Mittwoch, 29. August 2018

Verbogene Schätze – Fahrräder in Berlin


Blogstuff 231
„Was ist der Unterschied zwischen Gott und Donald Trump? Gott hält sich nicht für Trump.“ (Johnny Malta)
Ab einem gewissen Punkt gleichst du Verluste nicht mehr aus. Wenn du jung bist und eine Pflanze stirbt in deinem Garten, setzt du eine neue Pflanze an ihre Stelle. Wenn man älter wird, bleibt dort einfach ein Loch. Am Ende ist dein Garten ein Ruinenfeld. So stelle ich mir das Altwerden vor.
Eine uralte soziologische Frage: Sind die Leute, die die Kulturtechniken des „Anmachens“ und „Abschleppens“ (werden diese Begriffe überhaupt noch verwendet?) beherrschen, am Ende ihres Lebens glücklicher geworden als die Leute, die sich in der Schule oder später kennengelernt und ein Leben lang zusammen geblieben sind?
Wissen Sie, warum Sie von Patrick Süßkind schon lange nichts mehr gehört haben? Weil er mit dem Roman „Das Parfum“ ein One-Hit-Wonder gelandet hat. Es ist praktisch so, als hätte er „Jingle Bells“ geschrieben. Ein Buch, das einschlägt wie eine Bombe, und du bist Millionär. Und wenn dann die Filmrechte verkauft sind, hörst du die Engel im Himmel singen, denn an denen bist du als Autor prozentual sehr viel höher beteiligt als an der Printausgabe. Also fang das nächste Manuskript an und hoffe, dass du das gottverdammte Bullseye triffst!
Mark Hampton, der Wirt des alterwürdigen Pubs „Bones & Lies“ in Badford-on-Rye (West-Buckleham), wurde einmal gefragt, wie das Lokal zu seinem Namen gekommen ist. „Weil die Menschen aus Knochen und Lügen bestehen“, antwortete er. „Knochen und Lügen.“
Viele literaturinteressierte Menschen fragen sich, was im ominösen „Autorenkoffer“, den Menschen wie ich permanent dabei haben, eigentlich drin ist. Neben den naheliegenden Utensilien wie Notizbuch und diversen Schreibgeräten sind das: Kekse, eine Thermoskanne mit Gin Tonic, ein Synonymwörterbuch, ein Reimlexikon, ein Fotoapparat, ein Handtuch (=> Douglas Adams), Autogrammkarten, ein Hello Kitty-Mäppchen mit Buntstiften, Radiergummi und Spitzer, ein Busfahrplan und ein Foto von Louis de Funés.

„Beschattungsinstitut Erlanger, private Ermittlungen aller Art. Was kann ich für Sie tun?“
Ich habe gerade den ersten Borderline-Chor der Welt gegründet. Wir sind vierzig Leute mit insgesamt 217 Teilpersönlichkeiten.
Die Sonnenbrille im Haar, das Diadem der Mittelschicht.
Bei der SPD ist jeden Tag Silvester. Sie haben immer gute Vorsätze für den nächsten Tag.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Freundlichkeit und Freundschaft. Ich glaube, in diesen aggressiven Zeiten geht gerade eine Menge kaputt. Und damit meine ich nicht nur die „Deutsch-Amerikanische Freundschaft“.
DAF – Der Mussolini. https://www.youtube.com/watch?v=eYcUGO-ISXQ

6 Kommentare:

  1. Also Kiezschreiber, ich muß schon sagen, sind jeden Tag ein paar Leckerbissen dabei...
    Dieser Blog ist wirklich sowas wie ein Vogelhäuschen für Liebhaber unverblümter
    Absurditäten!

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  2. Vielen Dank! Es findet sich aber da draußen und in mir drin auch genügend Futter, um das Häuschen jeden Tag zu füllen.

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  3. Ich lese hier sehr gern und manchmal kann ich nicht widerstehen – es ist mal wieder so weit – bei „Beschattungsinstitut Erlanger“ fiel mir wieder die „Auskunftei Krebs“ ein. Ein griff ins regal und los geht’s:

    Edouard hatte keine Eile damit, den Laden wieder zu eröffnen. Nach drei Wochen gab er eine Stellenanzeige auf, in der ein an selbständiges Arbeiten gewöhnter Verkäufer mit Flaschenbier- und Sämereikenntnissen gesucht wurde. Es meldete sich ein junger Mann, der seine Befähigung auf ersterem Gebiet mit der Lektüre von Stresemanns Dissertation begründete und, was den anderen Bereich betraf, bei Schmeil-Fitschens Pflanzenbestimmungsbuch schwur, er sei schon im Kindergarten dadurch angenehm aufgefallen, dass er mit verbundenen Augen Tulpenzwiebeln, Bucheckern und Saatkartoffeln habe voneinander unterscheiden können.
    Mangels Auswahl entschied sich Edouard für diese Fachkraft, kaufte eine alte Registrierkasse und ließ bis auf die monatliche Abrechnung Papst Mammon einen guten Mann sein. Gottlob vermehrte sich dieser Kirchenfürst ohne Edouards Zutun, weshalb er frohgemut eine Zugehfrau einstellte und sich in voller Größe dem widmete, was er „Studien“ nannte.
    Diese bestanden in angewandter Heimatkunde. Da er Spandau kaum kannte und überdies Krieg und Gefangenschaft ihn dem zivilen Kleinkram entfremdet hatten, schlenderte er durch die Umgebung seines Mutterhauses und redete mit den Leuten, um sich einzugewöhnen. So plauderte er sich von Hauswart zu Hauswart, denn tagsüber, wenn er seine Rundgänge unternahm, waren andere Sterbliche auf Arbeit. Wie ein leerer Schwamm sog er sich voll mit Klatsch und Tratsch, bald war ihm nichts Menschliches mehr fremd, und er verfolgte den nachbarschaftlichen Alltag wie einen Fortsetzungsroman. Aus diesem Steckenpferd entwickelte sich später die „Auskunftei Krebs“.

    Herbert F. Witzel, Der Porzellanreiter, in: Kreuzberger Dreifaltigkeit, 1979

    Das Gelbbuch ist auch nicht schlecht. Die beiden schmalen bändchen halten sich hier schon knapp 40 jahre trotz mehrerer umzüge und aussortiererei. Ich mag sie nicht missen.


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    1. Guter Text. Leider finde ich "Kreuzberger Dreifaltigkeit" nicht im Netz, scheint aber auch ein Friedhof zu sein. Immer schön, wenn ein Gedanke einen anderen Gedanken auslöst, so wie mein Text deine Erinnerung, wenn es funkt zwischen den kleinen Glühbirnen ;o)))

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    2. Findest du bei zvab oder booklooker.

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  4. Das mit den Aufreißern:
    Die Leute, die jede Nacht mit einer anderen Frau in`s Bett gehen, wixen auch.
    Oft mehr als die, die nie/selten eine abkriegen.

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