Sonntag, 1. Oktober 2017

Wissen und Nicht-Wissen

„Sein und Wissen ist ein uferloses Meer: Je weiter wir vordringen, umso unermesslicher dehnt sich aus, was noch vor uns liegt; jeder Triumph des Wissens schließt hundert Bekenntnisse des Nichtwissens in sich.“ (Isaac Newton)
In der guten alten Zeit hatten die Menschen auf alles eine einfache, wenn auch falsche Antwort: die Götter (später durch einen einzigen Chef-Gott abgelöst). René Descartes machte im 17. Jahrhundert den radikalen Zweifel zu seiner Philosophie. Ich kann mir nur selbst trauen, mich gibt es wirklich, alles andere ist ungewiss. Cogito ergo sum – das Individuum als Nullmeridian, von dem aus jeder von uns ins Unbekannte hinaus segelt. Sigmund Freud erschütterte diese Idee, indem er den Blick auf das tiefe Meer unter der Oberfläche unseres Bewusstseins richtete. Philip K. Dick setzte noch einen drauf, indem er in seinen Romanen mit der Existenz seiner Protagonisten spielte. Vielleicht sind wir in Wirklichkeit jemand ganz anderes? Das ist der intellektuelle Fortschritt der Menschheit: von der totalen Gewissheit zur totalen Ungewissheit.
Der einzige Besitz des griechischen Philosophen Diogenes war eine Schale, mit der er Wasser schöpfte. Als er sah, dass die Hunde auch ohne Schale Wasser tranken, warf er seine Schale weg. Ich habe gelernt, nicht nur Wasser und Bier, sondern auch Wein und Sekt aus der Flasche zu trinken. Wer braucht denn Gläser? So sollten wir uns von dem ganzen nutzlosen Wissen trennen, das wir in unserem Leben angehäuft haben. Die zweite Hälfte des Lebens, wenn wir vom Berg wieder hinabsteigen und das Tal schon sehen können, sollten wir dem Vergessen widmen. In der Sonne sitzen, schweigen und den Kopf leeren. Am Ende wird nicht der Zweifel eines Descartes bleiben, sondern die heitere Gelassenheit eines Epikur.
Pink Floyd – On the Turning Away. https://www.youtube.com/watch?v=ojf18wT_Xtk

2 Kommentare:

  1. ...naja....also Bier und Wasser aus der Flasche schmeckt....beim Wein lieber ein Glas....

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  2. Soweit das Wort zum Sonntag.

    Was ein unwissender Papst, ein vorsätzlich ignoranter Panzerfahrer oder ein eingebildeter Professor alles nicht weiß, ist das massenhafte Eine.

    Ein ganz Anderes ist es, Ungewissheit zu propagieren.
    Wussten Sie eigentlich, dass die Propaganda nicht von Göbbels erfunden wurde?

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