Freitag, 18. Mai 2018

Die Wiederentdeckung des Käsebrots


Blogstuff 212

„Die Wiedergeburt des Revolutionärs aus dem Geist des Partisanen. Mag der Partisan in einer Industriegesellschaft ein Hund auf der Autobahn sein. Es kommt darauf an, wie viele Hunde sich auf der Autobahn versammeln.“ (Heiner Müller)
Es waren unruhige Zeiten, als er in B. eintraf. Vor dem Bahnhof wurde laut gerufen und an der Imbissbude gab es keine Buletten mehr.
Aus den Kleinanzeigen eines Stadtmagazins: „Dominanter Medienunternehmer mit einem Gehänge wie ein Lipizzanerhengst sucht devoten Sklaven für bedingungslose Korrektur- und Layoutarbeiten (kein Sex). Kennwort: Bonetti.“ – „Abschließbare Diskettenbox günstig abzugeben.“
Ich würde gerne einmal in Surinam Urlaub machen. Aber leider gilt Delphinragout dort als Delikatesse. Das macht mir die Reise unmöglich.
Hätten Sie’s gewusst? Heinz Pralinski fuhr in jungen Jahren eine rote Ente, die er „Millenium Duck“ nannte. Wichtelbachs Antwort auf Han Solo.
Hilft der Spitzname „Snowball“ einem übergewichtigen Albino wirklich?
Wenn du dich zum Frühstück mit einer angebrochenen Tüte Tortilla-Chips zufrieden gibst, hast du in deinem Leben irgendwas falsch gemacht.
„Was fällt Ihnen zu 1987 ein?“ – „Das Buchstabenrodeo in Wisconsin. Ich bin Zweiter geworden.“
Nichts ist unendlich. Noch nicht einmal die Anzahl der subatomaren Teilchen im Universum. Die Zahl ist einfach nur sehr lang. Aber eine großkotzige Amöbe wie der Mensch, dessen Leben nur einen Wimpernschlag lang dauert, hantiert natürlich gerne mit schwergewichtigen Begriffen wie Unendlichkeit herum.
Endlich habe ich den Titel für meine Memoiren gefunden, die ich 2031 – zu meinem 65. Geburtstag – veröffentlichen werde: „Wir Rentner vom Bahnhof Zoo.“
Ich träume, dass ich am Rand eines Feldweges auf einer Wiese sitze. Auf meinem Schoß habe ich ein Notizbuch, in das ich gerade etwas hinein schreibe. Ich bin der Überzeugung, dass man über jeden Gegenstand und jeden Augenblick etwas schreiben kann, weil jeder Gegenstand und jeder Augenblick es verdient hat. Gerade schreibe ich eine kleine Geschichte mit dem Titel „Der beste Keks der Welt“. Zwei junge Japanerinnen in dunkelblauen Kleidern kommen vorbei. Sie schauen zu mir herüber und gehen wortlos vorbei. Ich blättere in meinen Notizen und überlege, wie viele Notizbücher ich eigentlich momentan benutze und was ich alles noch ins Reine schreiben muss.
Ein Mann konzentriert sich sehr lange und macht dann einen gewaltigen Sprung. Ich bin in der gleichen Zeit genauso weit gekommen wie er. Aber ich bin geschlendert, also hat es niemand gemerkt.
Er war eine Null auf der Skala von eins bis zehn.
Der Regen lief in langen Bahnen die Fensterscheibe hinab, die Stadt schien vor seinen Augen zu zerfließen. Dächer flossen die Fassaden hinab und verschwanden im Gulli. Alles löste sich im Regen auf. Menschen wurden zu Farbkleksen, die sich mit den Mauern und Straßen vermischten und schließlich verschwanden.
Eines Tages werden die Fenster durch Monitore ersetzt. Im Wohnzimmer sieht man über Wälder hinweg auf eine Bergkette am Horizont, in der Küche blickt man auf eine Wüste und vor dem Schlafzimmer liegt Schnee. Man kann den Ausblick beliebig ändern und ist nicht mehr gezwungen, die deprimierenden Häuser auf der anderen Straßenseite betrachten zu müssen. Rollläden oder Vorhänge braucht man auch nicht mehr, das Licht der Monitore macht den Raum taghell.
The Crusaders - Street Life. https://www.youtube.com/watch?v=-iVR7WLsvAg

Ein bewaldeter Hügel, der sich in einem Bergsee spiegelt.

Kommentare:

  1. Ach deshalb werden die Notizbücher immer schneller voll. Weil alles es verdient hat, festgehalten zu werden, und weil alles immer mehr wird. Fette Baustelle.

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  2. Endlich habe ich den Titel für meine Memoiren gefunden, die ich 2031 – zu meinem 65. Geburtstag – veröffentlichen werde: „Wir Rentner vom Bahnhof Zoo.“

    Kannste vergessen, wird 'ne Abmahnung geben. In der Autobiographie von Frau F. "Mein zweites Leben" heißt ein Kapitel sehr ähnlich. :(


    Zu den Notizbüchern: Du beschreibst da eine etwas ausufernde Methode von Bullet Journaling, für prosaisch fähige Menschen. ;)

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    1. War ja auch nur Spaß. Meine Autobiographie wird "Guns & Roses" heißen - da habe ich auch keine Probleme mit dem Copyright ;o)

      Bullet Journal kannte ich noch gar nicht. Hab mal nachgeguckt. Heiliger Strohsack! Methode der Selbstoptimierung. Der Alptraum. Im Traum habe ich damals einfach alles unstrukturiert in Notizbücher ohne Titel geschrieben.

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    2. Wenn man den Selbstoptimierungsquark und den Malaspekt rausnimmt, ist das gar nicht mehr so heiliger Strohsack-mäßig. Na gut, ich gebs zu: Meins wird immer für das von einem Kerl gehalten, weil ich einfach nur reinschreibe und dazu noch alles mögliche, mir hat das beim Gerichtsgeschacher geholfen, weil man an 100 Sachen denken muss und ich mindestens 75 davon jeden Tag vergessen habe. Die Methode wurde übrigens von einem Mann "erfunden".

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  3. Wenn man so ein beschauliches Leben führt wie ich, braucht man noch nicht mal einen Terminkalender. Ich habe diesen Monat noch exakt zwei Termine: am 26.5. das Champions League-Finale und am 29.5. die Müllabfuhr (gelbe Tonne - da schmeiße ich einfach alles rein; Müllsynthese statt Mülltrennung, nur Glas und Papier geht extra). Das habe ich im Kopf, da brauche ich keinen US-Timer und seine neueren Varianten.

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