Montag, 25. September 2017

Paris – Stadt der Liebe

„Wer einen Garten besitzt und eine Bibliothek, hat alles, was er braucht.“ (Cicero)
„Könnten Sie mir bitte das Kalbsfilet mit Kartoffelgratin statt mit Salzkartoffeln bringen? Und das Filet nur leicht anbraten, es sollte keinesfalls zu lange in der Pfanne sein. Den Salat bitte ohne Gurken und Zwiebeln. Welches Öl nehmen Sie für das Dressing?“
Ihre Auftritte vor Publikum waren nervenaufreibend. Bei mir hatte sie es schon längst aufgegeben. Um weitere Komplikationen zu vermeiden, hatte ich bereits eine gemischte Vorspeisenplatte in Auftrag gegeben. Sicherlich würde die Hälfte der Kleinigkeiten ganz grundsätzlich nicht ihrem Geschmack entsprechen und die andere Hälfte würde einen Makel haben, den sie mir wortreich erläutern musste.
„Wie hat dir die Ausstellung gefallen? Ich kann ja mit der schwedischen Moderne nicht viel anfangen. Wer ist eigentlich dieser Silvio Burlesko?“
Sie hatte mich in diese Ausstellung geschleppt. Ich interessierte mich überhaupt nicht für Kunst. Aber sie brauchte Stoff für die Gespräche mit ihren Freundinnen nach unserer Rückkehr. Natürlich habe ich keine Ahnung von diesem Burlesko. Ich höre schon ihren schnippischen Kommentar: „So, du weißt es also nicht.“ Du weißt es doch auch nicht! Das Fräulein Naseweiß stellt mir seit dreißig Jahren Fragen, die sie selbst nicht beantworten kann. Aber ich bin der Idiot, wenn ich nicht wie aus der Pistole geschossen das Geburtsjahr von Shakespeare nennen kann.
„Was sagst du zu diesen Skulpturen? Waren sie nicht obszön? Oder ist dir das gar nicht aufgefallen?“
Sie hatte ihren zweiten Aperitif gerade ausgetrunken und ich wusste, dass Alkohol sie aggressiv und arrogant machte. Aber ich bin ja selbst schuld. Warum habe ich dieses verwöhnte Einzelkind aus gutem Hause, wie man damals sagte, überhaupt geheiratet? Sie brauchte diese Museums- und Theaterbesuche. Und dann erzählte sie auf Partys immer nur, was für ein Trottel der neue Liebhaber einer berühmten Opernsängerin war, die sie gerade gesehen hatte. Oder wie schrecklich die Modeboutiquen in Salzburg waren, das wir zur Festspielzeit besucht hatten.
„Wir müssen morgen unbedingt noch in die Galerie von Monsieur Popain. Vielleicht kaufen wir uns etwas für unser Schlafzimmer.“
Reisen mit meiner Frau sind wie eine Klassenfahrt. Den ganzen Tag Programm. Das Frühstück im Hotel ist nicht der Anfang eines entspannten Urlaubstags, es ist wie eine Besprechung. Sie stöbert in Reiseführern und zerrt ausgeschnittene Feuilletonartikel aus ihrer Handtasche hervor, ich sitze ihr mit Block und Stift gegenüber und schreibe auf, was wir an diesem Tag erledigen wollen. Dabei ist ihr Kunst so egal wie mir. Die Werkschau von Swetlana Ostrowski neulich in Hamburg hat sechshundert Exponate umfasst. Sie ist in einer halben Stunde durchgerast. Das sind drei Sekunden pro Bild oder Skulptur. Ich habe die Szene noch genau vor mir: Ich bin im ersten Raum und sehe durch die geöffneten Flügeltüren die gesamte Zimmerflucht. Meine Frau rennt gerade vom zweiten in den dritten Raum und stürmt, es ist nicht gelogen, ohne auch nur einmal nach links oder rechts in zehn Sekunden hindurch und ist verschwunden. Warum geht sie eigentlich überhaupt in Ausstellungen? Nur, um es anderen Wichtigtuern erzählen zu können?
„Schatz, das Essen war grauenhaft. Wie kann man nur Pfeffer an ein Kalbsfilet machen? Und der Wein war zu warm. Wir hatten Weißwein bestellt, aber der Temperatur nach war es Rotwein. Ich verzichte auf die Nachspeise. Hier gehen wir nicht mehr hin.“
Wir sind schon draußen auf dem Parkplatz, als sie noch einmal ins Lokal zurückkehrt, um die Toilette aufzusuchen. Ich halte solange ihre Handtasche. Warum bin ich nicht Single? Alleinstehende Männer müssen nie die Handtasche von irgendwelchen Frauen in ihren Händen halten oder nachts an der Tankstelle Tampons kaufen. Aber ich bin zu alt, um das alles noch zu ändern.
The Beatles - If I fell. https://www.youtube.com/watch?v=mdiXmzLAmDE

2 Kommentare:

  1. Können wir mit dem Wochenende nochmal von vorne anfangen ?
    Ich war noch nicht fertig!

    +

    Gerade mit dem Montag einen Kaffee getrunken. Privat ist der echt in Ordnung! Trotzdem …

    *Morgääähn...zwinker*

    AntwortenLöschen
  2. Können wir mit dem Wochenende nochmal von vorne anfangen ?
    Ich war noch nicht fertig!

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    Gerade mit dem Montag einen Kaffee getrunken. Privat ist der echt in Ordnung! Trotzdem …

    *Morgääähn...zwinker*

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