Mittwoch, 14. November 2018

Die ultimative Pampa

Das Schöne am Hunsrück ist ja: Da ist nix. Da will keiner hin und wenn du mit 18 deinen Führerschein hast, dann haust du auch sofort ab. Wald, Wald, eine Wiese, dahinter wieder Wald. Im Hunsrück gibt es Dörfer, da leben vielleicht fünfzig Leute. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die wissen, dass es mal eine Wiedervereinigung gab.
1945, bei Kriegsende, da haben die Leute schon mitbekommen, was los war. Der Pfarrer hat am Kirchturm ein weißes Bettlaken rausgehängt, alle haben die Türen und Fenster zugemacht, dann kam der Amerikaner. Fuhr mit seinen Jeeps und Panzern auf der einen Seite ins Dorf rein, fuhr auf der Hauptstraße durch den Ort und auf der anderen Seite wieder raus, ohne auch nur einen einzigen Kaugummi oder eine Zigarette zu hinterlassen.
Bei der Maueröffnung war es schon anders. Erst nach über einem Monat rollte der erste Trabant durchs Dorf. Fürchterlich laut und schrecklich qualmend wie der Drache aus dem Nibelungenlied, aber dann kam nur ein winziges hellblaues Auto vorbeigeknattert. Ein Zonen-Kolumbus entdeckt den Hunsrück. Angehalten hat er natürlich auch nicht. Wie die Amerikaner.
Bis heute hat man hier nur mit dem Telekom-Netz Handy-Empfang. Besucher mit anderen Anbietern schauen mich jedes Mal fassungslos an. Manche jungen Leute müssen warten, bis sie am Montag in die Kreisstadt zur Schule fahren, um mitzukriegen, was am Wochenende auf der Welt oder bei WhatsApp los war. Dann lachen die anderen Schüler über die blöden Hunsrücker. Dieser Landstrich ist Deutsch-Uganda, da machst du nix.
Madness - Baggy Trousers. https://www.youtube.com/watch?v=Dc3AovUZgvo

Das "Theater der Träume" in Wichtelbach.

3 Kommentare:

  1. Wenn ich mir die deutsche Demokratie als Gebäude vorstellen würde, dann passt dieses Bild als visuelle Erklärung ganz gut.

    Ihr macht wenigstens Wein, in Uganda ist auch das nicht möglich...

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    1. Schwepppenhausen ist laut Wikipedia das "Tor zum Hunsrück". Ich muss nur zehn Minuten Richtung Genheim laufen, dann bin ich schon in Rheinhessen. Der eigentliche Hunsrück ist kein Weinanbaugebiet. Wenn man ihn durchquert, kommt man allerdings an die Mosel, wo es auch sehr gute Tropfen gibt. Schon in Stromberg, nur drei Kilometer entfernt, gibt es keinen Weinanbau mehr.

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  2. Aaaach, ich könnte den ganze Tag hier kommentieren. Ist ja alles so ....langweilig?
    Der Ami kam, wie ja auch der Iwan, immer alleine.
    ( Zitat Dieter Hüsch, bin nicht selber drauf gekommen. )
    Wie der dann so ganz alleine die Wehrmacht besiegt hat, Hut ab ! Der Ami.

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