Donnerstag, 18. Januar 2018

Über Geschlechtsteile

„Wer seine Kräfte für die Förderung des Weltfriedens einsetzen will, der verstehe, dass dieses Ziel am schnellsten durch das Frauenwahlrecht erreicht wird. Denn mit einem Parlament, das zum Teil aufgrund der Stimmen von Frauen zusammengestellt ist, wird der Staatshaushalt nicht mehr mit einer jährlich steigenden Anzahl von Millionen für Kriegsmaterial und den Heeresunterhalt belastet werden können.“ (Aletta H. Jacobs, 1899)
Als ich noch jung war, gab es endlose sozialwissenschaftliche Debatten um die „Humanisierung der Arbeitswelt“, es gab von der damaligen SPD-geführten Regierung auch ein „Forschungsprogramm zur Humanisierung des Arbeitslebens“ (1974-1989), das in der Ära Kohl auslief. Als Wissenschaftler habe ich es selbst viele Jahre erlebt und etliche Tagungsteilnehmer mit meinen Analysen und Verbesserungsvorschlägen gelangweilt. In dieser Zeit haben Maschinen und Computer die Arbeit verändert, aber nicht Diskussionen und Forschungsprojekte.
Daran muss ich denken, wenn ich jetzt immer wieder höre, dass weibliche Führungskräfte die Welt der Arbeit verändern und „menschlicher“ machen werden. Ich glaube nicht, dass Frauen etwas an den Produktionsmethoden und Profitinteressen von Konzernen und ihren Aktionären ändern können. Auch weibliche Führungskräfte werden an ihren Erfolgen im internationalen Wettbewerb gemessen, auch weibliche Aktionäre wollen Dividenden und steigende Aktienkurse.
Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist von Männern erfunden worden und wurde in den letzten Jahrtausenden ausschließlich von Männern geprägt. Männliche Eigenschaften bilden den genetischen Code der Ökonomie. Es geht um Konkurrenzkampf, Hackordnungen und Revierkämpfe, weniger um Sensibilität oder „soft skills“ (ein sehr verräterischer Ausdruck, sie rangieren in den Anforderungen, die in Stellenanzeigen formuliert werden, immer am Ende).
Was ist mit den Eigenschaften, die typischerweise Frauen zugeschrieben werden? Kommunikationsfähigkeit zum Beispiel. In Zeiten der Digitalisierung wird sie vielleicht weniger wichtig sein, als wir glauben. Sozialkompetenz gegenüber Kindern und Kranken? Wird im Pflege- und Bildungsbereich einfach nur schamlos ausgebeutet. Fehlende Härte im Konkurrenzkampf, z.B. Mitgefühl oder die Fähigkeit zum Kompromiss, wird im Kapitalismus als Nachteil gesehen.
Es wird nichts bringen, die Führungskräfte allein nach der Beschaffenheit ihrer Geschlechtsteile zu bewerten. Möse gut, Schwanz schlecht – eine primitivere Ideologie kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Dagegen wirkt der Neoliberalismus wie ein Aggregat intellektueller Höchstleistungen. Als ob der Kapitalismus seine inneren Funktionsmechanismen verändert, wenn die Zahl der Penisse im Management sinkt.

Das ist einfach nur die nächste Lebenslüge, die sich über Jahrzehnte wie ein Nebelschleier über die soziale Spaltung der Welt legen wird. Am Frauenwesen soll die Welt genesen? Geh du voran, Prinzessin Vulva! Führe uns ins Licht, kleiner Kitzler! Vergessen wir es einfach. Hoffentlich steigt wenigstens der Frauenanteil bei den Millionären.
„Der Kapitalismus wird nicht weiblicher, die Frauen werden kapitalistischer.“ (Lupo Laminetti)
Captain Sensible - Wot! https://www.youtube.com/watch?v=fj04rzn-Cxs

1 Kommentar:

  1. Habe doch tatsächlich "Geschlechtsteile" im Titel gelesen
    und wollte Gleichstellungsmerkmale oder ähnliches gelesen haben... k o m i s c h (ړײ)

    AntwortenLöschen