Dienstag, 12. September 2017

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Blogstuff 153
„Er wollte immer nur Geld. Nicht um etwas damit kaufen zu können, sondern um es zu besitzen, um es zu vermehren. Er schrieb wie besessen einen Schundroman nach dem anderen und er hatte Erfolg. Er verdiente Geld mit Geld, in dem er mit Aktien Geschäfte machte. Er wurde reich und das Geld war wie ein Panzer, der ihn vor der Welt schützte. Er musste nicht mehr das Haus verlassen, er ließ sich Essen, Kleidung und alles andere liefern. Er musste nicht mehr freundlich sein, denn das Geld machte ihn unabhängig von anderen Menschen. Der Reichtum gab ihm Sicherheit. Das Dienstpersonal, mit dem er sich umgab, musste lernen, seine Schrullen und Marotten zu ertragen. Er konnte es sich am Ende leisten, sich völlig verwahrlosen zu lassen und andere zu schikanieren, die bereit waren, sich gegen eine fürstliche Entlohnung zum Sklaven seiner Boshaftigkeit zu machen. Er bewarf seine Köche mit ihrem eigenen Essen, er beleidigte und bedrohte seine Diener, er zerschlug beim geringsten Anlass das Porzellan und warf die Bücher seiner Konkurrenten, die er sich kistenweiße liefern ließ, ins Feuer seines Kamins. Er war ein Tyrann, der sich seine eigene Hölle geschaffen hatte.“ (Lupo Laminetti: Bonettis letzte Jahre)
Der Tod kontaminiert die Dinge und verwandelt sie in Gespenster. Die Kleidung eines Verstorbenen will niemand mehr tragen. Wer möchte die Löffel haben, die der Verstorbene in seinem Mund hatte? Erinnerungsstücke und Andenken haben ihren Wert nur in den Augen einer Person, die es nicht mehr gibt. Die Wohnung des Toten verwandelt sich in ein Gruselkabinett, obwohl sie doch vorher so vertraut war.
Warum messen wir die Entfernung zwischen Geburt und Tod in Jahren?
Bis 1989 gab es nicht nur ein militärisches Wettrüsten zwischen Ost und West, sondern auch ein Wettrüsten bei den Arbeitslöhnen. Deswegen stagnieren die Reallöhne ja auch seit 1990.
Coolness: Ich war schon im Kindergarten bei den Haribo Angels – aber ich hänge solche Sachen eben nicht an die große Glocke.
Ich sehe ein kleines Kind, das in seinem Kinderwagen fröhlich ein Lied vor sich hin kräht, und denke mir: beim nächsten Mal kommst du auch als Baby auf die Welt.
Sommerabend am Marheinekeplatz in Kreuzberg. Ich sitze mit Freunden auf der Terrasse eines italienischen Restaurants, am Nachbartisch ein einsamer Mann mit Halbglatze. Eine füllige Frau um die vierzig kommt vorüber und fragt den Mann: „Sind Sie alleine?“ Er antwortet: „Ja.“ Sie fragt: „Wollen Sie alleine bleiben?“ Er antwortet wieder mit Ja. Sie geht wortlos weiter. Flirten 2017. Kein Land für Romantiker.
Woher kommt die Formulierung „Der Furz des Kolumbus“? Die Königin von Spanien stellte den Entdecker vor die Aufgabe, einen Furz in fünf Teile zu spalten. Kolumbus löste das Rätsel, indem er in einen Handschuh furzte.
„Ich finde die US-Streitkräfte einfach großartig. Schon als Kind wollte ich zu den Fallschirmspringern. Ich packte meine Schmusedecke in einen Rucksack und sprang vom Küchentisch. Auf dem Fußboden rollte ich mich ab und robbte zum Kühlschrank hinüber.“ (Trump bei einer Ansprache vor hohen Militärs)
Wie alle Mythen lebt auch der Mythos von der Berliner Trümmerfrau von der Vereinfachung. Die Trümmerfrauen haben die Stadt nicht wieder aufgebaut, sondern die Handwerker. Mit den Trümmersteinen allein baut man keine Stadt, man braucht auch Mörtel. Die Trümmerfrauen haben nicht aus reiner Barmherzigkeit gearbeitet, sondern für Lebensmittelgutscheine. Es ist auch keine deutsche Erfindung aus dem Jahre 1945, Baumaterial von Ruinen und verlassenen Gebäuden zu recyceln. Diese Methode war schon in der Antike und im Mittelalter bekannt.
Neulich war ich bei einem Alphablogger zur Grillparty eingeladen. Auf dem Nachbargrundstück ist ein Altersheim. Der TV- und Musiklärm, der aus den offenen Fenstern der Schwerhörigen drang, war barbarisch. Aber die Clubs in der Innenstadt müssen wegen geräuschintoleranter Nachbarn reihenweise schließen.
Zum Schluss noch eine gute Nachricht: McDonald’s hat seine Filiale in Aleppo wieder eröffnet.
Bomb The Bass - Beat Dis. https://www.youtube.com/watch?v=mHh5rDcQKhQ

Quelle: Out of the box.

Kommentare:

  1. "Warum messen wir die Entfernung zwischen Geburt und Tod in Jahren."

    Weil es der kleine Nenner ist für eine Skalierung ist. Manche schaffen in diesem Zeitraum nicht einmal ein Leben. Ich hatte bis zur Hälfte schon 3 und meine 2 hätten es auch getan.

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    1. Das mit der 3 und der 2 habe ich nicht verstanden. Klären Sie mich auf?

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Das bisher Erlebte reicht für 3 Leben. Ich hätte es nichts dagegen gehabt, wenn es nur für 2 Leben gereicht hätte. Manchmal ist weniger doch mehr und nervenschonender.

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  2. Und ich hab mich die ganze Zeit vor Blogstuff 153 gefürchtet...

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    1. Dann habe ich ja alles richtig gemacht. Jetzt solltest du vor meinen Enthüllungen am 31. September Angst haben ;o)))

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  3. Trümmerfrauen? Waren das nicht eher fake news wo gestellte Fotos mit ein paar Models dem Fotografen Einnahmen bescherten?

    Auch die sog. Club Szene gibt es doch nur aus Kommerzgründen. Dem Betreiber sind seine "Gäste" (bis auf wenige Ausnahmen lediglich Kunden) so egal wie die Nachbarn die diese SaufKultur ertragen sollen.

    Dazu dann diese unglaublichen Schmalspurdiskussionen (ob nun Fussball, Politik oder Kultur -womit meist der Konsum irgendwelcher Aufführungen gemeint ist-). In einem hippen Szene Lokal meinte mal einer "Kneipen sind alle gleich". Nach intensiven Feldstudien muss ich feststellen dass er Recht hatte. Die Ausschließlichkeit ist identisch.

    Ansonsten Danke für diese vielen Perlen, das wird hier so langsam zur letzten Oase im I-net.

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