Dienstag, 21. November 2017

Berlin, wie es einmal war

„Wir lieben dieses Land. Das ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht. Für diese Heimat werden wir kämpfen.“ (Katrin Göring-Eckardt vom Heimatverein „Die Grünen“, völkischer Flügel)
Die Berliner wissen ja leider nichts von der Geschichte ihrer Stadt. Ständig wird irgendwo etwas abgerissen und sofort ein neues Gebäude errichtet. Grabungen finden nur statt, wenn man eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg findet. Es ist eine regelrechte Obsession. Bomben müssen es sein, keine römischen Tempel oder Mumien oder die ollen Knochen eines germanischen Fürsten. Und natürlich nur Bomben aus der Hitlerzeit – dabei gab es doch auch noch eine Menge anderer Kriege, man muss ja nur in die Geschichtsbücher schauen. Frieden war damals nur so eine Art Halbzeitpause wie beim Fußball.
Nicht mal für ein paar Hinweisschilder hat es gelangt. Da stehe ich nun auf dem Parkplatz von Aldi und weiß gar nicht, dass hier einmal das Zelt der berühmten Abenteurers Isegrimm von Wanzleben gestanden hat, der Berlin 1199 überhaupt erst entdeckt hat. Vorher war auf der Landkarte nur Sumpf eingezeichnet. Leider ist er verschollen, seit er sich auf die Suche nach den geheimnisvollen Quellen der Spree gemacht hat.

Kunstwerk der sagenumwobenen Indianer, die Berlin in grauer Vorzeit gegründet haben. Das Wort „Berlin“ bedeutet in ihrer Sprache „Baustelle“.
Kennen Sie das Lied von Bolle, der nach Pankow kam? Er ist damals in der Wollankstraße aus dem Zug gestiegen. Der heutige S-Bahnhof war zu diesem Zeitpunkt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus konnte man mit der Eisenbahn bis nach Stockholm oder Tiflis fahren. Bolle hat später eine Supermarktkette eröffnet, die älteren Berliner werden sich erinnern. Seine Frau Bilka machte ihm damals Konkurrenz.
Da, wo am Leipziger Platz eine Shopping Mall aufgemacht wurde, stand im 19. Jahrhundert das Laboratorium von Günter Siemens, der die Saugglocke und den Glühwein erfunden hat. Ihm zu Ehren hat man viele Waschmaschinen und Kühlschränke auf den Namen Siemens getauft.

Der Leipziger Platz in den sechziger Jahren.
Der elfte Earl of Longshadow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen David Bowie, lebte von 1981 bis 1988 in der Knorkestraße 57 in Lichterfelde. Seine Hauswirtin machte ihn mit seiner späteren Frau Yoko Ono bekannt. Hier komponierte er seine bahnbrechenden Konzeptalben „Das Ende der Milchstraße“, „Das Ende der Fahnenstange“ und „Das Ende der Geduld“, die wiederum Andy Bonetti zu seinem Buch „Das Ende des Fließbands“ inspirierten.
Theodorus Hadermaul (1755-1806), Professor für Kulturpessimismus, erfand das Lamento und das Klagelied. Seine These vom baldigen Untergang des Morgen-, Mittag- und Abendlands hat er in der Karl-Marx-Allee 23 geschrieben, die damals allerdings noch Finkenweg hieß und mit einstöckigen Holzhäusern im Wildweststil bebaut war. Wenigstens eine klitzekleine Messingtafel hätte man doch an dem sozialistischen Prunkbau unserer Tage anbringen können.

Hier lebte und wirkte Prof. Hadermaul.
Yello - Homer Hossa. https://www.youtube.com/watch?v=5NZSwexVwsY

2 Kommentare:

  1. "Dich haben sie wohl mit dem Klammerbeutel gepudert"

    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-schnauze-zehn-redewendungen-und-ihre-bedeutung-22696376

    ... (ړײ)

    AntwortenLöschen
  2. Berlin strotzt doch nur so vor Geschichte.
    Alles voller Plätze und Straßen mit Namen der Helden der Napoleonischen Befreiungskriegen. Oder von Orten ruhmreicher, ergo gewonnener Schlachten.
    Und wer Augen im Kopf hat sieht immer noch die Einschläge von Granaten und MG-Salven in den historischen Gebäuden. Kurz nach der Wende vor allem im Prenzelberg, wo man das Gefühl hatte, die Trümmer seien erst gestern weggeräumt worden. Stark beschossene Kellerfenster, aus dem heraus wohl ein MG-Nest Ärger gemacht hat.
    Aber eben immer nur Krieg.
    Besteht unsere Geschichte nur aus Krieg ?
    Eine Christiane F. Straße lässt noch auf sich warten.
    Auch eine David Bowie Straße wäre sinnvoll.

    AntwortenLöschen