Sonntag, 23. September 2018

Politik & Bierpreisentwicklung

„Abends Bit – morgens fit.“ (Werbeslogan der Bitburger Brauerei 1950)
Die Geschichte Deutschlands ist eine Geschichte des Bierkonsums und der Bierpreise. Ähnlich wie heute der Benzinpreis sind die Kosten für den Gerstentreibstoff der werktätigen Bevölkerung ein entscheidender Faktor für die politische Zufriedenheit und damit für die Stabilität des politischen Systems.
1900, zur Zeit von Willem Zwo, lag der Preis für einen halben Liter Flaschenbier bei 12 Pfennigen. Trotz des verlorenen Krieges konnte der Preis bis 1918, als er bei 15 Pfennigen lag, relativ stabil gehalten werden.
1920 wurde die staatliche Preisfestsetzung für Bier aufgehoben – mit verheerenden Folgen für die Biertrinker. Der Preis stieg im gleichen Jahr auf eine Mark und lag schon zwei Jahre später bei zwei Mark. So wurde das Vertrauen in die junge Demokratie natürlich untergraben.
Nach der Hyperinflation lag der Bierpreis 1924 wieder bei moderaten 35 Pfennigen. Er blieb lange Jahre stabil, auch die Nazis rüttelten nicht am Preis für dieses Grundnahrungsmittel. Bis 1944 stieg der Preis nur auf 39 Pfennige pro Flasche.
1945 folgte der Preissprung auf 50 Pfennige. In der Folge brach das Deutsche Reich zusammen und man kapitulierte vor Wodka, Bourbon, Whisky und Rotwein.
Bei Gründung der Bundesrepublik 1949 lag der Preis bei 55 Pfennigen. Adenauer hielt die Preise niedrig. Keine Experimente! 1963, bei seinem Rücktritt, lag der Preis bei 58 Pfennigen.
Als die Sozis 1969 an die Macht kamen, mussten schon 67 Pfennige bezahlt werden. Danke, Rudi Dutschke! Es folgte ein dramatischer Verrat am deutschen Trinker. Als die Sozis 1982 endlich aus dem Kanzleramt verjagt werden konnten, lag der Preis schon bei 90 Pfennigen.
1991, im Schatten des Jubels über die Deutsche Einheit und die gewonnene Fußball-WM, wurde erstmals seit Weimar die Schallmauer von einer Mark übersprungen. Das Bier kostete plötzlich 1,09 DM. Bis zu Kohls Abgang stieg er auf 1,14 DM im Jahr 1998.
Heute zahlen wir etwa einen Euro für eine Flasche Bier im Supermarkt. Von stabilen Preisen keine Spur, sie haben sich fast verdoppelt. Die Politikverdrossenheit hat einen Höchststand erreicht, die Akzeptanz von Bundesregierung, EU, NATO und UN erodiert mit steigender Geschwindigkeit.
Hoffnung können wir allein aus der Globalisierung schöpfen. Wenn es endlich chinesisches Bier auf dem deutschen Markt gibt, würden wir zu den Bierpreisen der Adenauer-Ära zurückkehren. Oettinger macht es vor: Im Kasten und im Angebot kostet die Flasche nur 25 Cent. Wo bleibt die Mao-Halbe?
https://www.was-war-wann.de/historische_werte/bierpreise.html
Beck – Beercan. https://www.youtube.com/watch?v=G9VOOLg9u1E

5 Kommentare:

  1. ….Pilsner Urquell und Budvar...der halbe Liter für 0,85 €uro….wer trinkt schon Oettinger?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Verarmter Bloggeradel trinkt Oettinger...

      Löschen
    2. Wegen meiner Gicht betrachte ich die Sache ohnehin nur noch von der Tribüne. Bier ist praktisch verboten, ich kaufe nur noch Wein. Schmeckt sowieso besser.

      Löschen
    3. Das ist doch kein Leben, ohne Bier! Sprich mal mit Deinem Hausarzt über Allopurinol.

      Löschen
    4. Ein Leben ohne Bier ist möglich, aber sinnlos. Ich trinke gelegentlich ausgewählte Fassbiere. Ich nehme an, Tankbier ist als Fachbegriff geläufig. Tschechisches Bier dieser Qualität bekommt man in Berlin im "Zum böhmischen Dorf" (Sanderstraße) und in den "Schwarzwaldstuben" (Tucholskystraße). Auch fränkische Biere sind zu empfehlen. Die wenigen Gläser, die ich mir gönne, sind jedes Mal ein Hochgenuss.

      Löschen