Freitag, 29. September 2017

Unter Indianern

„Woher weißt du meinen Namen?“
Ich deutete mit dem Kopf auf eine Frau mit langen schwarzen Zöpfen, die gerade zwei Teller mit Kuchen an einen der Tische des kleinen Ausflugslokals brachte.
„Das ist nicht gut“, sagte er und blickte mich scharf an.
„Warum?“ fragte ich.
„Fremde sagen meinen Namen. Das ist nicht gut. Wir sagen unseren Namen. Oder wir sagen unseren Namen nicht.“
Ich verstand kein Wort. Mein erster Tag in den Rocky Mountains.
„Wieso heißen Sie eigentlich Qualmende Socke?“
„Vor vielen Monden bin ich über die Berge gekommen. Ich habe die Berge bestiegen und schlief unter den Sternen. Als ich hier ankam, hat man mir diesen Namen gegeben.“
„Sie könnten doch einfach wieder zurückgehen.“
Er sah mich lange an und schwieg.
„Ich hätte gerne diese Schneekugel“, sagte ich schließlich und deutete auf eine kleine Glaskuppel, unter der man Berge und ein paar Wigwams sah.
Er drehte sich um, holte die Schneekugel aus dem Regal und stellte sie auf den Verkaufstresen. „Macht siebenfünfundneunzig.“
Komische Leute, diese Indianer.
Copyright: David Zinn.

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