Freitag, 30. März 2018

Drei Entscheidungen

„Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ (Max Frisch)
Er sitzt an der Bar des Flughafens und trinkt seinen dritten Gin Tonic. Noch eine halbe Stunde bis zum Abflug. Neben dem Barhocker steht sein Aktenkoffer. Sein einziges Gepäck. Tagung in Köln. Ein Tag unter Fremden.
Wenn ich einfach nicht in den Flieger einsteige, sagt er sich. Wenn ich einfach hier bleibe und nicht nach Hause fahre. Wenn ich heute alles anders mache. Er bestellt sich einen Birnenschnaps, trinkt ihn auf ex und zahlt.
Sie wartet auf mich, denkt er. Sie wird anrufen und fragen, wo ich bleibe. Er wirft sein Handy in einen Mülleimer und verlässt den Flughafen. Er nimmt ein Taxi zurück in die Stadt und lässt sich zu einem Hotel fahren.
Er geht in ein Steakhaus und gönnt sich ein riesiges T-Bone-Steak mit Pommes frites. Er trinkt ein paar Gläser Bier und schlendert danach durch die Straßen. Abends liegt er auf dem Hotelbett und sieht einen Thriller im Fernsehen. Der Zimmerservice hat ihm eine Flasche Sekt im Eiskübel und ein Glas gebracht.
Am nächsten Morgen fliegt er zurück nach Berlin. Seinen Aktenkoffer hat er im Hotel gelassen. Von Tegel fährt er mit dem Taxi in die Nähe seines Hauses in Schmargendorf.
Vorsichtig biegt er um die Ecke in seine Straße. Es ist früh. Warum sollte seine Frau auf der Straße sein? Vom Bürgersteig blickt er durch das Fenster im Erdgeschoss ins Esszimmer. Da sitzt sie und frühstückt.
Wenn sie jetzt aufsteht und zum Fenster geht, komme ich ins Haus, denkt er. Dann geht das Leben weiter wie bisher. Es ist noch nicht zu spät. Er kann sich eine Geschichte ausdenken. Irgendetwas Harmloses. Er sieht ihr zehn Minuten zu. Dann geht er.
Wenn ich jetzt gehe, gehe ich für immer, denkt er. In ein paar Tagen werden sie im Büro unruhig. Wenn man ein paar Tage unentschuldigt fehlt, riskiert man seinen Job. Wenn ich mich nicht mehr melde, wird sich meine Frau von mir scheiden lassen, denkt er.
Er geht zu einer U-Bahn-Station in der Nähe und fährt in die Innenstadt. Der Ku’damm, der Breitscheidplatz – das alles ödet ihn unendlich an. Er fährt mit dem Taxi nach Tegel und beschließt, den erstbesten Flieger zu nehmen.
Ich habe zwanzigtausend Euro auf dem Privatkonto, von dem meine Frau nichts weiß, denkt er, als er in der Maschine nach London sitzt. Das Gemeinschaftskonto werde ich nicht anrühren. Mit diesem Geld fange ich neu an. London ist ein Drehkreuz. Ich habe alle Möglichkeiten.
Wo wird er neu anfangen? Er hat keine Ahnung. Er fängt an zu lachen.
The Human League - Things That Dreams Are Made Of. https://www.youtube.com/watch?v=ehYU6p3aIZQ

Der Wedding, irgendwann in der Vergangenheit.

Kommentare:

  1. Denn HEUTE = ALLES möglich:

    Mache-einen-Spaziergang-im-Park-Tag 2018
    30. März 2018 in der Welt

    https://www.youtube.com/watch?v=xaI3CFhORss

    *tja*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jeder nur ein Kreuz. So kommt man in den Himmel oder zur nächsten GroKo ;o)

      Löschen
  2. Mein Tip/nicht heiraten /nicht zeugen/Vasektomieren=absolute Freiheit auch in Sachen Sex.Kein Verkehrsunfall"ich habe die Pille vergessen".Dies sind auch 3 Entscheidungen des klugen Mannes.

    AntwortenLöschen
  3. Meine Partnerin und ich machen nächste Woche auch eine grosse Reise durch GB und IR.Müssen es ausnutzen solange London nicht überbevölkert ist durch diese vermehrungswütigen Blaublüter.

    AntwortenLöschen