Freitag, 7. September 2018

Wenn der Sandmann zweimal klingelt

Ich sitze im Tiergarten auf einer Parkbank und füttere die Tauben. Und die Blinden. Ein Wahnsinnskalauer. Vor allem, wenn man ihn sich selbst erzählt. Die Wahrheit ist: ich habe nicht mal selbst was zu essen, ich sehe keine Tauben, ich bin allein, keine Familie, kein Job und alle Freunde machen gerade Sommerurlaub in einer Entzugsklinik an der Ostsee.
Aber die Parkbank gibt es tatsächlich, außerdem gibt es mich, endlosen Sonnenschein und viel Zeit. Ich schaue im Standby-Modus auf das trübe Wasser des Landwehrkanals, als neben mir im Mülleimer ein Handy klingelt. Ich wühle mich durch alte Zeitungen und Schokoriegelverpackungen. Ich finde ein metallicblaues Nokia-Handy aus der Steinzeit und drücke die Taste.
„Kommen Sie in die Prinzessinnenstraße 56. Hinterhaus, dritter Stock. Klingeln Sie bei N.N.“. Eine raue dunkle Stimme mit osteuropäischem Akzent. Das war’s. Und jetzt? Ich mache erst mal nichts. Überlege. Checke das Handy nach SMS oder einem Nummernverzeichnis. Nix drauf. Keine Infos. Selbst beim eingegangenen Anruf vor wenigen Augenblicken wurde die Nummer unterdrückt.
Prinzessinnenstraße? Nie gehört. Ich sehe auf meinem eigenen Handy nach. Kreuzberg. Nähe Moritzplatz. Man könnte sich ja mal unverbindlich umsehen. Einen Blick riskieren, die Lage sondieren. Marke Unauffällig.
Jetzt sitze ich hier auf einem Stuhl und bin mit Paketklebeband gefesselt. Wenn Sie diesen Text lesen, rufen Sie bitte die 030/110 und schicken Sie mir die Kavallerie.
Beck – Blackhole. https://www.youtube.com/watch?v=YERs9YOcPYk

1 Kommentar:

  1. IHR ZITAT DES TAGES:

    Laune löst, was Laune knüpfte.

    Friedrich von Schiller ... (ړײ)

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