Dienstag, 25. September 2018

Zehn irre Tipps für deinen Poetry-Slam

„Sie war zerbrechlich wie eine Prinzessin, aber für mich war sie die Königin. Ich würde diese Frau mit meinem Leben schützen. Ich war stark und ließ sie nicht spüren, wie sehr ich in dieser Nacht von den Dämonen der Angst heimgesucht wurde. Das ist dein Job als Privatdetektiv. Wie kannst du den Menschen, die vertrauensvoll ihr Leben in deine Hände legen, erklären, dass sich jede Nacht die Zweifel wie Säure in deinen Verstand fressen? Die Toten, die meinen Weg pflastern und die in jedem Augenblick mit ihren madenzerfressenen Krallen nach mir greifen, bis mein Schlaf stirbt. Wir saßen mitten im Nirgendwo und ich wartete auf die Kugel, auf der mein Name stand. Die Kugel, die mich erlösen würde. Aber ich durfte nicht aufgeben. Mandy, meine Mandantin, hatte diesen Aktenkoffer dabei. Angeblich wurde er am Vormittag vom katholischen Wasserwerk Ludwigshafen bei ihr abgegeben. Ich spürte den Schlag erst, als es viel zu spät war. Dunkelheit. Schmerz. Ich hörte ein Lachen. Es war weit entfernt. Und dann begriff ich, dass es mein eigenes Lachen war. Ich lachte, weil es zu spät war, um zu weinen.“ (Andy Bonetti: Der silberne Tod)



Die legendären Bonetti Labs mit der patentierten Content Machine.


Ich habe einige Jahrzehnte Erfahrung im Showbusiness und habe schon Gags für Rudi Carrell geschrieben, als Sie noch gar nicht auf der Welt waren. Gerade Schriftsteller haben es anfangs schwer, weil dieser Job nicht den Glamour und den Glanz besitzt wie die Tätigkeit als Rapper oder Trapezkünstler. Mit diesen zehn einfachen Tipps machen Sie aus Ihrer Lesung ein unvergessliches Ereignis.
1. Sorgen Sie für eine fette Lightshow. Alles unter drei Millionen Watt ist Quatsch.
2. Die Vorgruppe sollte nicht besser sein als Sie. Buchen Sie nicht Heinz Strunk, sondern eher eine Knallcharge wie Stuckrad-Barre.
3. Lesen Sie in Locations, die in drei Tagen ausverkauft sind. Fußballstadien sind das Ende der Entwicklung, nicht der Anfang.
4. Tragen Sie Geschichten über Themen vor, die alle gut finden: Liebe, Einsamkeit, Jugenderinnerungen, Kuchen.
5. Am Ausgang sollte ein Merchandising-Stand aufgebaut sein. Bücher, Kaffeetassen, T-Shirts, CDs, Slipeinlagen – das ganze Programm.
6. Verkaufen Sie auch Getränke und Snacks bei den Lesungen. Sponsoring-Verträge mit Energy-Drink-Konzernen oder Brauereien versprechen große Erfolge im Cross-Marketing („Bonetti verleiht Flüüügel“).
7. Geben Sie nach der Lesung Autogramme. Aber: Erfüllen Sie nicht jeden Kinderwunsch Ihrer Groupies. #Unterhaltszahlungen
8. Laden Sie die Presse zu einem Backstage-Besuch ein. Ein exzellentes Drogenangebot erhöht die Wirkung dieser Medienkontakte.
9. Ändern Sie die Setlist Ihrer Texte regelmäßig. Damit wirken Sie auf die Zuhörer potent. Ihr Image: der Deckhengst der Literaturszene.
10. Lassen Sie sich nach Ende der Veranstaltung von einer Stretchlimo abholen. Das wirkt immer, selbst wenn das Fahrzeug nur um ein paar Ecken fährt. Wenn Sie bereits in Fußballstadien vortragen, sollte es ein Helikopter mit Ihrem Firmenlogo sein.
Judas Priest - Breaking The Law. https://www.youtube.com/watch?v=L397TWLwrUU

2003: Andy Bonetti liest im Wembley Stadion.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen