Montag, 22. Oktober 2018

Die Elenden I

„Das Dasein entstellt einen und zerknautscht einem das Gesicht. (…) Die Armen sind angeschissen. Das Elend ist riesig, es nimmt dein Gesicht her und wischt damit den Dreck der Welt auf wie mit einem Putzlumpen.“ (Louis-Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht)
War es eine gute Kindheit? Wiegt eine Ohrfeige deiner Eltern ein halbes Jahr ohne Ohrfeige auf? Wie ist die Rechnung?
Wie ist das in der Schule? Du wirst gedemütigt und verletzt. Wenn du eine Woche nicht gedemütigt und verletzt wirst – gleicht sich das aus?
Du arbeitest, der Job tötet deinen Geist. Du sitzt an der Kasse, am Steuer eines Trucks, du lötest Kabel in einer Fabrik zusammen. Dein Boss scheißt dich zusammen, weil du wegen Grippe eine Woche gefehlt hast. Wie halten wir dieses Leben aus?
Wir stumpfen ab. Das ist die Rettung. Wie eine Hornhaut die Hände eines Handwerkers oder Arbeiters schützt, so schützt uns die Gleichgültigkeit. Abgestumpft-Sein ist die Erlösung. Du lebst nur weiter, wenn es dir egal ist.
Der Gedanke an Gerechtigkeit oder Mitgefühl hat schon viele in den Wahnsinn getrieben. Für arme Menschen ist er kein Trost, sondern eine Gefahr. Wie soll man die vielen zehntausend Tage aushalten, ohne routiniert die Schultern zu zucken?
Die Gleichförmigkeit des Alltags ist nur durch absolute Stumpfsinnigkeit zu ertragen. Das Unglück der Anderen muss dir genauso gleichgültig sein. Schau nicht hin, wenn du das Elend siehst. Schau nicht in den Spiegel. Es geht vorbei.

7 Kommentare:

  1. Es geht nur um Kohle, begreifen Sie es endlich.
    Gerechtigkeit ? Vernunft ? Oder gar Friede oder andere unproduktive Zeiträume ?
    Geh mir fort.
    Viel Geld - viel Gerechtigkeit.
    Keine Kohle - doof. Selber schuld auch noch. Hätten Sie halt was "aus sich gemacht".
    Man muß sich nur anstrengen, wirklich wollen, an den scills arbeiten, sich den Gegebenheiten anpassen. Mensch !
    Heulen Sie hier nicht rum, es ist ja nicht zum aushalten, wie soll ich da an meiner Karriere basteln.

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    1. … und es kommen noch drei Fortsetzungen von diesem jämmerlichen Rumgeflenne.

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  2. Und als toitsche Spezialität ist dir selbstverständlich nur das "Unglück der Anderen" gleichgültig, wenn sie in der Nahrungskette über dir stehen.
    Bei Allen "unter" dir betest du täglich zum Markt, das es so bleiben möge, nein besser noch ein paar Sanktionen als Bonus.

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    1. Billige Unterstellung, schwache Nummer.

      "Unter" mir ist niemand, "über" mir auch nicht. Ich bin nicht Teil einer Nahrungskette und bin auf keinem Arbeitsmarkt zu finden.

      Und wer sagt dir, dass ich meine Einstellung in diesem Text zum Ausdruck bringe? Wir Autoren versetzen uns auch gerne mal in andere Menschen. Aber das ist vermutlich zu kompliziert, oder?

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  3. Doch, unter mir gibt es Leute.
    Die in den dicken Kärren, die, welche die Umwelt durch ihre Gier zerstören, die die Menschen durch ihre "Arbeit" zerstören. All diejenigen, deren einziger Gott das Geld ist, dem die alles unterordnen.
    Diese Menschen verachte ich, Sie sind unter mir.
    Ich kann Sie nicht mehr ertragen, wenn Sie in den Talkshows auftreten und ihre dumme Gierfresse in die Kamera halten.
    Oder bei "Leute heute" auf ihren Fincas auf Mallorca ihr beschissenes Leben herzeigen.
    Pest und Cholera über dies Brut, die alles kaputt macht.
    Kann gar nicht so viel fressen wie ich usw..

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  4. ...wir brauchen wieder eine RAF, damit den oberen Tausend die Muffe flattert....

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  5. Nein, das ist dumm.
    Genau solche Aktionen festigen die bestehenden Machtstrukturen.
    Außerdem bring Zerstören alleine nichts.
    Man muß dabei gleichzeitig Verändern.
    Andere Pflanzen in ein Unkrautbeet, die dann das Unkraut überwuchern.
    (Wobei es ja eigentlich kein Unkraut gibt, aber als Beispiel..)
    Oder einfach die Menschheit ausrotten, denke das ist die einzige Lösung.
    Endlösung...Aua...Aua.... Tschuldigung.

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