Samstag, 2. Dezember 2017

Bizarre Raritäten aus der Schatzkammer des Teufels

„Was sollen denn die Nachbarn denken?“ Der Klassiker aller Fragen. Hier ein paar Anregungen:

Blogstuff 173
„Seine Kurzgeschichten waren manieriert und banal, und es war ihm recht, dass sie in obskuren Zeitschriften mit niedriger Auflage erschienen. Seine Gedichte, das schwante ihm, waren einfach grauenhaft, deshalb bot er sie wenig gelesenen Zeitschriften in Praetoria und auf der Insel Wight an, auch englischsprachigen Universitätsblättchen in Beirut, Spanien und Teheran. Er unterhielt sich über seine Gedichte vorsichtshalber nur mit Leuten, die sie nie gelesen hatten. (…) Seinen Roman, mit dem er beinahe drei Jahre hindurch immer wieder gekämpft hatte, gab er endlich nach Seite eins auf.“ (Joseph Heller: Gut wie Gold)
Wenn Nichts-Tun eine olympische Disziplin wäre … Ich bin der Usain Bolt der Untätigkeit.
Jetzt sagen Sie es mir doch mal: Lebensmittelvorräte gibt’s. Aber Biervorräte?
Nur wenige Meter vom Büro des Problempolitikers Andreas Geisel entfernt, in der Dönhoffstraße in Berlin-Karlshorst, liegt das Lokal „Böhmischer Garten“. Eine alte Frau ist hier zugleich Köchin, Kellnerin und Entertainerin. Es gibt tschechisches Bier vom Fass und das Rindsgulasch mit Knedlik ist ausgezeichnet – und endlich auch mal richtig scharf. Am Nachbartisch ein junges Paar mit zwei kleinen Kindern. Zum etwa vierjährigen Sohn sagt die Wirtin, ganz die Pädagogik meiner Großmutter, er solle das Spielzeug weglegen, jetzt werde gegessen. Als er seinen Teller aufisst, lobt sie ihn und er darf sich aus einer Schale eine Süßigkeit aussuchen. Der jüngere Sohn, etwa ein Jahr alt, steht minutenlang direkt vor mir und sieht mir erstaunt beim Essen und Trinken zu. Ich fühle mich wie eine Jahrmarktsattraktion. Da ich meinen Teller auch aufesse, bekomme ich einen Schnaps aufs Haus. Als ich einen Becherovka in Auftrag gebe, rollt sie nur mit den Augen. Kein Tscheche würde dieses Zeug anrühren. Auf meine Nachfrage sagt sie, die Tschechen würden alles Mögliche trinken, Rum, Wodka oder Whisky, aber nicht diesen angeblich landestypischen Kräuterschnaps.
Ein langgehegter Wunsch: Frank Plasberg oder Maybrit Illner stellen in ihrer Talkshow Fragen, aber keiner der eingeladenen Gäste antwortet. Eine Stunde Schweigen. Darüber würde man am nächsten Tag reden.
Apropos Talkshow: Wird Häuptling Doppelskalp aka Wolfgang Bosbach weitermachen?
Hätten Sie’s gewusst? Das Wort Determinativkompositum ist selbst ein Determinativkompositum. Weitere Beispiele: Rindfleisch, Schweinefleisch, Hühnerfleisch.
Warum beteiligen wir uns so gerne an der aktuellen Sexismus-Debatte? Weil eine einzige Anschuldigung reicht, um kollektiv „Rübe runter“ zu schreien. Wozu warten, bis ein Opfer Strafanzeige gestellt hat, bis Beweismittel und Zeugenaussagen geprüft wurden, bis ein Gericht ein Urteil gefällt hat? Warum werden die mutmaßlichen Straftäter nur öffentlich angeklagt, aber nicht vor Gericht? Weil wir – wie Alice Schwarzer bei der öffentlichen Hinrichtung Jörg Kachelmanns in der BILD-Zeitung – jetzt schon alles besser wissen als jeder Jurist oder Experte. Warum warten? Werfen wir ein Seil über den nächsten Baum! Das ist menschlich im fürchterlichsten Sinne des Wortes. Wir sind erbarmungslos in unserem Hass und zugleich janusköpfig: wir können die Rolle des Gejagten und des Jägers in einem günstigem Moment sofort wechseln.
Der junge Mann ist keine dreißig Jahre alt. Er trägt dunkelblaue Klamotten und einen Rucksack. Er ist obdachlos und ich habe ihn einige Male auf der U9 erlebt. Schon auf dem Bahnsteig ist ein Radius von zwanzig Metern um ihn herum wie leergefegt. Ich weiß nicht, wie lange er sich schon nicht mehr gewaschen und nicht mehr die Kleider gewechselt hat. Es ist ein bestialischer Gestank, wie ich ihn noch nie erlebt habe – und ich habe üble Schweineställe betreten und im Zivildienst Leichen gewaschen. Ein Tier, selbst ein totes Tier, kann nicht so stinken wie dieser Mensch (übrigens kein Migrant). Ich steige in die U-Bahn, er betritt sie einen Wagen weiter. Eine Station später kommen die Menschen aus dem Nachbarwagen in panischer Flucht in meinen Wagen. Sie schütteln den Kopf und reiben sich die Nase, als ob sie auf diese Weise den Pesthauch wieder loswerden könnten. Ich habe ihn einmal aus der Nähe erlebt. Der Gestank legt sich augenblicklich auf die Schleimhäute und alles in mir schreit: Weg von hier!
„Alles, was dir widerfährt, das erleide, und übe Geduld, denn Gold und Silber werden im Feuer erprobt, jene aber, so Gott gefallen, im Schmelzofen der Erniedrigung.“ (Flann O’Brien: In Schwimmen-Zwei-Vögel)
Everlast - What It's Like. https://www.youtube.com/watch?v=VFNkU7UnzTU

Der neue Adventskalender – natürlich vegan  und ohne Advent.

6 Kommentare:

  1. Eine Weile stieg jeden Montag ein Typ in den Bus, der an sich gar nicht so unsympathisch rüberkam, aber eine Fahne kalter Scheiße hinter sich her zog. Er stank so sehr, dass ich schon fluchte, wenn der Bus nur die Haltestelle ansteuerte und ich ihn dort stehen sah, bereit einzusteigen. Manchmal stieg ich schnell in der Mitte aus, wenn er vorn beim Fahrer sein Sozialticket vorzeigte, und wartete draußen 15 Minuten auf den nächsten Bus. Er ist tot.

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    1. Was sind 15 Minuten gegen ein lebenslanges olfaktorisches Trauma?

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    2. Ja schon, aber JEDEN MONTAG 15 Minuten!

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  2. Das steht in In-Schwimmen-Zwei-Vögel? (Bin zu faul, meine Ausgabe durchzublättern.)

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    1. Zumindest steht es in meiner Ausgabe. Habe es im Oktober mal wieder gelesen.

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  3. Zur Sexismus-Debatte - leicht off-topic: Ich habe mir gestern "Bad Lieutenant" von Abel Ferrara angesehen, mehr als zwanzig Jahre nach der letzten Sichtung auf VHS. Die unangenehmste Szene - dieses ohnehin wenig fröhlich stimmenden Films - erfolgt recht früh im ersten Drittel. Harvey Keitel in der Titelrolle zwingt - nach einer Verkehrskontrolle - zwei minderjährige Teenager dazu vor ihm oralen Sex zu simulieren, während er dazu masturbiert. Die Szene dauert real etwas über zwei Minuten, aber gefühlt mindestens drei Stunden. Und diese in jedem Masse erbärmliche Tätigkeit soll für Männer wie Harvey Weinstein oder Louis Ck die bevorzugte Form der sexuellen Befriedigung gewesen sein? Die Verbindung dieser Szene mit den entsprechenden Nachrichten wurde zu einem weiteren Schlag - dieses ohnehin sehr runterziehenden Films - gegen meinen Optimismus, was das Weiterbestehen der Menschheit angeht.

    https://www.liveleak.com/view?i=5bd_1313646006

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