Dienstag, 16. Januar 2018

Take the money and run

„O! der ist aus dem Himmel schon gefallen, / Der an der Stunden Wechsel denken muss! / Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.“ (Friedrich Schiller)
Mancher treudoofe Kapitalismuskritiker träumt ja immer noch von der finalen Krise des „Systems“ – mit letalem Ausgang. Eins der Lieblingsargumente ist dabei der riesige Schuldenberg der Staaten, Unternehmen und Privatleute. Geht dem Kapitalismus das Kapital aus? Gegenfrage: Geht der Sahara der Sand aus?
Früher liehen sich die Könige Geld für Schlösser, Feldzüge oder einfach nur ihr Lotterleben. Wenn die Bankiers es zurück wollten, wurden sie vom Hof gejagt oder geköpft. Oder der König starb und die Schulden wurden gestrichen. Niemand muss die Schulden seiner Vorfahren begleichen, er kann eine solche Erbschaft auch ausschlagen. Das ist bis heute die schillernde Zierde unseres Erbrechts. Warum sollten mächtige Staaten wie die USA ihre Schulden jemals zurückzahlen? Ein Gläubiger käme doch noch nicht mal ins Weiße Haus. Vom Rasen würde er ins Oval Office hinaufrufen: „Ich will mein Geld zurück.“ Trump würde ihn auslachen. Und wenn er nicht gleich wieder verschwindet, würde er auf ihn schießen lassen.
Nein, das Geld wird nie knapp. Man kann täglich neue Schuldscheine ausgeben oder munter Bargeld drucken, so viel man möchte. Kredite, die nicht zurückgezahlt werden, nennt man „toxisch“ und lagert sie in den Müllkippen der modernen Ökonomie, den Bad Banks. Im Kleinen geht es genauso: Eine Bank leiht einem spielsüchtigen Alkoholiker dreitausend Euro, der Typ bringt die Kohle in einem Monat durch und stirbt dann an Leberzirrhose. Davon geht die Welt nicht unter. Die Bank hat mit dem Kredit das Geld neu geschaffen, jetzt ist es wieder weg. Falls es die Bank mit der Vergabe fauler Kredite übertreibt und in die Pleite rutscht, wird sie von Vati Staat gerettet.
So geht es ad infinitum weiter. Geld kommt, Geld geht. Von Amerikanern lernen heißt siegen lernen. Alles auf Pump kaufen, nicht an morgen denken und Spaß haben. Wer miesepetrig in der Ecke hockt und auf das Ende der Welt wartet, verpasst das Beste. Das weiß sogar ein kleiner Off-Broadway-Blogger wie ich. Und wenn uns die Scheiße doch mal um die Ohren fliegt, denken Sie immer daran: Reiche können kein Blut sehen. Sie sind dann schon in Florida.

P.S.: Sie können Ihr Geld ausgeben, wie sie wollen. Sie können es zum sympathischen Möhrenzüchter im Nachbardorf bringen anstatt in den Supermarkt, Sie können Ihrer Freundin den selbstgestrickten Schal abkaufen anstatt in die Mall zu fahren – letzten Endes landet das Geld doch wieder bei einer Handvoll Großkonzernen und Milliardären. Es ist ein geschlossener Kreislauf und Sie sind nur ein rotes Blutkörperchen (suchen Sie sich die Farbe aus), das sich die Welt außerhalb dieses Organismus gar nicht vorstellen kann. Der Möhrenjupp braucht ein neues Auto. Das bekommt er nur von einem Konzern. Es gibt keine lustigen Freaks, die Autos konstruieren. Die Strickliesl braucht Zahnpasta und Waschmittel. Das bekommt sie nur von einem Konzern. Es gibt keine ulkige Schulfreundin, die ihre eigene Zahnpasta herstellt. Letzten Endes, egal wie oft man über Bande spielt, landet die Kohle in den Händen weniger Leute, denen es immer gut gegangen ist und die den Konkurrenzkampf nur als Theaterstück für ihre neoliberale Glaubensgemeinschaft aufführen.
Bob Marley – Jammin. https://www.youtube.com/watch?v=oFRbZJXjWIA

Quelle: Duck Porn

4 Kommentare:

  1. https://www.youtube.com/watch?v=L3HQMbQAWRc *singUNDträller*

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  2. Schöne Aussichten.
    Nur einem armen Hund wird keiner Geld leihen.
    Und ein halb armer Hund, der sich Geld geliehen hat und es nicht abzahlen kann,
    der wird zum armen Hund gemacht.
    Wie soll man also leben mit geliehenem Geld, und ohne zu arbeiten ? Also körperlich.
    Nun, indem man sehr viel Geld ausleiht.
    So mehrere Mio.
    Siehe Trump.
    Und mit diesem Geld irgend etwas großes baut.
    Etwas unnötiges.
    Ein 5 Sterne Haus in der russischen Steppe.
    Ohne Zufahrtsstraßen oder anderweitige Anbindung.
    Helikopterlandeplatz reicht.
    He, je länger ich darüber nachdenke.........

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  3. Gegen wen hast Du dieses Sahnestück geschrieben? Kenn ich die auch?

    Und für wen hast Du es geschrieben?

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  4. Ich habe es für die Leute geschrieben, die praktisch täglich den Untergang des kapitalistischen Systems erwarten. Im Internet gibt es viele davon, im persönlichen Leben kenne ich keinen einzigen (mehr).

    Selbstgestricktes nehme ich seit dem Tod meiner Großmütter nicht mehr entgegen. Gemüse kaufe ich nicht, das ist höchstens Gegenstand meines literarischen Schaffens.

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