Donnerstag, 7. Juni 2018

Adolf heißt er, Bademeister

Ein alter Mann in Badehosen. Neben ihm eine Polizistin. Sein Haupt ist gesenkt. Wird hier ein Päderast abgeführt, ein Exhibitionist, ein Spanner? Hat der falbe Leib gar öffentliches Ärgernis erregt?
Dem faschistischen Oppositionsführer wurden beim Bad in einem Potsdamer See die Klamotten geklaut. Eine Petitesse oder, um es im Jargon der AfD auszudrücken, ein Vogelschiss. So wie der parlamentarische Arm der Neonazis nur ein Vogelschiss im Vergleich zur NSDAP ist.
Darf man dieses Bild zeigen? Offenbar nicht, denn einige Blätter, die man im vergangenen Jahrhundert durchaus als liberal bezeichnen konnte, verweigern empört den Abdruck. Die von der AfD diffamierte „Lügenpresse“ biedert sich dem rechten Spektrum offen an.
Ulf Poschardt von der „Welt“ twittert, man würde das entwürdigende Bild eines Politikers in Badehosen nicht zeigen. Menschenwürde – ein großes Wort in diesen Tagen, vor allem von der "Höschenblitzer"-Springerpresse. Jochen Bittner von der „Zeit“ bezeichnet die Veröffentlichung als „Zivilisationsbruch“ und vergleicht den Vorgang mit dem Holocaust.
Ist es nicht Majestätsbeleidigung, Gauland in Badehosen zu zeigen? Wer weiß, wo der Mann in fünf Jahren ist? Besser man passt sich der faschistischen Sammlungsbewegung bereits heute an. Bevor man eines Tages in den Folterkellern der Höcke-Jugend landet. Oder wie es Holger Arppe von der AfD ausgedrückt hat:
„Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns ggf. anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. … Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben rauf.“
Friedemann Weise hat es mit seinem Facebook-Beitrag auf den Punkt gebracht:
P.S.: Inzwischen ermittelt der Staatsschutz. Hunderschaften der Polizei durchkämen die Mülltonnen der Umgebung. Die Klamotten wurden derweil in Anatolien entsorgt, wie Hatice Akyün twitterte.