Mittwoch, 7. März 2018

Hellas

„Als ich nach einer Weile merkte, wie unerträglich hoffnungslos jene alte, uns wohlbekannte Welt geworden war, begann mein Herz schneller zu schlagen (…). Eine neue Welt hatte längst alles Existierende ausgelöscht und sogar die Gegenwart schon in die Vergangenheit verkehrt. Alle Dinge, die ich sah und berührte, hatten sich auf klägliche Weise überlebt.“ (Orhan Pamuk: Das neue Leben)
Ich habe Berlin aus zwei Gründen verlassen. Zum einen habe ich den Lärm der Großstadt nicht mehr ertragen, zum anderen hatte ich meine Sprache satt.
Also zog ich auf eine kleine griechische Insel. Die Häuser in den sterbenden Dörfern abseits der Touristenzonen kosten fast gar nichts. Es gibt keine Heizung und keinen Strom. Aber warum sollte ich im Sommer heizen? Wozu brauchte ich Strom? Für Fernsehen, Radio oder Internet? Das wenige, das ich schrieb, notierte ich in kleinen Oktavheften, die ich mir für Münzgeld in einem Schreibwarenladen besorgt hatte.
Ich wollte meine Sprache vergessen. Darum Griechenland. Ich spreche keine Wort Griechisch. In diesem Dorf sprach niemand Deutsch. Keine Medien, noch nicht einmal Zeitungen. Ich wollte meine Sprache auf das Wesentliche reduzieren, während ich auf der Insel ein halbes Jahr verbrachte. Ich erhoffte mir, zumindest auf den letzten Seiten meines Notizbuchs dieses Ziel zu erreichen.
Zunächst war das Leben im Dorf ganz wunderbar. Als Kind hatte ich einmal eine Woche in Griechenland verbracht. Die Bilder von damals hatte ich noch im Kopf. Und genau so war es auch: schneeweiße Häuschen, dunkelblaue Fensterläden, hellblauer Himmel, Fischerboote. Abends ging ich in die Taverne und sprach dem Wein und den leckeren Speisen zu: Oktopus, Dorade, Jakobsmuscheln, Meeresfrüchte.
Was ich nicht bedacht hatte, war der Lärm. Schreiende Frauen schon am Morgen, brüllende Ehemänner, heulende Kinder. Ich floh in die Hügel hinter dem Dorf. Dort erschreckte ich die Tiere. Die Schafe blökten und die Hunde wurden aggressiv, wenn sie mich sahen. Abends das Spektakel der Stimmen in der Taverne. Ich verstand kein Wort, während ich alleine an meinem Tisch saß. Selbst nachts schrie gelegentlich jemand.
Das Leben eines Künstlers – zumal eines Lebenskünstlers, der nicht nur sein Leben der Kunst widmen, sondern aus seinem Leben Kunst machen oder Kunst zum Leben erwecken … na, Sie wissen schon – ist nicht so einfach, wie man denkt, und Wilmersdorf ist nicht so schlimm, wie es die oberflächlichen Vorurteile, die immer wieder von den sogenannten Mainstreammedien verbreitet werden, vermuten lassen.
Alice – Messaggio. https://www.youtube.com/watch?v=7EZRqQezR0E
Meine große Jugendliebe. Eigentlich ist das ihr größter Hit: https://www.youtube.com/watch?v=czA66jXjEVE
Obwohl es so losging: https://www.youtube.com/watch?v=Yv3wl1uadXI

Melancolie / Albert Gyorgy.