Samstag, 13. Oktober 2018

Kann der öffentliche Nahverkehr noch besser werden oder haben wir bereits das Stadium der Perfektion erreicht?

Stellen Sie sich vor, liebe Lesende: Sie wohnen in Schweppenhausen, haben kein Auto und tragen sich mit dem absurden Gedanken, des Abends ihrer liebenswerten Kreishauptstadt Bad Kreuznach einen Besuch abzustatten.
Vor dem ehemaligen Gasthaus zur Pfalz - die Bushaltestelle trägt immer noch diesen Namen, obwohl längst ein Friseurinnensalon eingezogen ist, der wiederum für die drastische Reduzierung meiner Selfies verantwortlich zeichnet, aber ich möchte an dieser Stelle nicht abschweifen – fährt der Bus um 20:05 Uhr los. Nicht in Richtung Bad Kreuznach, nein, das erwarten die Fahrgäste ja, weswegen es langweilig wäre, sondern in die entgegengesetzte Richtung, nach Stromberg.
Um 20:12 Uhr, sieben Minuten später, sind wir am Gerbereiplatz in Stromberg. Downtown Stromberg, am großen Busbahnhof mit diversen Haltestellen. Vermutlich kriegen sie hier auch den Greyhound nach Las Vegas. Wie geht es weiter? Besser fragen Sie, wann es weiter geht. 8:45 Uhr. Doch, doch. Sie haben richtig gelesen. An dieser Haltestelle haben Sie erst einmal über zwölfeinhalb Stunden Aufenthalt. In dieser Zeit könne Sie übrigens auch von Frankfurt nach Tokio fliegen.
Am nächsten Morgen geht es nicht etwa nach Bad Kreuznach. Nein. Dann geht es mit dem Bus nach Bingerbrück. Dort kommen Sie um 9:15 Uhr an. Bingerbrück ist noch weiter von Bad Kreuznach entfernt. Vom Bahnhof in Bingerbrück gehen Sie durch die Stadt zum Binger Hauptbahnhof. Dort besteigen Sie um 9:55 Uhr den Zug nach Bad Kreuznach. Ankunft: 10:15 Uhr. Falls die Bahn pünktlich ist - und sie ist es leider nicht oft.
Fazit: Viel Geld gespart, da Sie am Nachtleben nicht teilgenommen haben, viel Frust gespart, da Sie am Discoeingang als Hunsrücker nicht ausgelacht wurden. Besser geht’s nicht.

Andy Bonetti mit seiner Freundin an der Bushaltestelle. Ich frage Sie: Ist das fair?
P.S.: Danke an www.bahn.de

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