Freitag, 23. Februar 2018

Eine Rose

„Die tiefste Wonne des Schenkens kann nur ein reifer Mensch auskosten, die tiefste Wonne des Beschenktwerdens nur ein Kind.“ (Paul Heyse)
Der Lebensgefährte meiner verstorbenen Mutter war kein Held. Er war ein liebenswerter Trottel und vermutlich genau der Typ Mann, den eine verblühte Putzfrau abkriegt. Er hat sich im Urlaub zum Beispiel mal die Schuhe putzen lassen. Aber er trug Ledersandalen mit weißen Socken. Die Socken konnte er natürlich wegschmeißen.
Trotzdem hatte dieser Mann, der sein fadenscheiniges Haar mit einiger Mühe über seine Halbglatze kämmte, auch eine romantische Ader. Auf einem Weinfest wollte er meiner Mutter eine Rose schießen. Immer wieder gab er dem Mann am Schießstand Geld, um weiter auf die Rose zu zielen, aber er schaffte es nicht. Am Ende fragte er den Standbesitzer resigniert, wieviel eine Rose kostet und kaufte ihm das alberne Stück Plastik ab. Meine Mutter bewahrte diesen scheinbar kläglichen Beweis seiner Liebe dennoch bis zu ihrem Tod an einem Ehrenplatz in ihrer Küche auf.
Gerade in ihrem Scheitern sind mir die Menschen sympathisch. Vielleicht sind es nur solche Momente, die uns tatsächlich menschlich erscheinen lassen. Die zwangsoptimierte Medienbrut wirkt dagegen wie von einem anderen Stern.
Renato Carosone - Tu Vuò Fa' L'Americano. https://www.youtube.com/watch?v=30HsgKTkQ68