Dienstag, 11. September 2018

Das ultimative Oktoberfest



Er saß in einem Münchner Biergarten und trank einen Cappuccino.
„Ist hier noch frei?“ dröhnte ein rotgesichtiger Wanstbesitzer, der eine Maß Bier in der Hand hielt.
Er nickte.
Der dicke Mann, er mochte um die sechzig sein, setzte sich schwerfällig und gab dabei Laute von sich, die wir von schweren Darmverschlüssen kennen.
„Endlich geht das Oktoberfest los. Ich freu mich auf den Anstich morgen“, sagte er und nahm einen tiefen Zug aus seinem Glas.
„Deswegen bin ich hier“, sagte der Kaffeetrinker.
„Dann werden Sie aber hoffentlich auch mal ein Bier trinken“, sagte der Dicke und lachte schallend.
„Ich habe beruflich auf der Wies’n zu tun“, sagte der Mann in sachlichem Ton.
„Was sind Sie denn von Beruf, wenn ich fragen darf?“
„Ich bin Journalist.“
„Von welcher Zeitung?“
„Der Spiegel.“
„Uiuiui.“ Der Dicke war beeindruckt. „Der Spiegel berichtet vom Oktoberfest. Aber für so ein Nachrichtenmagazin gibt’s doch da gar nix zu schreiben.“
„Es soll zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen. Das wird mein Thema sein.“
„Ausschreitungen?“ Er schrie fast. „Bei uns in München?“
Der Mann trank in Ruhe einen Schluck Cappuccino.
„Ich dachte, das hätte sich schon herumgesprochen. Das Oktoberfest soll massiv angegriffen werden. Es wird zu schweren Unruhen kommen.“
„Nein!“
Der Dicke warf die Arme in die Luft und hätte fast sein Bierglas umgerissen. Die Brühe schwappte gefährlich.
„Wer kommt denn?“ fragte er mit weit aufgerissenen Augen. „Diese linksversifften Krawallmacher?“
„Diesmal kommen sie alle“, antwortete der Mann. „Die Autonomen, die Türken, die Homosexuellen, die St. Pauli-Fans, die Rockerbanden und die militanten Tierschützer.“
„Das darf nicht wahr sein.“
Der Dicke war fassungslos. Schweißtropfen rollten über seine Stirn.
„Drogenabhängige und langhaarige Bombenleger aus dem ganzen Land. Der Innenminister hat über zehntausend zusätzliche Polizisten zusammengezogen, die sich rund um die Theresienwiese bereithalten.“
„Was kann man denn machen?“ fragte der Dicke entsetzt.
Sein Schädel war inzwischen so rot und geschwollen wie das entzündete Zahnfleisch eines Obdachlosen.
„Bewahren Sie Ruhe und behandeln Sie diese Information bitte vertraulich. Niemand möchte, dass es morgen zu einer Massenpanik kommt.“
Der Bajuware rannte davon, ohne sein Bier auszutrinken.
Der Mann grinste und hatte wieder seine Ruhe.
The Doors – You Make Me Real. https://www.youtube.com/watch?v=RH5BJPr-pAY

2 Kommentare:

  1. Damals, als es noch Atomwaffen und Amis in meiner Gegend gab.
    Und die US-Boys vertrugen ja kein Bier, bzw. es waren einfach Idioten die sich gnadenlos volllaufen ließen. ( Was !!! Vollaufen mit 3 f ?. Sagt das Programm. )
    Auf dem Weg zum Bierzelt kam er uns entgegen, schwankend, der Schwanz hing raus, er hat im torkeln gepisst und gleichzeitig gekotzt.
    We are number one !!

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  2. Ja das Oktoberfest ist eigentlich nicht mehr das was es mal war. Früher wars gemütlicher. Man hörte die Oktoberfest Band in normaler Lautstärke und das Bier trank man zum Genuß.

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