Donnerstag, 5. Oktober 2017

Bruchstücke meiner Hirntätigkeit


Blogstuff 164
„Da die Hurrapatrioten viel mehr Lärm schlagen als die Friedfertigen und Gemäßigten, hält man sie für weit zahlreicher und mächtiger, als sie tatsächlich sind, und sucht sie zu beschwichtigen.“ (John Kenneth Galbraith)
Ich verfasse meine Texte auf einer Tastatur von Manufactum, die von einhundertjährigen Indios aus dem Holz von zweihundertjährigen Mooreichen geschnitzt wurde. Beim Schreiben trage ich einen Country-Blazer von Harris Tweed. Zur Inspiration benetze ich meinen Gaumen mit einem Moet & Chandon Brut Impérial. Mit derlei dezenten Verbraucherinformationen verdiene ich als Blogger mein Geld, ohne dass es groß auffallen würde.
Hanns Johst gehörte zu den „Gottbegnadeten“, die 1944 von den Nazis zu einer Art schützenswertem Reichskulturerbe erklärt wurden und als „überragendes nationales Kapital“ von allen Verpflichtungen befreit waren. Er war einer der sechs wichtigsten Schriftsteller und hatte das Hitler gewidmete Erfolgsstück „Schlageter“ bereits vor dessen Machtergreifung geschrieben (Uraufführung: 20. April 1933), dessen berühmtes Zitat „Wenn ich Kultur höre … entsichere ich meinen Browning“ (1. Akt, 1. Szene) bis heute bekannt ist. Von 1935 bis 1945 war er Präsident der Reichsschrifttumskammer. Nach dem Krieg schrieb er unter Pseudonym für die Edeka-Kundenzeitschrift „Die kluge Hausfrau“, 1978 starb er als unbescholtener Bürger der Bundesrepublik in einem oberbayrischen Altersheim.
Früher war nicht alles besser, eine Sache aber schon: in Rheinland-Pfalz gab es Sportveranstaltungen der Spitzenklasse. Der FCK wurde in den neunziger Jahren zweimal deutscher Meister und spielte in der Champions League. Auf dem Nürburgring gab es Formel 1-Rennen. Hier hat Niki Lauda sein rechtes Ohr verloren! Genau hier! Und heute? Keine Rennen mehr und der FCK ist Tabellenletzter der zweiten Liga. Wir sind der neue Osten – und die Drecksmedien schweigen es tot.
Hätten Sie’s gewusst? 1899 kaufte das Deutsche Reich Spanien ein paar Südseeinseln (Karolinen, nördliche Marianen, Palau) für 16,6 Millionen Mark ab. Damals verdiente ein Hafenarbeiter in Hamburg noch 61 Mark im Monat. Ein Kilogramm Roggenbrot kostete 23 Pfennige, ein Liter Bier 24 Pfennige und das Kilo Kartoffeln zehn Pfennige. Nach der heutigen Kaufkraft entspricht dieser Preis 215 Millionen Euro (Brot) oder 332 Millionen Euro (Bier, Kartoffeln) – und man hat uns die schönen Inseln nach dem Ersten Weltkrieg einfach weggenommen!
Wir haben Big Business. Von Big Labour ist nichts zu sehen.
Hätten Sie’s gewusst? Im archaischen Griechenland gab es nach dem Begräbnis eines Adligen in dessen Haus sogenannte „Leichenspiele“, sportliche oder musische Wettkämpfe der Gäste zu Ehren des Toten.
Jede faschistische Bewegung – und sei sie auch noch so klein – erhebt den Anspruch, die wahren Interessen des Volks zu vertreten, und leitet aus diesem Repräsentationsanspruch einen Gestaltungsanspruch ab, der jedoch niemals vom ganzen Volk legitimiert worden ist, sondern allenfalls von Mehrheiten, wie sie jede Demokratie aus dem parlamentarischen Alltag kennt.
Das letzte Konzentrationslager in Europa wurde erst 1962 geschlossen – im Spanien der Franco Diktatur (Quelle: Carme Molinero, Margarida Sala, Jaume Sobrequés (Hrsg.): Una inmensa prisión. Los campos de concentración y las prisiones durante la guerra civil y el franquismo. Crítica, Barcelona 2003). Erst 1975 endete die letzte faschistische Diktatur in Europa.
Das selbstfahrende Auto wird ein ungeheurer Fortschritt für Behinderte sein, denn selbst Blinde werden ohne fremde Hilfe fahren können. Aber für die Fahrschulen wird es eine Katastrophe sein, weil niemand mehr einen Führerschein braucht.
Sehr lustig war der Bericht über den ersten Verkehrsunfall eines selbstfahrenden Wagens (in der lateinischen Übersetzung: Automobil) – am selben Tag gab es weltweit tausende Unfälle mit Fahrzeugen, die von Menschen gesteuert wurden.
Manche glauben, sie sitzen auf einem Thron, aber sie sitzen nur auf ihrem Hintern.
Das Wetter war irgendwo zwischen Autowaschanlage und Weltuntergang.
Immer dieses materialistische Lamento von der Altersarmut. Wir werden später immer noch unsere Würde, unsere Erfahrung und unsere innere Schönheit besitzen.
Auf Wunsch der 4x100m-Staffel des Seniorenzentrums Unkenpfuhl spielen wir:
The Beach Boys - California Girls. https://www.youtube.com/watch?v=KcrbDYe4qL4

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