Sonntag, 14. Januar 2018

Let’s talk about vegs

https://www.youtube.com/watch?v=0y7QhnjyDXU
Wie viele Salatgurken wurden schon von Frauen sexuell missbraucht und lagen anschließend geschändet in einem dunklen Gemüsefach? Wie viele Möhren wurden von Männern auf unbeschreibliche und grausame Weise gedemütigt und achtlos liegengelassen? Darüber spricht niemand. Die Geschichte des Gemüses ist eine Geschichte der Ausbeutung und der Sklaverei, der Gewalt und der Erniedrigung. Der stumme Schrei der pflanzlichen Kreatur – ich habe ihn zuerst gehört.
Aber wo sollte ich bei meinen Forschungen zur Emanzipation des Gemüses beginnen? Ich beschloss, meine gentechnischen Experimente mit dem Blumenkohl zu beginnen, da er wie ein Gehirn aussieht und insgesamt einen sehr intelligenten Eindruck auf mich machte. Die Anfänge waren nicht sehr ermutigend. Der Blumenkohl reagierte weder auf Lyrik noch auf Musik, weder auf Streicheleinheiten noch auf Pantomime. Aber er reagierte auf Licht und auf Wasser. Das war der Anfang.
Nennenswerte Fortschritte machte ich erst, als ich Affen-DNS in die Blumenkohlchromosomen integrierte. Hirnzellen, Muskelzellen, Nervenbahnen. Bald konnte mein Blumenkohl sich bewegen und selbständig den Platz im Labor wählen, an dem gerade die Sonne hereinschien. Drei Jahre später sprach der Blumenkohl seine ersten Worte. „Mehr Licht“ – wie weiland Goethe. Ich hätte vor Rührung fast geweint. Und dann der erste Blick aus seinen grünen Augen. Den ersten sprechenden Kohl taufte ich auf den Namen „Helmut“.
***
Hunderte Jahre später landet ein Raumschiff auf der Erde. Blumenkohl beherrscht die Welt. Die Menschen leben in dunklen Kühlschrankfächern oder liegen einfach im Supermarkt herum. Eigentlich hat sich ihr Leben nicht verändert.
Charlton Heston krepelt irgendwo am Strand rum, keine Ahnung, wieso, wahrscheinlich, weil ihm der Regisseur (der unsägliche Bonetti bei einer seiner Fließbanddreharbeiten für Mettflix in Süd-Kalkutta) den Befehl gegeben hat. Aus dem Rindenmulch einer Kohlplantage ragt die Quadriga. Irgendwo unten drunter war mal Berlin, vastehste?!
„Ich hab’s geahnt. Ich bin zu Hause. Ich bin wieder auf der Erde. Die ganze Zeit war ich auf der Erde. Doch ihr Menschen habt sie unkenntlich gemacht. Ihr Wahnsinnigen! Ihr habt die Erde in die Luft gesprengt. Ich verfluche euch! Ich verfluche euch alle.“
Cucumba Remix feat. Macka B. https://www.youtube.com/watch?v=YhL3PpFE2RQ
Dieser Text ist ein Beitrag zur Blogaktion des fabelhaften Ackerboys.
http://ackerbaupankow.blogspot.de/

Bonettis Lehrmeister im Satzbau ich gewesen bin.