Montag, 27. August 2018

Schwester Angst

Kaum ist die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt gewichen, taucht eine neue Bedrohung auf: der Wohnungsmarkt. Du bekommst vielleicht den nächsten Job, aber womöglich schläfst du bald unter der Brücke. Merke: Die Leute müssen immer unter Druck stehen, sie sollen immer Angst haben.
Die Angst vor Obdachlosigkeit ist sogar viel größer, viel existenzieller als die Angst vor der Arbeitslosigkeit. Wenn ich keinen Job habe, stürze ich auf Hartz IV-Niveau ab. Dann trinke ich vielleicht am Ende des Monats Leitungswasser, aber ich habe wenigstens noch ein Loch, in das ich mich verkriechen kann. Aber ohne Wohnung lebe ich auf der Straße und besitze nur noch das, was ich mit bloßen Händen durch die Stadt tragen kann. Ohne festen Wohnsitz finde ich auch keine Arbeit mehr.
Die Lage am Arbeitsmarkt mag sich entspannt haben, aber wie finde ich mit etwa tausend Euro netto – und mehr ist es nicht mit dem Mindestlohn – eine Wohnung in Berlin, Frankfurt oder München? Und falls ich eine finde, bleibt mir auch nicht mehr zum Leben als der Hartz IV-Satz.
Wir balancieren auf einem Seil über die große Welt. Lächeln Sie! Machen Sie ein Selfie! Autosuggestion beruhigt die Nerven.

3 Kommentare:

  1. „Mit bloßen Enden“ finde ich sogar richtig gut. Kling angsteinflößender als Hände …

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Finger wurden von Zombies abgenagt. Danke für den Tipp ;o)

      Löschen
  2. Less Citys, more moving people

    AntwortenLöschen