Montag, 26. März 2018

Die Zerstörung der Solidarität

Du willst die Solidarität einer Gruppe zerstören? Dann versetze sie in Angst. Bring sie in den Rette-sich-wer-kann-Modus. Bei Gefahr ist jeder sich selbst der Nächste.
Du willst die Solidarität von Arbeitnehmern kaputt machen? Arbeitslosigkeit ist dein Tool. Yes! Und wer arbeitslos wird, stürzt in die gesellschaftliche Hölle namens Hartz IV. Schon kämpfen sie untereinander noch um den miesesten Job. Lass die Müllmänner im Assessment Center gegeneinander antreten. In deiner Abteilung machst du mit jedem Mitarbeiter ein jährliches Bewertungsgespräch und vergibst unterschiedliche Noten. Mach die Noten öffentlich. Mach es wie die Unternehmensberatungen, die jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz am Ende der Skala feuert. Mach Sendungen im Fernsehen, die dieses Gefühl in jedes Wohnzimmer tragen. You’re fired!
Bleiben wir bei Trump, der dieses Spiel perfekt inszenieren kann. Du willst die Solidarität von Staaten unterminieren? Kündige Strafzölle für alle an und lasse sie dann einzeln bei dir ankriechen. Sie werden um Ausnahmen betteln. Es gibt keine gemeinsame Front im Handelskrieg mit den USA, es gibt keine Regeln für den Welthandel, die man bei der WTO einklagen kann. Jeder kämpft nur noch für sich selbst.
Du willst die Ärmsten der Armen gegeneinander ausspielen? Oder Deutsche gegen Einwanderer? Erzähle ihnen, es gäbe bei der Essensausgabe nicht genug für alle. Manche Menschen bekämen kein Essen mehr. Schon fallen sie in ihrer Angst übereinander her. Wissen Sie übrigens, wer von den Tafeln die besten Sachen bekommt? Raten Sie mal! Die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Ein Bekannter von mir wohnt neben einer Familie, dessen Oberhaupt eine Tafel organisiert. Jeden zweiten Tag kommt der Bus der Tafel und Lebensmittel werden bei ihm ausgeladen. Oder dachten sie, die Mitarbeiter der Tafeln gehen noch einkaufen?
Verschone mich, O Herr – und zünde das Haus meines Nachbarn an. Die menschlichen Instinkte sind immer noch auf Primatenniveau. Man kann auf dieser Klaviatur jederzeit die alte Melodie spielen. Angst statt Argumente. Letzten Endes läuft Herrschaft auf dieses Prinzip hinaus.
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Kommentare:


  1. "die Ärmsten der Armen," [sic!]

    Die Allerärmsten der Armen sind diese Armen im Geiste, denen ein einfaches "arm" als Abqualifikation nicht ausreichend genug ist. Es bedarf ergo zwingend einer weiteren Schublade der Herabsetzung, ganz so, als ob "arm sein" nicht schon genügend Entwürdigung für die Betroffenen ist.

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    1. Es gibt, wenn wir von Armut sprechen, durchaus Abstufungen. Ein Lieferfahrer, der nur den Mindestlohn verdient, ist arm. Die alleinerziehende Mutter, die von Hartz IV lebt, ist noch ärmer. Ärmer als sie ist der Flüchtling, der in einer Sammelunterkunft untergebracht ist. Ärmer als er ist wiederum der Obdachlose, der in der Fußgängerzone im Geld bettelt.

      Es lohnt sich also schon, sich Armut etwas genauer anzuschauen. Wer nur von "den Armen" spricht, hat offenbar nicht genau hingesehen oder hat kein Interesse an einem differenzierten Blick.

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    2. Mademoiselle Knockwurst26. März 2018 um 19:47

      Der Lieferfahrer, die alleinerziehende Hartz IV Mutter, der Flüchtling, der Obdachlose und alle weiteren gängigen Klischees brauchen eines gewiss nicht: "Abstufungen", sondern Solidarität, deren Zerstörung in dem obigenText beklagt wird.

      Wie soll ich also einem dieser Menschen - den ich erst in verschiedene "Abstufungen" einordnen muß - jemals solidarisch auf Augenhöhe begegnen?

      "Abstufungen" brauchen diejenigen, die über Armut nur reden wollen. Wohlfeile Reden haben zwar noch keinen hungrigen Bauch gefüllt, den Scheinheiligen aber oftmals ein Quentchen tieferen Schlafes beschert.

      Die Abstufung "die Ärmsten der Armen" ist geheucheltes Mitleid!

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    3. Wie kommen Sie zu diesen Anschuldigungen? Ich habe weder gesagt, dass ein differenzierter Blick die Begegnung auf Augenhöhe unmöglich macht, noch bin ich ein Heuchler, nur weil ich, wie andere Menschen auch, das Thema Armut anspreche. Ich verstehe gar nicht, warum Sie mich in diesem aggressiven Tonfall beleidigen.

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  2. P.S.: Zum Abschluss noch eine Information. Langjährigen Lesern erzähle ich nichts Neues, aber ich war selbst einige Jahre Hartz IV-Empfänger. Ich kenne Armut und Schikanen des Job-Centers also auch aus persönlicher Erfahrung.

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