Donnerstag, 16. November 2017

Tanz auf der Rasierklinge


Blogstuff 168
„Die meisten Menschen (…) waren egoistisch, gierig, prinzipienlos, käuflich und von einer unverbesserlichen Selbstgefälligkeit, doch hatte er auch die Erfahrung gemacht, dass genau dieselben Menschen sehr empfindlich auf Kritik reagierten.“ (Richard Russo: Empire Falls)
Langsam und lautlos löst sich ein Schatten aus dem Nebel. Ist es der Jäger Gracchus? Nein, es ist die Fähre F 10 der BVG, die kurze Zeit später am Steg anlegt und mich über den Wannsee bringen soll. Das Schiff ist am frühen Morgen fast leer. So stelle ich mir den ersten Moment vor, nachdem man gestorben ist.
Wir malen einen Kreis in die Luft, sehen ihn scharf an und behaupten dann, wir kennen den Kern von irgendwas.
Wort der Woche: Kriegsschauplatz.
Die kulinarischen Highlights des Monats Oktober: Am 14. bin ich zu einem mexikanischen Abend bei einem der angesagtesten Alphablogger der Hauptstadt eingeladen, am 15. esse ich bei Uncle Sam’s das erste frittierte Mars in meinem Leben (sehr empfehlenswert), am 16. sitze ich bei 23 Grad im +39 in Kreuzberg im T-Shirt in der Sonne und esse die größte, nicht als XXL gekennzeichnete Pizza meines Lebens (Durchmesser: 45 cm) und muss zum ersten Mal aufgeben (Rand nicht geschafft). Wenn Sie alle Zahlen in diesem Text beim Lotto tippen, winkt eine Million!
Im Roman „1984“ werden mühsam die Zeitungsarchive der aktuellen Propaganda angepasst. Da ist Wikipedia schon ein großer Fortschritt.
Werbung: „Prinz Penispumpe“ – das neue Werk von Andy Bonetti. Jetzt! Nur für kurze Zeit in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung.
Gladys Munro arbeitet als Kindergärtnerin in Sacramento, als ein Killerkommando die Kita stürmt. Was die Ganoven nicht wissen: Gladys war früher bei den Navy Seals und kann mit ihren bloßen Zähnen eine Kalaschnikow auseinandernehmen, den Ölfilter wechseln, umlackieren und wieder zusammenbauen – in weniger als zehn Sekunden.
„Dieses selten schöne Werk ist von unvergänglichem Wert für jede Privatbibliothek und darf auch für den Salon zur vornehmen Zierde des Tisches gerechnet werden.“ (Nauener Neueste Nachrichten)
Wenn ich am Nachmittag von meinem Pfleger im Rollstuhl auf dem Damm - links der Rhein und rechts die Obstfelder - mühsam vorwärts geschoben werde, ein zerknittertes Hütchen auf dem Kopf und eine Wolldecke auf dem Schoß, spiele ich immer den emeritierten Professor für Protestkultur, der früher mit seinem Vortrag „SOS – Spieler oder Spielfigur“ unterwegs war und nun von Passanten gelegentlich auf sein früheres Schaffen angesprochen wird (diesen Satz habe ich im Traum mehrmals nach dem Erwachen aufgeschrieben, bis ich wirklich aufgewacht bin).
Nicht alle Menschen sind käuflich, aber man kann sie leihen. Die Leihgebühr beträgt mindestens 8,80 € pro Stunde.
Hätten Sie’s gewusst? Auf alten Gemälden wird nie gelacht, weil die Menschen damals so schlechte Zähne hatten. Ein wohltuender Gegensatz zur heutigen Dentalprotzerei der Prominenz.
Wieder einmal vier entspannte Wochen ohne die Neuigkeitsäffchen von den Medien. Es soll einen Waldbrand in Portugal gegeben haben und in England ist eine Prinzessin schwanger. Eine Million überflüssiger Informationsschnipsel - ein Panoptikum menschlicher Bedeutungslosigkeit - sind an mir vorüber gerauscht.
Die ganzen Witze rund ums Thema „Jamaika“ öden mich jetzt schon an. Ob Politiker oder Journalisten – jeder versucht krampfhaft, witziger als die Kabarettisten zu sein. Wenn ich Clowns sehen will, gehe ich in den Zirkus Krone.
Wenn Männer mehr Gefühle als Sex und Tobsuchtsanfälle kennen würden, wäre die Welt sicherer.
Dr. Feelgood - Mad Man Blues. https://www.youtube.com/watch?v=Y-3Jl11PhIM

2 Kommentare:

  1. "Wenn Sie alle Zahlen in diesem Text beim Lotto tippen, winkt eine Million!" -

    Meine Vorhersage: Millionen von Bonetti-Lesern tippen die sechs Zahlen. Sie werden gezogen und bei der Ausschüttung des Jackpots stellt sich heraus, dass jeder Gewinner genau 50 Cents bekommt. Die ohne richtige Superzahl kriegen, wenn es hochkommt, gerade mal 10 Cents. Und der einzige goldene Gewinner ist Bonetti, der an der Lotto-Annahmestelle beteiligt war. Und was danach im Land abgeht wird in den Geschichtsbüchern als die "Lotto-Revolution" bezeichnet.

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    1. Ist mir inzwischen egal, auf welche Weise ich die Revolution anfange.

      Mir läuft die Zeit davon, Alter!!! :o)

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