Donnerstag, 16. August 2018

Was hätte Jesus zu alkoholfreiem Radler gesagt?


Blogstuff 226
„Jeder neue Anfang kann das Ende sein.“ (kein Sprichwort)
Ich arbeite jetzt als Therapieclown und betreue traumatisierte Digitalisierungsverlierer aus dem unteren und mittleren Management.
Chrom, weiße Wände. Sauberkeit und Kontrolle. Kühle Stille. Das symbolisieren die Räume unseres Jahrhunderts.
Die SPD ist wie ein Faxgerät. Hat man früher mal gebraucht, kann jetzt aber weg. „Ich habe SPD gewählt und alles, was ich bekommen habe, ist dieses T-Shirt.“
Außenseiter mit viel Geld nennt man Exzentriker.
Im Gegensatz zu einem Rindvieh wird der Arbeitnehmer scheibchenweise geschlachtet, sodass er den Vorgang erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist.
Können Sie sich noch an ihn erinnern? Er war ein stets freundlicher und aufrechter Handlungsreisender, der uns lakonisch und mit leisem Humor sein Arbeitsleben in einer hochgradig absurden, untergehenden Welt der realkapitalistischen Apokalypse schilderte. Der morgens irgendein Flugzeug bestieg, um an grotesk langweiligen Orten Vorträge zu halten, die er selbst häufig für obskur oder bestenfalls wirkungslos hielt. Ein Schnappschuss-Poet, der im Müll Bilder sah, der brave Soldat Schwejk des Informationszeitalters. Ich spreche natürlich von Ackerboy, wie ich ihn liebevoll getauft habe, dem Autor von „Ackerbau in Pankow“. Er fehlt mir so wie der Kiezneurotiker. Es ist mir ein steter Trost, dass beide nur stumm, aber nicht tot sind. Vielleicht kehren sie eines Tages zu uns zurück.
Das Wort „Höflichkeit“ deutet schon auf seinen Ursprung hin: das höfische Zeremoniell des Feudalismus. Höflichkeit bedeutet Unterwerfung, man schmeichelt dem höherrangigen Mitglied des Hofstaats. Auf der gleichen Rangstufe ist es bloßes Geschleime, man kommt eben aus dem Duktus der Unterwürfigkeit nicht mehr heraus. Heute hören wir es noch von den Kellnern in den Restaurants und den Kassiererinnen in den Supermärkten. Man wünscht uns mechanisch einen „schönen Tag“ oder „ein schönes Wochenende“, es bleibt der schale Geschmack der alten Klassengesellschaft, die sich endlos in die Zukunft reproduziert.
Warum ist Fernsehen heute so langweilig? Weil es zu Tode optimiert und kontrolliert ist. Keine Spontanität mehr, keine Anarchie. Deswegen ist die Jugend im Internet unterwegs. Noch. Denn dort beginnen die grauen Herren von der Zeitsparkasse gerade ihr Werk.
„Die Katzen regieren die Welt im Schlaf.“ (Gambrinus van den Dühnen, 1745 – 1812)
Ich sitze am Fasanenplatz und warte auf mein Essen. Da kommt ein riesiger, untersetzter Anzugträger des Wegs, der mit deutschem Akzent einem kleinen Inder auf Englisch „the stupid german mindset“ erklärt. Leider erfahre ich nichts Näheres.
Wenn man eingesperrt ist, fängt man aus Langeweile an herum zu kritzeln: auf die Wände von Gefängniszellen, auf Schulbänke, auf die Mauern in den Städten. Überall die Kritzeleien der Verdammten.
Hätten Sie’s gewusst? Am 18. November 1996 wurde in der Bundesrepublik mit der Ausgabe der Volksaktie (Telekom AG) der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit aufgehoben.
Les Négresses Vertes – Voilà L’été. https://www.youtube.com/watch?v=v8LcV7VojBk

4 Kommentare:

  1. Ein ganzes T-Shirt von der spd?
    Muss noch aus den 70ern sein, da waren sie noch freigiebig.
    Auch daran erkennt man den Niedergang...

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    1. Bei der letzten Wahl habe ich von der CDU und von der SPD jeweils einen Kugelschreiber ergattert. Der von der CDU ging letzte Woche kaputt (Druckknopf abgefallen), der von der SPD geht noch. Grüne und Linke hatten gar keine Geschenke. #Politikverdrossenheit

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  2. Schweijk des Informationszeitalters? Muss ich jetzt das Buch lesen, um rauszufinden, ob ich geschmeichelt oder beleidigt sein soll? (Ich mach's wie immer, ich bin einfach beides).
    Irgendwann gibt's vielleicht mal wieder etwas zu berichten.

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