Donnerstag, 25. Januar 2018

Der Untergang des römischen Imperiums

„Ich habe Worte wie Heu, doch wer glaubt heute noch einem reichen Mann.“ (Max Goldt)
Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem das römische Imperium untergegangen ist. Es war an einem Sonntag und ich saß gerade an meinem Schreibtisch.
Am nächsten Morgen wollte ich einkaufen gehen. Ich überlegte, was ich alles brauchen würde. Wenn ich die Liste mache, habe ich bestimmte Prinzipien. Dinge, die ich sowieso immer brauche wie Brot oder Joghurt, kommen nicht auf den Einkaufszettel. Ich schreibe nur die Sachen auf, die ich selten kaufe oder die ich leicht vergesse wie zum Beispiel Zahnpasta.
Ganz oben auf meiner Liste standen Pilze. In Scheiben geschnittene Champignons aus der Dose. Nichts Besonderes, aber ich hatte sie beim Kochen vermisst. Wenn ich eine Hackfleischpfanne mache, habe ich gerne Zwiebeln, Knoblauch und Pilze dabei. Manchmal auch Mais. Aber die Pilze durfte ich auf keinen Fall vergessen. Wenn ich etwas nicht mehr im Haus habe, auch wenn ich es nur gelegentlich esse, entwickele ich garantiert in kürzester Zeit einen barbarischen Heißhunger auf genau diese eine Sache.
Dann wollte ich eine Dose Makrelen kaufen. Eigentlich mache ich mir nicht viel aus Fisch, aber ich finde es gut, eine kleine Dose Fisch zu Hause zu haben, falls ich doch einmal Appetit auf Fisch habe, was allerdings höchstens ein oder zwei Mal im Jahr der Fall ist. Außerdem hatte mir ein Freund eine neue Sorte Tiefkühlpizza empfohlen, also schrieb ich auch sie auf meinen Einkaufszettel. Dazu ein Stück Gruyère, denn ohne eine großzügig bemessene Extraportion Käse taugt die beste Pizza nichts.
Dann hörte ich es im Radio. In den Fünfzehn-Uhr-Nachrichten. Das römische Imperium war gerade untergegangen. Nach so langer Zeit. Peng! Einfach untergegangen. Ich war wie betäubt und legte den Stift auf meinen Schreibtisch.
Langsam stand ich auf und ging zur Balkontür. Ich öffnete sie und trat hinaus.
Tatsächlich. Da, wo früher einmal das römische Reich gewesen war, konnte ich nichts mehr sehen. Alles weg. Verschwunden. Diesen Moment habe ich bis heute nicht vergessen.
Freddy Quinn - Brennend heißer Wüstensand. https://www.youtube.com/watch?v=8LVpw3StkvY

Angela Merkels Silvesteransprache, betrachtet durch das Monstermaul auf einem kleinen Plastikeimer mit Snack-Tomaten aus Marokko, die in Holland für Rewe verpackt wurden.

1 Kommentar:

  1. Chapeau, die Banalitäten des Tagesablaufs vom "kleinen Mann" im Kontext zu den "weltbewegenden politischen Ereignissen" betrachtet. Hat was!

    Aber Du irrst, es war um 13:00 Uhr, ich weiss es genau, denn dann werfe ich immer die erste leere Flasche Doppelkorn des Tages aus dem Fenster in den Hinterhof!

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