Sonntag, 25. März 2018

Schuld und Zufall

„Freiheit ist unteilbar – entweder ihr habt sie ganz, oder ihr seid nicht frei.“ (Martin Luther King)
Lara lebt in Shmankville/Ohio. Sie leidet an Burnout und bekommt ein Medikament verschrieben. Trotzdem geht es ihr nicht gut. Ihr Mann, nennen wir ihn Joe Tubble, ist ein Investmentbanker. Weil er seiner Frau aus dem Weg gehen will, arbeitet er immer länger, er nimmt Koks und bleibt bis Mitternacht in seinem Büro.
Da entdeckt er bei einer Internetrecherche – er weiß selbst nicht, wie er darauf gekommen ist – eine kleine Maschinenbaufirma, nennen wir sie Fritz Müller KG, in Wichtelbach. Er überredet den Boss von Shlingdingaling Global Investment, die Firma zu übernehmen. Die Patente der Fritz Müller KG werden an die Chinesen verkauft, die Produktionsanlage an die Russen und die Belegschaft wird entlassen.
Wanja Nothgroschen, der Prokurist, verliert seinen Job und wird depressiv, als er ein Jahr später Hartz IV-Empfänger wird. Er begreift nicht den Zufall dieser Handlungskette, sondern interpretiert seine Situation als Urteil der Schicksalsgötter, so wie alle Menschen gerne die schmeichelhafte Lüge vom persönlichen Schicksal glauben. Sie wollen nicht erkennen, dass das Leben aus Zufällen besteht und nehmen lieber die „Schuld“ auf sich, nicht leistungsfähig genug gewesen zu sein.
Heaven 17 – Song With No Name. https://www.youtube.com/watch?v=8s-liPuUv4I

Brauseverkäufer in London, 1900.

Kommentare:

  1. ... einen an der WAFFEL haben, heute zum

    Tag der Waffel 2018
    25. März 2018 in Schweden

    *würdedenTaggerneWELTWEITeinführen...hehe*

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  2. Was Du da beschreibst ist, trotz Wortwahl, alles Andere, als Zufall. Ich lese hier von Strategie, Ursache und Wirkung. Frei nach dem Motto: Hast Du keinen Plan, hat jemand anderes einen für Dich, der aber nicht in Deinem Interesse ist!

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    1. Eigentlich habe ich nur die Chaostheorie auf das menschliche Leben übertragen. Wir kennen nicht die komplette Ursache-Wirkungskette vom Flügelschlag eines Schmetterlings bis zum Sturm. Ein Freund von mir wurde durch eine solche Übernahme mal aus dem Job gekegelt, er zog nach Berlin, fand dort seine heutige Frau und nächsten Monat feiern wir die Konfirmation seiner Tochter. Wer glaubt, sein Lebenslauf sei einzig das Ergebnis einer Strategie ... bitte ;o)))

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    2. So ganz mag ich das micht auf sich beruhen lassen. Ich gebe allerdings zu, dass ich nicht an Zufälle glaube, mit Ausnahme padelliges Anrempeln in irgendwelchen überfüllten Wartehallen,etc.. :) Rein kaufmännisch wird streng nach Ablage gearbeitet. D. H. die Fritz Müller KG steht zur Ausschlachtung in den Dokumenten, weil davon eine XY % Rendite zu erwarten ist. Wenn gerade nichts Besseres da ist, wird eben diese Fa. geschlachtet, da ändert auch das Koks nix, das nicht nur zwecks "Hallo wach!"genutzt wird, sondern auch die Parties besser zu verlassen hilft (man kann unglaublich viel mehr saufen).
      Schmierst Du Dir eine Stulle aus Zufall oder weil Du Hunger hast?
      Erfolgt Deine Essenseinnahme gemäß Ritual, einer festen Routine oder zufällig?
      Kaufst Du Dir eine Bahnkarte nach Berlin zufällig?

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  3. Ja, vor allem diese Idee der Schuld.
    Diese evangelische, ewige Schuld des Menschen, die einem ja schon in der Schule oder Konfirmationsunterrich wie überhaupt in der Kirche eingetrichtert wird. Man kommt ja schon, so heißt es, als Säugling, nackt, ohne Sprache oder Verstand, schuldig auf die Welt, und nur Gott oder wahlweise Jesus kann einen erretten.
    Und so geht es ja dann in der Firma weiter, man ist immer schuld, schon wenn man das Fabriktor hinter sich hat. Generell.
    Klasse Idee, so strampeln sich immer alle ab, bis zum geht nicht mehr.

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