Sonntag, 16. September 2018

CSU-Strategiewechsel: Panik oder Kalkül?

Söder hat es als Erster begriffen. Er verbot sich selbst den Ausdruck „Asyltourismus“. Seehofer bekommt erst seit ein paar Tagen langsam die Kurve. Er ist alt und sein Instinkt hat ihn längst im Stich gelassen. Die CSU versucht nicht mehr krampfhaft, die AfD zu kopieren und nach dem Motto „Bleiben Sie unserem Geschäft gewogen, Rassismus haben wir auch im Sortiment“ das rechte Profil zu schärfen. Seit dieser Woche grenzen sich die Sozialchristen klar vom politischen Gegner ab, der plötzlich als staatsgefährdend bezeichnet wird.

Die CSU setzt wieder auf Volksmusik statt auf Marschmusik.

Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Die AfD hat einfach einen Gang höher geschaltet und ist so weit nach rechts gerückt, dass ihr niemand mehr zu folgen vermag. Zunächst wurden der Holocaust und der mörderische Angriffskrieg des Dritten Reichs von Gauland als „Vogelschiss“ bezeichnet. Dem „System“ drohte man mit einer „friedlichen Revolution“, Assoziationen zum Regime Change 1989/90 ausdrücklich erwünscht. Der rhetorischen Aufrüstung folgte der öffentliche Schulterschluss mit Pegida und den Nazi-Hooligans in Chemnitz. Seehofer hat mit seiner Stammtischpöbelei, die Migration sei die Mutter aller Probleme dieses Landes, noch einen letzten Versuch gestartet, Anschluss zu halten – aber der braune Zug ist längst abgefahren. Wer jetzt noch folgt, setzt nicht nur die Regierungsfähigkeit in Berlin aufs Spiel, sondern auch den Münchner Erbhof.

Was hätte FJS in dieser Situation getan? Hätte er die AfD gewählt, wie es zahlreiche Wahlplakate suggerieren?

Auf dem CSU-Parteitag ist der Applaus für den überdrehten Alpen-Trump, der ausgerechnet bei Twitter sein Heil suchen möchte, mäßig ausgefallen. Söder wurde als der neue Leitwolf empfangen. „Stabile Verhältnisse“ lautet die neue Zauberformel, die Angst vor einem Regierungswechsel in Bayern soll geschürt werden. Aber das Rudel ist nervös. Nur 35 Prozent bei der letzten Meinungsumfrage. Automatisch stellt sich die Frage nach einem Koalitionspartner. Die Freien Wähler sind willig, die FDP auch, aber deren Einzug in den Landtag ist alles andere als gewiss. Wird man bei der SPD, die einem katastrophalen Ergebnis entgegentaumelt, oder gar bei den verhassten Grünen anklopfen müssen?

Möchte Beppi Dumpfmoser wirklich fünf Jahre von den Hofreiter-Kosaken regiert werden?

Derweil ruft der Ingolstädter Aushilfsmullah auf dem Parteitag verzweifelt: „Steht auf, wenn ihr für Bayern seid.“ Das singen wir auch in fröhlicher Runde im Mainzer Fußballstadion: „Steht auf, wenn Ihr Mainzer seid“. Und Sahra Wagenknecht animiert uns zum #Aufstehen. Aber während wir uns mühsam von den Sitzen erheben, leicht schwindelig von diesen unbürgerlichen Anstrengungen der Politik, wird andernorts schon stramm marschiert. Das Ende der letzten Autokratie auf deutschem Boden vollzieht sich womöglich anders, als viele es sich immer gewünscht haben.
Big Bliss – Command. https://www.youtube.com/watch?v=LN-fm8R_D2Q

3 Kommentare:

  1. Warum ist das so wichtig?

    Einer der Gründe war warum ich nicht wähle war meine Anwesenheit bei der Gründung der "Bunten Liste". Schon damals stand die Gier in den Augen der Ach so "Grünen" Mitstreiter wg. Posten und Diäten.

    Olivgrüne Figuren wie Herrn Fischer, SPD Energieminister als Frühstücksdirektoren und ähnlich verlogenes aller Couleur sind der proof. Übrigens: die einzigen herausragenden Figuren (damals Ebermann und Trampert )wurden weggemobt bzw. gingen freiwillig (mit einer Analyse und Zukunftsbeschreibung "ihrer" Partei die rückblickend fast schon prophetisch war).

    Ob der Teufel (m/w) nun von links kommt oder der Beelzebub von rechts ist doch gehupft wie gesprungen. Am Ende bleiben in der Feind->Todfeind->Parteifreund Auslese die größten Wix... übrig (seltener die tumbsten, fast nie die fähigen) und es bleibt alles beim alten.

    Was nun mal der Sinn dieser Theateraufführung ist. Politik läuft wo anders. Das Zeugs ist nur Opium für das (intellektuelle) Volk.

    AntwortenLöschen
  2. Das große Fiasko der CSU ist ein Traum, der bald wahr wird. Seit Strauß 1980 Kanzlerkandidat war, den ich als junger Mensch damals schon wie die Pest gehasst habe, hoffe ich, dass diese Dreckspartei mal so richtig auf's Maul kriegt. Daher mein Interesse. Ich selbst bin Nicht-Wähler.


    Ich schreibe hunderte von Texten pro Jahr und viele Themen sind nicht wichtig. Ich habe aber einfach Bock drauf. Langfristige Themenplanung mache ich sowieso nicht. Welches wichtige Thema soll ich denn mal bearbeiten?

    AntwortenLöschen
  3. Hier'n Hamburg gab's damals n' Plakat auf'm Campus, "unser Mann in Bonn - RCDS". Mit dem Konterfei des FJS als Kanzlerkandidat. Auch sonst ist mir das "diebische Bergvolk" mit seiner Humpdada Saufkultur (das Maß als Primitivo) eher Suspekt und des Ureinwohners Lieblingspartei wirkt von hier eher wie 'ne Performance des schlechten Geschmacks.

    Wünsche? Sehr gern. Elfen, Saturnmonde im Zeitraffer, ein Regenwaldkrimi mit echten! Ureinwohnern nebst Abstecher zum Titicacasee. Grimms Märchen reloaded (Bonetti Special Edition), das weitere leben der Steinlaus (eine Autobiografie) u.v.am.

    Politik ist eh Sch... . Die Sozis haben mehr fürs Kapital gemacht als die CxU je konnte und die Figuren sind in Sachen Widerwärtigkeit unübertroffen. Gegen einen Riester, Mr. Hufeisenplan oder diese Düsseldorfer Ratte ist FJS ein Heiliger.

    Die CxU hat dafür den grünen Punkt beschlossen (wg. der möglichen Durchstechereien die dann auch kamen) und vom Cashback bei den ganzen Waffengeschäften ist besser zu schweigen.

    Wale wären noch toll und Sushi.

    AntwortenLöschen