Freitag, 17. November 2017

Der Schabrackentapir

„Weisheit gehört zu den wenigen Dingen, die man weder kaufen noch verkaufen kann.“ (Robert Crumb: Die Nerds, 1978)
Ich saß mit einer Freundin an einem Vierertisch im ICE, als sich eine ältere Frau mit roter Kurzhaarfrisur und einem völlig überkandidelten bunten Schal neben mich setzte.
E. und ich sprachen gerade über die aktuelle Sexismus-Debatte. Es ging um die Frage, ob man noch Weinstein-Filme sehen durfte, nachdem die ekelhaften Details seiner sexuellen Belästigungen ans Licht gekommen waren. Ich gab zu bedenken, dass man dann auf die Quentin-Tarantino-Filme verzichten müsse. E. fügte an, sie könne dann die Herr-der-Ringe-Trilogie und „Shakespeare in Love“ nicht mehr sehen.
„Sie als Mann sollten sich aus dieser Debatte sowieso raushalten“, mischte sich die Frau mit einem giftigen Zischen in unser Gespräch ein.
Ich sah E. an und grinste. Dann legte ich los.
„Habe ich dir von dem Tierfilm erzählt, den ich neulich im Netz gesehen habe? Da ging es um den Schabrackentapir. Ein widerliches Tier. Es stinkt wie die Pest und fängt mit jedem Streit an.“
E. begann zu lachen.
„Der Schabrackentapir ist so aggressiv gegenüber anderen Tieren, das er in keinem Zoo der Welt gehalten werden kann. Die Tiere siehst du eigentlich nur im Film. Er ist so hässlich wie Dobrindt und so blöd wie Scheuer. Er hat ekelhafte rote Zotteln auf dem Kopf und einen fetten Schwabbelhals, den er nicht gerne zeigt. Das ganze Tier sieht aus wie ein Verkehrsunfall.“
Jetzt war E. nicht mehr zu halten. Sie bekam einen Lachanfall, Tränen liefen über ihre Wangen.
„Am schlimmsten ist der weibliche Schabrackentapir, wenn er die Wechseljahre hinter sich hat. Dieses Vieh ist wirklich die mit Abstand größte Scheißhausfotze im ganzen Tierreich.“
An diesem Punkt musste ich selbst aufpassen, dass ich nicht losprustete, aber ich brachte es zu Ende.
„Der Film ist der Hammer. Ich schick dir den Link. Ich weiß gar nicht, wie diese Tiere sich überhaupt fortpflanzen – und warum.“
Dann war Ruhe an unserem Tisch.
Eine Weile später sprachen E. und ich über unsere Vorliebe für T-Bone-Steaks.
Ultravox – While I’m Still Alive. https://www.youtube.com/watch?v=hqNvsJHP7TE
Copyright: Harri.

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