villa mit Meerblick, und fragt sich, ob es zum Mittagessen Hummer oder Wachtelbrust geben soll. Die Welt der kleinen Angestellten mit ihren Modelleisenbahnen wird ihm immer fremd bleiben. Er besitzt einen handgeschmiedeten Privatzug, der immer freie Fahrt hat und auf diese Weise zu den vielen Verspätungen der Bahn beiträgt, in deren Zügen übergewichtige Lohnsklaven schlecht gelaunt ihre Zeitung lesen.

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    1. Ohch komm, jetzt bitte nicht beleidigt sein, ja ?
      Tatsache ist doch, daß Sie seit, sagen wir, 15 Jahren kein Büro von irgend einem Betrieb mehr von innen gesehen haben.
      Von einem Industriebetrieb.
      Es hat sich unmerklich, schleichend, aber sehr nachdrücklich sehr viel verändert, man kann es oft gar nicht so sehr beschreiben oder bezeichnen.
      Ich nenne es mal Neoliberalismus. Oder einfach Ellbogengesellschaft.
      Und nicht nur ich sehe es so, habe viele Kumpels, Kommilitonen oder Bekannte, die es gleich sehen, egal ob die in einem kleinen 20 Mann Betrieb arbeiten oder in einem weltumspannenden Konzern.
      Tut mir leid !
      Seien Sie froh, daß Sie es nicht am eigenen Leib spüren müssen.

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    2. Wieso sollte ich den beleidigt sein? Ich bin heilfroh, dass ich einen stressfreies Leben und keine Vorgesetzten habe. Von der Ellenbogengesellschaft lasse ich mir abends bei einem guten Glas Wein die Details erläutern.

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  7. Ellbogengesellschaft !!! Ich brauchte eine oder zwei Sekunden, die Assoziation mit einem gemütlichen Wirtshaustisch und den Gestalten dazu...
    Es sind übrigens nicht die Vorgesetzten. Oder sehr selten.
    Man macht sich gegenseitig kaputt. Das ist ganz gut eingefädelt, weil es mehr sind !
    Aber glauben Sie fast alles, was man ihnen erzählt, in dem Bereich.

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  8. Früher gab es Arme und Reiche, Dumme und Kluge, Ausländer und Inländer, wir lebten für jeden ersichtlich im Kapitalismus, der uns viele schöne Dinge bescherte und noch immer beschert, früher wußte man, man muß Geld verdienen, um es ausgeben zu können. Unseren heutigen Kämpfer gegen gefühltes Unrecht, sjw Abschaum, no nations no borders Aktivisten, Neomarxisten und andere Gleichmacher, Anti-irgendwasler usw. konnten sich früher nicht so deutlich zu Worte melden, es gab auch weniger, weil Irrationalität noch nicht goutiert wurde.

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