Sonntag, 4. März 2018

Im Zirkus und am Meer

„Ich hatte keinen besonderen Anlass, glücklich zu sein, ich war es aber. Ich wusste, dass ich alles, was ich sehe, verlassen werde, aber nicht vergessen.“ (Max Frisch: Homo faber)
Im Juli 1979 fuhr ich mit meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten, einem Vertreter aus dem Rheingau, für drei Wochen nach Spanien. Um ein Uhr nachts setzten wir uns in den metallic-braunen Ford Granada und fuhren nach La Manga del Mar Menor, einer Landzunge in der Nähe von Cartagena.

Spanien, das Land der Paella und der unglaublichen Vielfalt an Fischgerichten. Sie, liebe Lesende, werden sich natürlich jetzt fragen: Was hat er in jenem Sommer denn Leckeres gegessen?
Ich beginne mit der Aufzählung: Spaghetti mit Fleischsoße, Schweinesteak und Kartoffeln, Schaschlik-Spieße mit Reis, Eintopf, Gulasch mit Kartoffeln, Würstchen mit Kartoffelsalat, Rouladen und wieder Spaghetti mit Fleischsoße. Daneben haben wir diverse Schnitzel und Schweinesteaks mit Pommes frites in Ausflugslokalen gegessen.
So waren die siebziger Jahre. Der Kofferraum voller Konserven, ein Ferien-Apartment und die Mutter kochte jeden Tag. Gulasch und Eintopf aus der Dose gab es bei Aldi, die damals in Ingelheim gerade eine Filiale eröffnet hatten. Es war ein großer schmuckloser Raum voller Paletten, von denen man sich das Zeug runterholte. Keine Regale, kein Marketing-Schnickschnack, keine Preisschilder auf den Waren.
Ausländisches Essen gab es damals nur im Fernsehen, beispielsweise Leberkäs Hawaii (mit Dosen-Ananas) von Gerhard Polt oder Kalbshaxe Florida (mit Dosen-Pfirsich) bei Loriot.
***
Hier noch ein Zeitdokument vom 23.8.1978. Ein Besuch bei einem großen Zirkus, den es in dieser Form vierzig Jahre später gar nicht mehr gibt. Ich habe alles akribisch notiert, was ich von 15:30 bis 18 Uhr im Zirkus Barum gesehen habe. Es folgt ein unkommentiertes Zitat:
Programm
1) Dromedargruppe mit 4 Reitern und 3 Artisten.
2) Pferdenummer mit 4 Pferden, Kamelen und Lamas.
3) Kraftnummer mit Gewichtstücken. Mann und Assistentin.
4) 1 Clown mit 2 Hunden und 1 Eselskarren.
5) 1 Dompteur mit 8 Zebras.
6) 1 Flusspferd, 1 Emu, 1 Känguru und 1 Dompteur.
7) 1 Trapezkünstlerin aus Australien. Arbeitet ohne Netz.
8) Pferdenummer: 15 Pferde, 1 Dompteur und 1 Dompteuse.
9) Zwischenspiel: 3 Clowns aus Bulgarien.
10) Artistennummer: 1 Frau. Schwierige Handstände usw.
11) Dressurnummer mit 10 indischen Elefanten, 1 Dompteur und 1 Dompteuse.
12) Raubtiernummer mit 15 sibirischen Tigern und G.-S. Barum (Direktor).
13) Raubtiernummer mit 7 Löwen aus Kenia und G.-S. Barum.
14) 15 Minuten Pause.
15) Trapezkünstler: 3 Männer + 1 Frau. Doppelter Salto vorwärts.
16) Zwischenspiel: 3 Clowns aus Bulgarien.
17) Dressurnummer mit 4 jungen Schimpansen, 1 Dompteur + 1 Dompteuse.
18) 2 Clowns und 1 Assistentin.
19) Schleudergruppe: 13 Männer und 1 Frau. 3-facher Salto zur 5. Person.
20) Alle Artisten kommen nochmal. Große Verabschiedung mit 2 Löwinnen und verschiedenen afrikanischen oder asiatischen Kuharten.

Styx – Aku-Aku. https://www.youtube.com/watch?v=WkNbeD7F7jg

Kommentare:

  1. AUTO
    SPANIEN
    FERIEN - APARTMENT

    ZIRKUS

    ... hatten WIR/ich nicht!!!

    Aber "GSD" gab´s auch ALDI für UNS (ړײ)

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  2. Willst du viel, spül' mit Pril. ;-)

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  3. Hehe. Ich habe gestern überlegt, einen neuen Blog "Shit from an old notebook" aufzumachen, nachdem ich in ein paar meiner alten Hefte rumgelesen habe. Great minds think alike.

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    1. Gute Idee! Was gab es damals zu essen? Hat deine Mutter auch mit Pril gespült und wie viele Badezimmerkacheln waren mit einer Blume verziert?

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    2. War bei mir leider weniger Tagebuch als vergurkte Literatur.

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    3. Umso besser. Wenn du es noch als Datei hast und nicht mühsam abtippen musst. Möglicherweise spielen ja auch Tomaten und Rost eine Rolle in den Geschichten, dann könntest du es auch schön bebildern.

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    4. Als Datei? Machst du Witze? Meinen ersten Computer hatte ich erst 1997.

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    5. Unglaublich. Ich war 1987 am Start.

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  4. Oh, eine Pril-Blume.

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    1. Damit ist das Tagebuch als echt verifiziert ;o)

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  5. Statt über Pril oder Spaghetti mit Fleischsoße zu reden, bestimmt die doofe SPD mal wieder die Schlagzeilen der Medien. Vielleicht sollte ich auch eine Leserbefragung machen. Soll ich weiter über das Essen der Vergangenheit schreiben oder nicht? Soll ich im Juni in die Große Medienkoalition zur Fußball-WM einsteigen oder in die Opposition gehen, um mich "neu aufzustellen"?

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