Mittwoch, 24. Januar 2018

Das Bonetti-Evangelium


Blogstuff 189
„Es lag ihm nichts daran in einer Zeit, wo alles schwankte, etwas aufzubauen, das in kurzer Zeit wieder zusammenstürzen musste. (…) Überstehen war alles, bis irgendwo wieder ein Ziel sichtbar wurde. (…) Ameisenhaft immer wieder in einem zusammenbrechenden Jahrhundert eine bürgerliche Existenz aufbauen zu wollen – das war etwas, woran er viele hatte scheitern sehen. Es war rührend, heroisch und lächerlich in einem – und nutzlos. (…) Wenn viel marschiert wurde, musste man leichtes Gepäck haben.“ (Erich Maria Remarque: Arc de Triomphe)
Gibt es eigentlich in Deutschland Intellektuelle als Vorbilder und Leitfiguren? Woran orientieren sich die Menschen, wenn sie für einen kurzen Augenblick von ihren Kontoauszügen und Fernsehzeitschriften aufblicken? Sind es wirklich nur diese unsäglichen Glücksbücher und die anderen Ratgeber zur Selbstoptimierung?
Bilder, Szenen, Botschaften. Warten, bis es sich verdichtet. Der kurze, glückliche Moment des Schreibens.
Korea. Die meisten gecrackten Filme, die ich sehe, haben koreanische Untertitel. Ein Zeichen?
Die Österreicher, bekannt für ihren gusseisernen Humor, können über folgende Themen lange und angestrengt lachen: Abkürzungen, Männer in Frauenkleidern, Preise in Schilling und Sozialdemokratie.

Ich habe den SPIEGEL aus meiner Geburtswoche zu Hause. Was war Anfang August 1966 los? Aus dem „Hohlspiegel“: „Auf die Frage ‚Welche bösen Menschen musst du als Jungpionier hassen?‘ nannten von 42 Schülern aus der zweiten und dritten Klasse einer Potsdamer Volksschule 38 ‚Amerikaner in Südvietnam‘, 31 ‚Räuber, Mörder, Diebe‘, 23 ‚Arbeiterverräter‘ (…) und sieben ‚Adenauer, Lübke, Strauß‘.“
Auch schön: „Der Lütticher Elektronik-Ingenieur Jean Geebelen ließ sich ein (…) ‚Müdigkeitskontroll-Armband‘ für Autofahrer patentieren, das physiologische Veränderungen (…) seines Trägers registrieren kann. Es ist mit dem Motor verbunden und kann im Falle einer Fahruntüchtigkeit den Wagen selbständig anhalten.“ So viel weiter sind wir heute gar nicht.
333 v.Chr.: Die Soldat*innen Alexanders des Großen schlagen die Perser*innen in der Schlacht bei Issos. Wieder was gelernt.
Der Magdeburger Politikwissenschaftler Thomas Kliche attestiert den Deutschen „kollektive Bequemlichkeitsverblödung.“ Wir brauchen dringend die nächste Rezession, besser noch eine Weltwirtschaftskrise, einen teutonischen Erdogan oder wenigstens eine Seuche.
Früher hieß es: „Die Straße gehört uns“. Schon richtig. Aber die Häuser links und rechts gehören den Reichen.
US-Wahlkampf 2020: Donald Trump gegen Oprah Winfrey. Das ist so, als ob bei uns Uli Hoeneß und Günter Jauch ums Kanzleramt kämpfen würden.
Ist es Ihnen schon mal aufgefallen? Seit alle nach unten auf ihr Smartphone starren, gibt es keine Werbebanner mehr, die von Kleinflugzeugen über den Himmel gezogen werden.
Seenplatte, Wurstplatte, Festplatte.
Es gab früher mal den lustigen Ausdruck „abschalten“, wenn es um den Feierabend oder das Wochenende ging. Auf diese Idee kommt der Mensch im 21. Jahrhundert gar nicht mehr. Wer off ist, ist out.
Der Kühlschrank brummt. „Entschuldigung, da muss ich mal ran“. Schon habe ich mir einen Schinkenknacker zwischen die Zähne geschoben wie mein Opa die Zigarre.
La Dispute - Such Small Hands. https://www.youtube.com/watch?v=4n3lJNHCmr4