Freitag, 28. September 2018

1977: Kaffeekrise in der DDR

Was hat das Wetter in Brasilien mit Erich Honecker zu tun? Viel. Aber lesen Sie selbst:
1976 fiel die brasilianische Kaffeeernte katastrophal aus. In der Folge stiegen die Kaffeepreise. Kaffee wird in harten Devisen gehandelt und wächst nicht in Europa. Die DDR sah sich genötigt, statt 150 Millionen „Valutamark“ (D-Mark) 700 Millionen für den Ankauf von Kaffeebohnen zu investieren. Der Kaffeepreis erhöhte sich in der Folge. Außerdem kamen Mischprodukte auf den Markt, die nur noch fünfzig Prozent Kaffee enthielten. Selbst Erbsenmehl, das bekanntlich kein Koffein enthält, wurde beigemischt.
In politischen Fragen war es damals verhältnismäßig ruhig. Nervensägen wie Biermann hat man in den Siebzigern einfach abgeschoben. Aber die koffeinabhängigen Massen waren in der Kaffeekrise beunruhigt. Hilfe kam in Form von Westpaketen aus der BRD. Etwa ein Viertel des Kaffeekonsums in der DDR wurde in jenen Jahren von der Westverwandtschaft gedeckt. Meine Oma schickte auch immer eifrig Jacobs Dröhnung an ihre Brüder und Schwestern. Sie hatte tatsächlich eine Schwester und zwei Brüder „drüben“.
Nicht auszudenken, wenn sich Alexander Schalck-Golodkowski durchgesetzt hätte, der eine komplette Einstellung der Kaffeeproduktion in der DDR gefordert hatte. Haben Sie schon mal einen Koffein-Junkie erlebt, der morgens nicht seinen Kaffee bekommen hat? Die Einheit wäre zehn Jahre früher gekommen.
Wir halten fest: Deutschland durchlitt 1977 ein Jahr der Krise. Im Westen gab es den RAF-Terror, im Osten keinen Kaffee. Die jungen Leute wissen ja gar nicht, wie gut sie es heute haben. Internet gab’s noch nicht, Playstation gab’s noch nicht (und wenn jetzt jemand „Pong“ sagt, raste ich komplett aus!), Mobilfunk nur für Polizei und Militär (Funkgerät) oder Nerds (CB-Funk).
Aber es war nicht alles schlecht. Denken Sie nur mal an Angela Merkel.
„Auf Feten war ich unheimlich traurig, dass ich mich nicht in die Musik reinsteigern konnte. Ich war immer das Mädchen, das Erdnüsse isst und nicht tanzt.“
„Ich habe auch Beatles gehört und auch mal ‚Smoke on the Water‘ von Deep Purple, so ist es ja nicht. Mich hat es bloß nie vom Hocker gerissen.“
„CAMPINO: Können Sie sich vorstellen, was Jugendliche an Ihnen - nicht an Ihrer Person, sondern an Ihnen als Jugendministerin - hassen? Haben Sie sich das schon mal überlegt?
MERKEL: Es gibt natürlich viel zu hassen, wenn man von der Annahme ausgeht, daß alle Politiker verdorben sind und arrogant, sich nicht verständlich machen können und im Übrigen nur in ihre eigene Tasche wirtschaften.“
„Ich bin mal aus einem Boot gekippt. Das war nachts, vier Uhr früh, nach der Abiturfeier. Ich war damals achtzehn. Ich hatte zuviel von dem Kirsch-Whisky getrunken.“
„Meine ersten 4.50 DM West habe ich für einen guten Döner ausgegeben, weil ich ein großer Döner-Freund bin.“
http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-52691500.html
Travis Scott – Coffee Bean. https://www.youtube.com/watch?v=ZdtxtaV6a8k

August Macke: Rotes Haus am Park, Sammlung Bonetti.

2 Kommentare:

  1. Ich meine, mal irgendwo gelesen zu haben, dass DDR-Ingenieure waren, die im Rahmen der Kaffeekrise die Heissluftröstung entwickelt haben, die heute in der Industrie Standard ist und eine bessere Ausbeute bei minderer Qualität der Ergebnisse liefert.

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    1. Dieses Beispiel zeigt (wie auch das Beispiel Merkel und andere Beispiele), wie unsere schöne gute Marktwirtschaft allein durch diese Bolschewisten zugrunde gerichtet wird...

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