Mittwoch, 27. Juni 2018

Kein Weg führt zurück

Ich habe jahrelang Sushi in rauen Mengen gegessen. Es muss wohl der Lachs gewesen sein, der aus mir sprach. Es klingt albern, ich weiß. Jedenfalls wollte ich plötzlich zurück nach Hause.
Ich habe meine Heimat schon vor langer Zeit verlassen. In einem anderen Jahrhundert. Es gab damals noch anderes Geld und andere Themen. Ich hatte völlig den Kontakt verloren. Meine Eltern waren schon lange tot. Soziale oder kulinarische Bezüge gab es keine mehr.
Es war mühsam. Schwerer, als ich dachte. Ich war lange nicht mehr auf Reisen gewesen und ich wusste gar nicht, was man als Gepäck mitnimmt. Instinktiv packte ich Wein, Brot und Käse in eine Tüte. Auch etwas Wäsche zum Wechseln, falls ich ins Schwitzen kommen sollte.
Schon der Weg zum Flughafen war sehr lang. Ich bin seit vielen Jahren nicht mehr geflogen. Meine Nahrungsmittel wurden mir weggenommen, man tastete meinen Körper ab und wollte in meine Schuhe sehen. Ich sollte Auskunft geben, ob ich einen terroristischen Anschlag verüben wollte. Soweit hatte ich noch gar nicht gedacht.
Das Land meiner Vergangenheit hatte sich verändert. Die neuen Menschen sahen ganz anders aus. Ich fuhr mit einem Bus, weil es keine Züge mehr in die Stadt gab, in der ich geboren wurde. Er hielt in einem Viertel, das es früher noch nicht gegeben hatte.
Ich nahm ein Taxi und wollte zu meinem Elternhaus fahren. Als wir in der Straße ankamen, stellte ich fest, dass es abgerissen worden war. An seiner Stelle stand ein Einkaufszentrum. Das Einkaufszentrum war schon vor Jahren geschlossen worden.
Der Taxifahrer erzählte, hier entstünde demnächst ein Logistikzentrum. Ich fragte ihn, was das eigentlich sei. Er wusste es nicht. Mir wurde klar, dass es keine gute Idee gewesen war, zurückzukommen. Warum sollte ich mich hier beerdigen lassen?
Wenn ich heute Lachs esse, muss ich jedes Mal an diese Reise denken.
Simple Minds - New Gold Dream. https://www.youtube.com/watch?v=GWAC4UeWGd0

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