Samstag, 30. Juni 2018

Manifestationen des Blöden: Markus Söder

2018 ist es passiert. Die Bayern haben ihren schärfsten Wadenbeißer seit Franz-Josef Strauß von der Leine gelassen. Als Staatsoberhaupt eines renitenten Bundeslands tief im Süden, wo man mit Hopfen und Dieselfahrzeugen sein Geld verdient, legte er fulminante hundert Tage aufs politische Parkett.
„In Europa und der Welt ist die Zeit des geordneten Multilateralismus - die wird etwas abgelöst von Einzelländern, die auch Entscheidungen treffen“, formuliert er am 14. Juni, pünktlich zu Beginn des medialen WM-Lochs, etwas ungelenk. Aber wir wissen alle, was gemeint ist. Nach den erfolgreichen Schlagern „Hungary First“, „Poland First“, „Austria First“ und vor allem „America First“ kommt nun „Bavaria First“. Eigentlich muss es ja „Söder First“ heißen, aber der Mann ist erst kurz im Amt.
Bayern hat in den vergangenen Jahren schon immer eine eigene Außenpolitik betrieben und seinen Bürgern suggeriert, man sei ein souveräner Staat. Staatsbesuche bei Putin oder Orban, die Achse München-Wien-Rom, als ob es Berlin gar nicht gäbe – mit Söders Aufkündigung der internationalen Zusammenarbeit ist der Bruch mit dem Rest der Republik schon intendiert. Dazu kommen ein neues Polizeigesetz nach Vorbild des Ausnahmezustands in Frankreich und den USA sowie der aggressive Missbrauch religiöser Symbole in staatlichen Einrichtungen zur Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Es ist der Größenwahn vieler Kleinstaaten – siehe Nordkorea -, mit den ganz großen Hunden bellen zu wollen. „Bavaria One“ heißt das neue Weltraumprogramm, mit dem man endlich mit den Amerikanern, Russen und Chinesen gleichziehen wird. Das ist nur der Anfang. Strauß ist in der Adenauerzeit mit seinem Wunsch nach deutschen Atomwaffen gescheitert. Gibt es mit Söder endlich die bajuwarische Bombe?
Wer braucht noch die BRD, die EU oder die NATO, wenn man der Fürst einer aufstrebenden Mittelmacht ist? Sehr aufschlussreich für den selbstverliebten Egomanen Söder sind seine Karnevalskostüme. Als Kronprinz alberte er noch in Gestalt eines Punkers oder einer Cartoon-Figur durch die Bierzelte, später machte er sich als Stoiber über einen seiner Vorgänger lustig. In diesem Jahr ging er als Prinzregent Luitpold von Bayern. Dieser übernahm für seine geisteskranken Vorgänger Ludwig Zwo und Otto Eins die Regierungsgeschäfte im Königreich Bayern. Viele Grüße an Herrn Seehofer. Nebenbei knüpft man dezent an die 738 Jahre undemokratischer Herrschaft der Wittelsbacher an.
Seinen Vorgänger, jetzt Heimatinnenbauminister in Berlin am Hofe der letzten Kaiserin, verheizt er gerade in absurden Grabenkämpfen mit der Schwesterpartei CDU um juristische Petitessen und verursacht eine veritable Krise in der ohnehin schon durch Brexit, Trump und hauseigenen Nationalismus schwer angeschlagenen Europäischen Union. Sensationen, Spektakel und Skandale! So sichert man sich die Schlagzeilen, so bleibt man im Geschäft. Das hat die CSU von Gauland & Konsorten gelernt. Wann wird Söder die rheinischen Besitztümer Bayerns (die Pfalz und das alte Herzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf) und Tirol (der Gardasee gehörte einmal zu Bayern) zurückfordern? Wird man ihm bei Einmarsch bayerischer Truppen in Innsbruck zujubeln?
Der Mann hat gerade einmal hundert Tage im Amt hinter sich. Markus Söder ist vielleicht die größte Bedrohung, die seit 1945 von deutschem Boden ausgeht. Das rechtsextreme Gekläffe der AfD wird von ihm durch bloße Imitation zum Salonfaschismus geadelt und verbreitet sich dieser Tage wie eine Hirninfektion. Wir stehen vor einem Überbietungswettkampf der Blut&Ehre-Bewegungen auf dem gesamten Kontinent. Den hat ein Wahl-Münchner und Gefreiter der Bayerischen Armee schon einmal gewonnen.

Söders politisches Selbstverständnis: Er ist der Hirte und wir sind die Schafe.
Elina Nechayeva - La Forza. https://www.youtube.com/watch?v=ImawXdXIGd8

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