Montag, 20. November 2017

Bonetti‘s Weltwirken und seine Verankerung im Absoluten


Blogstuff 169
„Jeder nennt die Gedanken ‚klar‘, die den gleichen Grad der Konfusion wie seine eigenen haben.“ (Marcel Proust)
Wir sind gegenüber langsamen Entwicklungen oft hilfloser als gegenüber schnellen Veränderungen. Womit wir wieder einmal bei den Themen Übergewicht und Angela Merkel wären.
Alte Sicherheiten lösen sich auf wie auf einem Gemälde von Dali.
Keine Mücke, die in sein Haus geflogen ist, hat man jemals wiedergesehen. Bei den Menschen bin ich mir nicht sicher. Die Nachbarn behaupten, er sei ein schwarzes Loch.
Vorteil meines Gewichts: Ich bin Ende Oktober der letzte Mensch in Berlin, der im T-Shirt rumläuft, während andere schon Schals und Wintermäntel tragen.
Hätten Sie’s gewusst? Das Kiezschreiber-Blog wird auch im Bundeskanzleramt gelesen. Der Pförtner ist ein ganz großer Fan von mir.
Die Medien sind immer noch beleidigt, weil sie durch das Internet die Publikationshoheit verloren haben. Aber schon früher haben sich die Leute mindestens die Hälfte ihrer Informationen am Gartenzaun, in der Kneipe oder in der Kaffeeküche ihres Büros geholt. Jetzt steht eben die ganze Welt an meinem Gartenzaun.
Die drei Schubladen für meine Einfälle: a) Bierlaune, b) Schnapswahn, c) Eitelkeiten, Heikelkeiten, Heiterkeiten, d) erst nach meinem Tod veröffentlichen.
Kennen Sie Tristan Schweinehals? Von ihm entstammte der berühmte und zukunftsweisende Entwurf für das Urinal zu Ehren Bismarcks, der leider nicht mehr zur Ausführung gelangte.
Es gehört zum Repertoire der Konzernsender, arme Menschen durch den Dreck zu ziehen. Vorläufiger Höhepunkt ist die Serie „Promis auf Hartz IV“ auf RTL II, in der Omega-VUPs, die man höchstens aus dem Dschungelcamp kennt, einen Monat von Sozialhilfe leben müssen. Armut als Kinderspiel, nach Drehschluss geht’s dann mit dem Heli zum Luxus-Shopping.
Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Schildkröten haben immer denselben Gesichtsausdruck.
Häufig werde ich von meinen Lesern gefragt, was ich eigentlich am 20. Oktober 2017 gegen 13:33 Uhr gemacht habe? Eine heikle Frage, sehr persönlich, fast ein wenig intim. Trotzdem werde ich sie natürlich beantworten. Ich habe nachgedacht, liebe Freunde der Nacht, in langen Zügen und mit gutem Appetit nachgedacht.


Als ich am 12. Oktober nach Berlin kam, war die Linde vor meinem Fenster noch grün. Fünf Tage später waren fast alle Blätter gelb und heute, am 22. Oktober, ist er kahl. Selbst der Herbst ist in der Großstadt schneller als auf dem Land.
Der Orkan, der neulich hier unterwegs war, hat im Stadtgebiet über 50.000 Bäume zerlegt, aber keinen in meiner Straße oder im Garten hinter dem Haus. Schade, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht in Berlin war. Ich hätte gerne eine Lieferpizza bestellt.
Dort, wo früher das griechische Lokal Mykonos war und vor 25 Jahren kurdische Politiker ermordet wurden (beim diesjährigen Jubiläum waren wieder zahllose Menschen und Kamerateams anwesend – ein Mann bekam einen Herzinfarkt), ist jetzt eine Kita für Ein- bis Dreijährige. Was würde ein Dichter aus dieser Symbolik machen? Dort, wo einst das Leben von vier Menschen blutig endete, beginnt nun für viele Existenzanfänger ihre Zeit auf Erden. Sie krabbeln über den Boden, auf dem damals mit Kreide die Umrisse der Leichen gezeichnet wurden. Hurz!
Fox The Fox - Precious Little Diamond. https://www.youtube.com/watch?v=xMee76YLRQo

9 Kommentare:

  1. Die Bauern waren schon immer, auf jedem Teller, spottbillig.
    Nur die Teller, so da nach den Bauern benannt wurden, waren immer deutlich teurer als ihre Gestehungskosten.

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  2. Das mit der langsamen, ja geradezu schleichenden und unmerklichen, ( ist das Komma hier richtig ? ) Veränderung unsere Welt ist tatsächlich eine Furcht erregende Tatsache. Und hier geht es nicht um das neueste smart phone oder die neueste Glotze.
    Schon alleine das Verhalten der Menschen am Arbeitsplatz hat sich derart verändert, keine Solidarität mehr, nur noch Ellbogen und Neid, es ist tragisch.
    Gut, Neid gab es schon immer, aber es hat sich etwas verändert, man kann es oft gar nicht präzise benennen, oft sagt einem eher der Bauch, daß es nicht mehr stimmt.
    Man muß dann immer erst wieder einem guten Kabarettisten zuhören um sich sicher zu sein.

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  3. Events im November 2017
    Weltkindertag 2017 am 20 Mo:

    https://www.youtube.com/watch?v=to8_V8fyjZA ... (ړײ) *mitHURZe*

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  4. 1 1/2 Liter Bier um 1/2 2 und nur ein Essen. Das ist schon fortgeschrittenenstadium.

    Einer langsamen Entwicklung lässt sich gut entgegenwirken indem man langsam mal was anderes macht (aber bitte bitte nicht beim schreiben).

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    1. Ich weiß - ich sollte mehr essen. Demnächst nehme ich noch die Palatschinken als Nachtisch.

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    2. Quatsch. Für den Bauernteller hättste noch drei Bier trinken können.

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  5. In den 70ern oder 80ern gab es mal eine Werbung von Ovomaltine mit dem Wortlaut:
    "Alle großen Dichter waren Trinker"
    Das war für uns Jugendliche damals natürlich die Steilvorlage.
    Und Tor !!

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    1. Wenn ich schon mal in den Hopfenstuben bin ... in Schweppenhausen muss ich mir das Essen selbst machen und es gibt nur Mineralwasser dazu.

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    2. Wenn ihr gegessen und getrunken habt, seid ihr wie neu geboren; seid stärker, mutiger, geschickter zu eurem Geschäft.

      Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) *unterschreib*

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