Montag, 29. Januar 2018

Das marxistische Dschungelcamp

Die RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ ist das perfekte Spiegelbild unserer Gesellschaft. Eine Gruppe von lohnabhängigen Knechten und Mägden bekommt über Lautsprecheransagen („Dschungeltelefon“), schriftliche Mitteilungen („Schatzsuche“) oder Boten (Moderatoren) Arbeitsanweisungen des Konzerns, mieses Essen und eine beschissene Unterkunft – kurz: das Existenzminimum.
Sie werden gequält und gedemütigt, sie müssen in Kakerlaken baden oder mit Schweinesperma im Mund Schlager gurgeln, die ihre Mitspieler für zusätzliche Essensrationen erkennen müssen. Sie werden behandelt wie Dreck, aber sie wehren sich nicht. Dr. Mengele hätte die Sendung sicher gemocht.
Dabei wäre die Antwort so einfach. Sie rufen gemeinsam „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Oder nacheinander. „Ich bin Spartacus“. Was macht RTL dann? Alle Stars verlassen das Camp gemeinsam, die Show ist vorbei, der Skandal wäre gigantisch. Die Mägde und Knechte übernehmen die Macht. Sie bestimmen das Handeln, sie befreien sich.
Das ginge natürlich nicht. Also würde RTL mit den Spielern verhandeln. Wären sie solidarisch, könnten sie bessere Bedingungen im Camp ausmachen und ihre Würde wiedergewinnen.
Würde. Ein großes Wort. Natürlich wird es nie geschehen. Und falls es je geschieht, wird es nicht gesendet.