Montag, 19. März 2018

In den Mangrovenwäldern von Sachsen-Anhalt


Blogstuff 204
„Wir leben in einem Zeitalter der Reproduktion. Das allermeiste in unserem persönlichen Weltbild haben wir nie mit eigenen Augen erfahren, genauer: wohl mit eigenen Augen, doch nicht an Ort und Stelle; wir sind Fernseher, Fernhörer, Fernwisser.“ (Max Frisch: Stiller)
Der Mittelstürmer ist der letzte Instinktfußballer in einer Mannschaft. Er bewegt sich die entscheidende Zehntelsekunde schneller zum Ball als die anderen Spieler. Im Idealfall ist der Mittelstürmer so doof wie Horst Hrubesch oder mein Mitspieler beim TuS 09 Schweppenhausen. Er war der Knipser – sonst nichts. Aber er hat geknipst. Und später im Leben hat er alles so konsequent versemmelt, wie ich es von einem Mittelstürmer erwarte. Hauptschulabschluss, Drogenkarriere, Job als Lagerarbeiter, Ehe in den Sand gesetzt, von Kind und Hund verlassen, Entziehungskur, Job im Lager verloren und mit Anfang fünfzig so richtig in der Scheiße.
Jeder kennt diesen alten Jesus-Spruch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Der Mann hatte ja vom 21. Jahrhundert keine Ahnung. Da gibt es die Leute, die sich selbst ritzen und die sich selbst hassen. Hoffentlich gehen die mit anderen Menschen besser um als mit sich selbst. Auf der anderen Seite gibt es wahre Bastionen der Selbstverliebtheit, die selbst ihre eigene Mutter oder ihre Kinder noch nicht einmal halb so gern haben als sich selbst. Die werden dieses Ziel nie erreichen. Liebt man sich denn selbst? Liebe ist ein großes Wort. Da hat es der nüchterne Preuße Kant mit seinem kategorischen Imperativ schon besser auf den Punkt gebracht.
Kennen Sie Tobias Schlegl? Ein Medien-Profi, zuletzt Moderator bei „aspekte“ im ZDF. Am Ende seines Eintrags bei Wikipedia lesen wir: „Im Juli 2016 gab Schlegl bekannt, sich von seiner Arbeit beim Fernsehen zurückzuziehen und Notfallsanitäter zu werden, um etwas ‚gesellschaftlich Relevantes‘ zu machen.“ Falls er Rettungssanitäter bleibt, wird dem Artikel vermutlich außer dem Todestag nichts mehr hinzugefügt werden. Alle Menschen, die etwas gesellschaftlich Relevantes tun, Erzieherinnen, Krankenschwestern usw., tauchen bei Wikipedia überhaupt nicht auf. Hätte Schlegl jetzt seine eigene Late Night Scheiße auf einem der Dutzendwarekanälen unserer Fernsehwelt, würde sein Eintrag jedes Jahr wachsen.
„Steht auf, ihr Verdammten dieser Erde“, denkt er. Aber es ist nur der Wecker, der wie an jedem Morgen um sechs Uhr klingelt.
Vinaigrette Krampf-Knorpelbauer. Hö hö. Ich find’s lustig.
Ich sehe aus einem einfachen Grund gerne Sport im Fernsehen: Es ist nirgends einfacher, sich als Sieger zu fühlen. Ich muss nichts machen, ich muss einfach nur zuschauen. Ich brauche noch nicht einmal in ein Stadion gehen. Es reicht, wenn ich Salzstangen futtere, mich am Hintern kratze – und schon werde ich Fußballweltmeister, ich gewinne olympisches Gold oder ein Formel 1-Rennen. Manchmal sehe ich mir den Sport auch vom Bett aus an, weil ich zu faul zum Aufstehen bin. Und dann balle ich die Faust, strecke sie in Richtung Zimmerdecke und rufe „Toooor!“
Pearl Jam – Alive. https://www.youtube.com/watch?v=qM0zINtulhM
Mein guter Rat zum Beginn der Arbeitswoche: Safety first.

1 Kommentar:

  1. IHR ZITAT DES TAGES:

    Ich kann nicht nur da sitzen und darauf warten, dass mir die guten Dinge passieren.
    Ich muss sie schon passieren lassen.

    Cecelia Ahern
    ir. Schriftstellerin .... Sie kannte - bereits - diesen Blogpost (ړײ) *hehe*

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