Freitag, 15. Juni 2018

Buster Keaton

„… er hatte jetzt keine Lust auf Leute, Leute waren die, die einem den Tag versauten …“ (Sven Regener: Wiener Straße)
Einer der vielen Vorteile des Alters ist es, seine Zeit nicht mehr mit belanglosen Tätigkeiten, albernen Leidenschaften und der Jagd nach nutzlosem Besitz verbringen zu müssen. Ich kann den ganzen Tag entspannt in meinem Sessel sitzen, ohne das Gefühl zu haben, irgendetwas zu verpassen. Als Gesellschaft genügt mir mein Kater. Ich nenne ihn Buster Keaton, weil er ständig denselben stoischen Gesichtsausdruck hat wie der längst verstorbene Schauspieler. Es ist nur ein Spiel, denn Buster hört ohnehin nicht auf seinen Namen. Letztlich ist er namenlos wie alle Katzen.
Ich habe Buster dressiert. Jetzt kann ich mich mit ihm unterhalten. Einen Kater dressiert? Und er redet? Glauben Sie mir, es geht. Moderne Technik macht es möglich. Ich habe eine Stoffmaus auf Rädern, die ich mit einer Fernsteuerung bewegen kann. Immer, wenn Buster mit seiner Pfote auf die Maus schlägt, ertönt aus einem Lautsprecher ein Satz. Ich habe etwa dreißig Floskeln programmiert. Auch die Unterhaltung mit Menschen beruht letztlich auf einer überschaubaren Anzahl beliebig verwendbarer Allgemeinplätze und sprachlicher Konventionen. Menschliche Kommunikation besteht zu 99 Prozent aus Leere.
„Sollen wir in den Garten gehen?“ frage ich Buster.
Er schlägt nach der Maus. „Morgen ist auch noch ein Tag.“
„Es ziehen tatsächlich einige Wolken auf. Vielleicht regnet es.“
„Das kann man nicht wissen.“
„Soll ich ein wenig lesen?“
„Wenn es dir Spaß macht.“
„Ist es denn richtig, den ganzen Tag im Sessel zu sitzen?“
„Ich finde, du machst das großartig.“
„Vielleicht koche ich mir einen Tee.“
„Achte immer auf deine Gesundheit.“
„Aber dazu müsste ich in die Küche gehen.“
„Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt.“
„Ist dir denn nicht langweilig, Buster?“
„Man braucht so wenig zum Glück.“
Wie recht dieser Kater doch hat. Und jetzt mache ich ein Nickerchen.
Gary Jules - Mad World. https://www.youtube.com/watch?v=4N3N1MlvVc4

2 Kommentare:

  1. Aus einer TV-Doku namens "Die Zaubertricks der Tiere - Übersinnliche Fähigkeiten" entnahm ich gestern die mir bis dato unbekannte Information, dass Katzen tatsächlich nur mit Menschen miauen und nicht miteinander. Und jeder, der 'ne Katze hat, weiß, dass kein Miau wie das andere ist. Sie wissen u.a. auch genau, dass klägliche Laute besonders gut ziehen, wenn es ums Futtergeben geht. Was daran allerdings übersinnlich sein soll, weiß nur n-tv... ;-)

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  2. Während uns Hunde für Götter halten
    nehmen uns Katzen allenfalls und mit merklicher Verachtung
    als riesig dumme Brotzeitholer war.

    Henscheid / Ich glaub in der Mätresse...

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