Donnerstag, 13. September 2018

Friede den Palästen

Es gibt in Deutschland keinen Konflikt zwischen Armen und Reichen. Ich sehe ihn nicht. Worin drückt er sich aus? In gelegentlichen Gesprächen über soziale Spaltung, über die ungerechte Verteilung von Besitz und Einkommen? Es gibt keinen nennenswerten Protest, keine Revolte und keine Streiks. Das Streikrecht als Kampfmittel wurde den Armen durch staatstragende Gewerkschaften genommen, so wie in China. Vielleicht sollte man die Gehälter der Redakteure halbieren, damit der Konflikt wenigstens in den Medien stattfindet.
Die Unruhe der Gesellschaft, ausgelöst durch die permanente Drohung eines sozialen Abstiegs, sei es durch Arbeitslosigkeit (Digitalisierung / Globalisierung), sei es durch Obdachlosigkeit (Wohnungsmangel / Mieterhöhungen), wird nicht durch einen Kampf gegen die herrschende Klasse kompensiert, sondern, wie zu allen Zeiten, durch die Identifikation eines Sündenbocks, eines Außenseiters, den man gemeinsam steinigen kann, um „die Volksseele“ zu besänftigen. Früher waren es die Juden, heute sind es die Flüchtlinge. In der Schulklasse wird ja schließlich auch immer der Schwächste gemobbt, nicht der Stärkste. Die Armen scheuen den Konflikt mit den Reichen, während die Reichen längst einen Krieg gegen die Armen führen, wie der Multimilliardär Warren Buffet es einmal formuliert hat.
Wirr ist das Volk. Es hat die Wahl – und es wählt immer den falschen Gegner. Als ob ein Mensch, der gerade mit ein paar Habseligkeiten dem Schlauchboot entstiegen ist, ein Gegner sein könnte. An diesem Punkt, der Einwanderung, platzt die Eiterbeule des jahrzehntelang gewachsenen Zorns auf, hier bricht der Damm. Die Wut über die eigene Benachteiligung findet ein Ziel. Solange die Gesellschaft die Besitzverhältnisse, d.h. das Eigentum an Geld, Produktionsmitteln, Boden und Immobilien, nicht antastet, kann man die politische Macht in den Händen der Demokraten belassen. Wenn sich die Armen jemals erheben sollten, um die Besitzverhältnisse zu verändern, droht der Faschismus.
P.S.: Es ist ein Hintertreppenwitz der Geschichte, dass auch heute wieder viele Menschen glauben, ausgerechnet die Faschisten verträten die Interessen der Armen. Noch lächerlicher wäre es, wenn zum zweiten Mal den Nazis das Land überlassen wird, bevor die Armen auch nur den ersten Stein geworfen hätten.
Emerson, Lake & Palmer - Fanfare For The Common Man. https://www.youtube.com/watch?v=c2zurZig4L8

Kommentare:

  1. Aber dieses schöne schwarze SS-Kittele war doch so schick !

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  2. Derweil beschwören unentwegte Sozialisten die internationale Bewegung der Arbeiterklasse als Antidot zur Fremdenfeindlichkeit. Die nouveau parti anticapitaliste ist jedenfalls schon mitten im internationalen Klassenkampf und will ab sofort alle Grenzen öffnen. Hab' ich irgendwas nicht mitbekommen? Laufen in Frankreich massenweise Arbeiter*innen die Internationale singend durch die Straßen der Industriestädte?

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  3. Naja,
    mag ja sein das Medien die These kolportierten dass die Gegner der Einwanderung gegen die Migranten sind. Da die Medien - von Themen wie Wetter und Lottozahlen einmal ab - unbrauchbar sind kann sich da aber niemand ein Bild machen. Meiner einer auch nicht, zumal ich den Schrott seit 20 Jahren meide.

    Die Meinungsbildung ist somit stark verzerrt und vom persönlichen Umfeld abhängig. Da kann ich nur mitteilen das niemand, also exakt null Personen weder im privaten noch im geschäftlichen Bereich jemals etwas gegen die Einreisenden gesagt hat. Im Gegenteil, gerade die konservativsten äußerten Verständnis und "würden es an deren Stelle nicht anders machen".

    Kritisiert wird unisono, mit Ausnahme der Refugee welcome Fraktion die aber auf Nachfragen mit der typischen Abwehrhaltung aller Ideologen reagiert, die Regierung welche eine unkontrollierte Einreise nicht nur nicht verhindert sondern begrüßt.

    Bonetti Media ist ja im künstlerischen ganz nett, politisch aber leider staatstragend und medienverblödet, was schade ist.

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  4. Das ein oder andere Video der rechten Demo in Chemnitz kursierte im Internet und zeigte einen braunen Mob. Er zieht durch Demos wie in Chemnitz die mediale Aufmerksamkeit auf sich; die Existenz von Neonazis ist keine mediale Chimäre. Deswegen ist die BRD aber noch nicht zwangsläufig auf dem Weg ins Vierte Reich. Die Sündenbockmechanismen, die im obigen Beitrag beschrieben werden, sind sozusagen noch nicht umfassend in Gang gesetzt. Einen Vorgeschmack liefern die Aktionen der extremen Rechten jedoch schon.

    Gegen "no border, no nation" hab' ich nix als Ziel, nur sollte man sich Gedanken über den Weg dahin machen. Anscheinend gibt es die Fraktion der Sozialisten, die meint, der internationale Klassenkampf der Arbeiterklasse habe schon begonnen, weswegen Immigranten von überall her zur Unterstützung des "letzten Gefechts" willkommen seien. Zum anderen gibt es die Fraktion, die den Slogan als Ausdruck ihrer humanistischen Haltung für sich reklamiert. Bizarr finde ich bloß, dass der Hinweis darauf, dass eventuell Zwischenschritte nötig wären, um die heroische Zielsetzung einer Weltgesellschaft zu erreichen, von beiden Fraktionen schon als rechts bezeichnet werden, sofern sie die hiesige Gesellschaft in den Blick nehmen...

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