Sonntag, 17. Dezember 2017

Ich habe einen Traum

„(Er) war so unbedeutend, dass man sich förmlich in seiner Gegenwart allein fühlte.“ (Franz Kafka: Elf Söhne)
Der Markt regelt alles gleichsam naturwüchsig. Ohne Eingriffe von außen kann sich die Marktwirtschaft am besten entwickeln. Also stelle ich, Christian Lindner, mir die folgenden Fragen: Wozu brauchen wir eigentlich noch Staaten? Warum zahlen wir Milliarden an Steuern und Abgaben? Reichen nicht Angebot und Nachfrage, reichen nicht die Unternehmen, die beides in Einklang bringen? Stellen Sie sich eine Welt vor, in der es keine Staaten, keine Kriege und keine Religionen mehr gäbe! Nur noch das Streben nach Glück – in Frieden und Freiheit. Ich stelle es mir so vor:
In der Zukunft haben Konzerne eigene Territorien, für die sie verantwortlich sind. Auf diesem Gebiet stehen ihre Produktionsanlagen, die Wohnhäuser ihrer Angestellten und sämtliche Infrastruktureinrichtungen, die benötigt werden: Schulen, Krankenhäuser, Einkaufszentren, Freizeiteinrichtungen usw. Jeder Mitarbeiter hat eine firmeneigene Kreditkarte, seine Familienmitglieder haben Familienkarten. Mit diesen Karten kann man sich alles kaufen, was man braucht. Die Verrechnungseinheiten werden automatisch vom Konto abgebucht. Hat man sein Konto überzogen, wird man zum Gespräch mit einem Konsumberater gebeten. Es gehört zur Philosophie der Beschäftigten, wirklich nur das zu kaufen, was man braucht. Wer plötzlich drei Waschmaschinen bestellt, bekommt Besuch von Mitarbeitern des Konzerns, die einen höflichen Blick in die Wohnung werfen. Wer zu viel Lebensmittel oder Alkohol kauft, darf sich mit einem Gesundheitsberater treffen. Ohnehin werden alle Bewohner der Konzernwelten regelmäßig auf ihre Gesundheit untersucht.
Die Konzernwelten tragen den Namen ihres Konzerns. In Bayern gibt es „BMW“ und „Siemens“, am Niederrhein gibt es „Bayer“ und in Frankfurt „Deutsche Bank“. Das frühere Südkorea wird in großen Teilen von „Samsung“ eingenommen, in Kalifornien gibt es „Facebook“ und „Microsoft“. In „Samsung“ und vielen anderen Welten macht der Konzern alles, bei „Facebook“ dürfen Leute auch kleine Geschäfte, Bars und Fitnessstudios auf eigene Rechnung eröffnen. Die Konzerne haben sich von Staaten entkoppelt, da sie mit Geld viel effektiver umgehen. Schon 2017 verfolgten die Staaten „Steuerhinterziehung“ der Konzerne gar nicht mehr, weil sie es im Grunde selbst wussten.
Zwischen den Welten, die gut bewacht sind, liegen die Badlands, die offiziell Free Territories heißen. Hier leben die Arbeitslosen, Kriminellen, Behinderten und Alten, die keinen Platz mehr in den Konzernwelten haben. Wer sich in den Konzernwelten nicht regelkonform verhält, muss damit rechnen, in die Badlands gebracht zu werden. Der Güterverkehr zwischen den Welten läuft über gut bewachte Straßen, auf denen automatisierte Trucks unterwegs sind. Reisen zwischen den Welten werden per Flugzeug gemacht. Urlaubsreisen führen in spezielle Welten, z.B. TUI-Land, zu dem die Balearen und die Kanarischen Inseln gehören.
Polizei und Militär wurden von den Konzernen abgeworben und arbeiten jetzt in den jeweiligen Sicherheitsdiensten. Waffen werden bei den Rüstungskonzernen bestellt, die ebenfalls eigene Welten haben. Wichtige Absprachen werden in der UWE (United Worlds of the Earth) in „Trumpland“, vormals New York City, getroffen.
Aus den siamesischen Zwillingen Staat und Ökonomie ist eine vollkommene Einheit geworden. Die Menschen bekommen endlich Bevormundung und Ausbeutung, äh … Entschuldigung: Sicherheit und Versorgung aus einer Hand. Eine Welt ohne Verbrechen und Arbeitslosigkeit, ohne Hunger und ohne Sorgen.
Richard Wagner - Tannhäuser Ouvertüre. https://www.youtube.com/watch?v=SRmCEGHt-Qk

Kommentare:

  1. WAS wird nur - überall - auf den BLOGS nur so herum geträumt... staun (ړײ) ???

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht ... die kommen doch erst noch, ab dem 25.12. !!!

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  2. v. Hayek und Friedman haben völlig Recht.

    Einige Korrekturen und ich bin mir sicher, dann klappt es noch besser.

    Schulen, Krankenhäuser, Einkaufszentren. Plural: das bedeutet zu hohe Verwaltungskosten.
    Singular tut es auch.

    Zumal eine marktradikale Eliteschule für die Bratzen der Aktionäre, Vorstände und Aufsichtsräte völlig ausreicht. Der Rest muss nicht unbedingt lesen, schreiben, rechnen.
    Es gibt youtube und tagesschau. Verträge können mit einem Fingerabdruck geschlossen werden.
    Obwohl man Verträge gar nicht mehr braucht, der Konzern/Markt hat immer Recht und das letzte Wort. Deshalb wird auch die Justiz eingespart.

    Kranke, Kränkelnde kommen in die "Badlands". Ausgezeichnete Idee übrigens, das mit den Badlands.

    Ein Gesundheitszentrum für Aktionäre, Vorstände, Aufsichtsräte, deren Familien wird reichen, vom Allerfeinsten und man bleibt unter sich.

    Einkaufszentren nein, alles wird bei Amazon bestellt und per Drohne geliefert.

    Freizeiteinrichtungen? Es gibt keine Freizeit für Lohnabhängige. Es gibt Arbeitszeit und Schlafenszeit. Abfütterungen finden im Betrieb, unter Aufsicht statt und wird von der Schlafenszeit abgezogen.

    Bars, Restaurants und Edelbordelle (Freizeit) können nur für Aktionäre, Vorstände und Aufsichtsräte zur Verfügung stehen, diese hart arbeitenden Leistungsträger haben sich das redlich verdient.

    Ein Kritikpunkt bleibt: In der Zeichnung ist kein Puff zu finden.
    Zefix no amoal, muss i wida rüba no di Schächn.

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    1. Von einer so unmenschlichen Welt würde ein FDP-Vorsitzender nie träumen ;o)

      Dieser Traum hat übrigens einen entscheidenden Haken: Man braucht keine Politiker mehr. Deswegen wird diese Erzählung wohl ein Traum bleiben ...

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