Samstag, 31. März 2018

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BS 207
„Der Trick, dass man keinen Kater bekommt, besteht darin, nicht aufzuhören zu trinken.“ (Charlie Harper)
Feng Shui hat mir sehr geholfen. Es gibt zum Beispiel Farben, die Glück und Erfolg bringen, und Farben, die schlecht für uns sind. Fangen wir mit der Eingangstür an. Es kommt zunächst auf die Himmelsrichtung an, in der die Tür liegt. Bei mir ist es Nordosten. Gute Farben sind: Orange, Rot und Gelb. Schlecht sind Grün und Braun. Jetzt weiß ich, warum ich keinen Erfolg habe. Unsere Tür ist braun, weil sie aus Holz ist. Aber wer hat schon eine gelbe Tür? Im Feng Shui geht es um die fünf Elemente. Literatur und andere Künste werden durch das Element Wasser repräsentiert. Der entsprechende Raum sollte im Norden sein. Ich schaue nach Süden aus dem Fenster meines Arbeitszimmers. Verdammt! Hier fließt natürlich kein Chi.
Aber Feng Shui vermittelt auch die grundsätzliche Harmonie, die im Schreiben von Texten liegt. Das Prinzip des Weiblichen (Yin) wird durch die Farbe Schwarz symbolisiert, Yang, das Männliche, durch die Farbe Weiß. Die schwarzen Buchstaben bilden keinen Gegensatz zum weißen Hintergrund, sondern eine natürliche Einheit. Sie stehen miteinander in Verbindung und sind in einem Gleichgewicht, so wie Tag und Nacht. Im Norden des Textes sollten Substantive dominieren, gruppieren Sie die Adjektive im Westen und die Verben im Süden.
Amazon ist lustig. Wenn man Hitlers „Mein Kampf“ eingibt, kommen in der Rubrik „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“: „Das Kapital“ von Karl Marx, das kommunistische Manifest, „Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung“, „Der dreißigjährige Krieg“ von Peter Wilson, Bertolt Brecht, Hannah Arendt, Gregor Gysi und Stefan Aust mit seinem Baader-Meinhof-Komplex.
In einigen Tagen wechsele ich mal wieder die Kulisse. Ich vertausche das Hunsrückdorf mit der Hauptstadt. Die Menschen, die mich dort auf der Straße ansprechen, werden nicht fragen, wie es mir geht. Sie werden nur nach meinem Geld fragen. Als Verkäufer, als Spendensammler, als Bettler, als Zeitungsjunge in der U-Bahn. Ich habe eine Tüte mit Messingmünzen, die ich in die Innentasche meiner Jacke stecken werde. Dann lasse ich jedem Armen ein paar Münzen zukommen, bis die Tüte leer ist. Ich werde nach einem Monat zurückkommen und niemand wird gefragt haben, wie es mir geht. In Schweppenhausen werden ganz viele Menschen diese Frage stellen. Wenn ich dann wieder online bin, werde ich im Feuilleton kluge Texte über die Kälte und Aggressivität unserer Gesellschaft lesen.
„Der DHL man hat schon wieder nicht gecklingelt einfach Zettel vor die Tür geschmissen und ist wieder weg gefahren meinen mama war den ganzen Tag zuhause und hat den Zettel unten vor der komplett nas da es geregnet hat aufgefunden“ (Moritz, 25.3.2018 – irgendwo da draußen)
Wann hat das angefangen? Das Nationale ersetzt das Internationale, das Fernweh weicht dem Rückzug ins Private, die Familie rückt wieder ins Zentrum, nicht die Gesellschaft. Das kleine und allerkleinste Wir statt dem großen Wir. Welches Datum schreiben wir unseren Nachfahren in die Geschichtsbücher? War der Terror von 2001 der Wendepunkt, der nachfolgende Gegenterror, die Wirtschaftskrise 2008/09? Sicher ist, dass 1989/90 die Wende zur Globalisierung war. Bewegung, Gegenbewegung. Wann wird das Neo-Biedermeier zu Ende sein?
Aus juristischer Sicht war die christliche Religion gar nicht so übel. Gott sah alles, während die Aufklärungsquote der heutigen Polizei doch zu wünschen übrig lässt. Gott strafte auch alles und zwar unerbittlich. Fegefeuer, Höllenqualen! Die behaglichen Zustände in unseren Gefängnissen und die Bagatellisierung mancher Delikte haben im Vergleich keine abschreckende Wirkung. Die Furcht vor der Strafe des Herrn ersetzte ein Heer von Sozialarbeitern.
The Clash – London Calling. https://www.youtube.com/watch?v=EfK-WX2pa8c

Ein schwerer Fall von Symbolbild.

Kommentare:

  1. Erfolglos? Eine der schönsten Seiten des Internets, diese Oase der des Anstands mit einer Art sorglosen Ehrlichkeit gepaart mit der Würze eines ________ (hier bitte eine eigene Meinung einsetzen) ist erfolglos?

    Das nur weil es kein Geld abwirft welches man sowieso nicht braucht?

    Nur weil man nicht zum Radtourenschreiber mit Grundeigentümerideologie degeneriert ist weil es Klicks bringt? Oder zum rechten-/linken-/OppositionsNachDemMundRedner aus dem gleichen Grund?

    Das einzige was dem Betreiber fehlt ist mMn ein Hund oder ähnliches der ihn zu regelmäßigen Spaziergängen und aus einem leicht depressiven Bewegungsmangel treibt.
    Aber das ist auch nur eine Meinung.

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    1. Erfolglos? Das war Ironie. Bonetti Media ist eines der am schnellsten wachsenden Internetunternehmen in der Verbandsgemeinde Stromberg mit Fans in aller Welt.

      Geld brauche ich nur, um darin zu baden, denn dafür wurde es gemacht. Mein Dienstpersonal arbeitet in der Villa Bonetti unentgeltlich, wie es in Sekten üblich ist.

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  2. Aus drei Gründen habe ich vor ein paar Jahren mein Amazon-Konto gekündigt: Erstens wegen dem, was so über die Arbeitsbedingungen dort zu hören und zu lesen war, zweitens wegen der Kundenrezensionen und drittens, weil es mich bei "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch..." regelmäßig gegruselt hat. Gibt so Dinge, die braucht man einfach nicht.

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    1. Wenn ich ernsthaft über Arbeitsbedingungen nachdenken würde, wäre ich nackt. Die ganzen Klamotten werden unter würdelosen Bedingungen hergestellt.

      In einem Dorf, in dem es noch nicht mal Brötchen zu kaufen gibt, und ohne Auto ist das Internet für mich extrem wichtig. Bei Amazon nutze ich die Versandantiquariate, weil mich mein Lesehunger sonst ruinieren würde. Noch besser ist nur Ausleihen. Der neue Murakami z.B. kostet stolze 26 Ocken. Wenn eine Freundin, die es sich gekauft hat, es ausgelesen hat, kriege ich es.

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